Anschlag auf Barbershop in Backnang: Angeklagte werfen Molotow-Cocktails – Anweisungen kommen per Telefon

Der Brandanschlag auf den Backnanger Barbershop hat eine enorme Verwüstung hinterlassen (Symbolbild).
dpaNicht viel mehr als eine halbe Stunde hat der Auftakt des Prozesses gegen vier junge Männer vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart gedauert – doch die Vorwürfe wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 20-jährigen und seinen zwei 16 Jahre alten Brüdern sowie einem 19-Jährigen versuchten Mord und einen schwunghaften Drogenhandel in Backnang vor. Nach der Anklageverlesung wurde der Prozess bereits wieder unterbrochen, er wird am 23. Juni fortgesetzt.
Molotow-Cocktails in Backnang: Teile einer Unterhose als Lunte verwendet
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett einen Brandanschlag mit mehreren Molotowcocktails auf einen Barber-Shop in der Innenstadt von Backnang im Dezember vergangenen Jahres vor. Der Auftrag dazu soll von dem 20-Jährigen gekommen sein, der während der Tat telefonisch Kontakt gehalten haben und Anweisungen erteilt haben soll. Die anderen drei Angeklagten hätten zunächst drei solcher Molotowcocktails gebastelt, wobei sie als Lunte Teile einer Unterhose verwendet haben sollen.

Die Verhandlung findet vor dem Landgericht Stuttgart statt.
Foto: Bernd Weißbrod/dpaGegen 2.20 Uhr sollen sie dann zwei dieser Brandgeschosse gegen die Hausfassade und in ein Schaufenster des Barber-Shops geworfen haben. Einer der Angeklagten habe die Szene mit einem Smartphone gefilmt und kommentiert. In den oberen Geschossen des Hauses haben laut Anklage zur Tatzeit mehrere Familien mit Kindern ahnungslos geschlafen. Den Tod dieser 14 Personen sollen die Angeklagten billigend in Kauf genommen haben.
Tatsächlich habe für die Bewohner keine Gefahr bestanden, da die Flammen erloschen, nachdem die Flüssigkeit verbrannt war. Das sei den Angeklagten jedoch nicht bewusst gewesen. Der Brandanschlag habe zu einer großen Verwüstung und einem massiven Glassplitter-Hagel geführt. Die Anklage lautet auf versuchten gemeinschaftlichen Mord mit gemeingefährlichen Mitteln und versuchte schwere Brandstiftung mit Todesfolge.
Schwunghafter Handel mit Cannabis und Kokain in Backnang
Dem 20-Jährigen legt die Staatsanwaltschaft darüber hinaus einen schwunghaften Handel mit Cannabis und Kokain in Backnang in 26 Fällen vor. Insgesamt soll er rund zwei Kilogramm Marihuana und etwa 200 Gramm Kokain ge- und verkauft haben. Teilweise sollen Beträge von 2500 Euro dafür geflossen sein. In zwei Fällen soll ihm der 19-Jährige geholfen haben, die beiden anderen Angeklagten hätten ihn in einem beziehungsweise zwei Fällen unterstützt, hieß es in der Anklage weiter.
Für den Prozess sind acht weitere Verhandlungstage bis Ende Juli geplant, das Urteil ist für den 29. Juli vorgesehen. Die Verteidiger der vier Angeklagten kündigten an, dass sich ihre Mandanten vorerst nicht zu den Tatvorwürfen äußern wollten. Zu den Lebensläufen würden möglicherweise später im Verfahren Angaben gemacht.