Problem am Marbacher Bahnhof
: Nasse Fahrgäste und viel zu kurz: Dach des Bahnhofs in der Kritik

Am Gleis 2 des Bahnhofs in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist das Dach nur 45 Meter lang. Just hier warten aber besonders viele Pendler. Das sorgt für Probleme.
Von
Christian Kempf
Ludwigsburg
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Stuttgarter Zeitung

Anfangs konnte man die Fahrgäste in der S-Bahn von Marbach nach Backnang gefühlt oft an einer Hand abzählen. Doch heute, mehr als zehn Jahre nach der Verlängerung des Netzes um diese Verbindung, ist die Route kaum noch aus dem Streckenplan wegzudenken. Die Trasse hat aber indirekt ein neues Problem geschaffen: die speziell zu den Stoßzeiten stark nachgefragten Züge nach Stuttgart fahren seit der S-Bahn-Verlängerung in Marbach nicht mehr vom Gleis 1, sondern vom Gleis 2 ab – wo das Dach offenbar nicht auf diese Menschenmenge ausgerichtet und obendrein undicht ist.

Ein Thema, das den Marbacher Bahnexperten Jochen Biesinger umtreibt und das auch die Stadt auf seinen Impuls hin aufgegriffen hat. Biesinger weist darauf hin, dass der Wetterschutz am Gleis 2 lediglich 45 Meter lang ist. Das seien 20 Meter weniger als am Gleis 1, das dem Busbahnhof zugewandt ist. Zudem müsse man bedenken, dass ein Teil des Dachs am Gleis 2 über die der Treppenanlage der Unterführung rage. Genau genommen sei „somit die überdachte Aufstellfläche für die Fahrgäste im Vergleich zu Gleis 1 in etwa nur halb so groß“.

Der Bahnexperte Jochen Biesinger macht auf Verbesserungspotenzial am Gleis 2 in Marbach aufmerksam.

Foto: Archiv (privat)

Die S-Bahnen, die über Ludwigsburg nach Stuttgart rollen, seien indes mehr als 200 Meter lang. Bei Regen verteilten sich die Pendler jedoch nicht auf die volle Strecke vom ersten bis zum letzten Waggon, sondern auf 45 Meter. Ein weiteres Manko sei, dass die Fahrgäste selbst unter dem Dach nicht trocken blieben, wenn sich die Himmelsschleusen öffnen. Die Konstruktion sei undicht, weshalb die Wartenden bei starkem Regen trotzdem nass würden.

Ebenfalls nicht optimal findet Jochen Biesinger die Situation am Gleis 2 in puncto Sitzgelegenheiten. Lediglich acht Plätze seien hier überdacht. Am Gleis 1 sei das Angebot in der Hinsicht üppiger und die Möglichkeiten, sich bei Regen unterzustellen, besser. „Das geht eigentlich am Kundenbedürfnis vorbei“, findet der Fachmann, der beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) in leitender Funktion tätig ist.

Biesinger würde sich wünschen, dass die Stadt auf die Deutsche Bahn beziehungsweise das Land zugeht, um eine Verbesserung einzufordern. Als Basis des Postulats könne man auf die Vereinbarungen des Bahngipfels von Bahn und Land von Anfang Juli hinweisen. Demnach soll unter anderem der Wetterschutz an den Gleisen erweitert werden.

Bahn will das Dach verlängern

Bei der Bahn scheint dieser Appell nicht auf taube Ohren zu stoßen. „Im Rahmen der Umgestaltung des Bahnhofs als sogenannter Zukunftsbahnhof soll das Dach verlängert werden“, kündigt eine Sprecherin des Konzerns an. Außerdem werde man weitere Sitzgelegenheiten schaffen. Wann genau, werde bekannt gegeben, „sobald uns belastbare Zeitpläne vorliegen“.

Zu einem etwaig undichten Dach lägen indes keine Beschwerden vor. Entsprechende Schäden würden jedoch grundsätzlich im laufenden Betrieb möglichst zeitnah behoben.