Private Nachricht wird öffentlich: Ausrutscher auf Facebook – FDP-Kandidat kritisiert öffentlich Rülke

Wolfgang Vogt ist ein Fauxpas auf Facebook passiert.
Zacharie Scheurer/FDP Baden-WürttembergDie FDP erlebt ein besonders schwieriges Jahr: erst die D-Day-Affäre, dann die Niederlage bei der Bundestagswahl. In Baden-Württemberg mühen sich die Liberalen zwar um Unterschriften für ihr Volksbegehren „XXL-Landtag verhindern“. Doch in den Schlagzeilen landen sie vor allem wegen Negativmeldungen – zuletzt, weil der Stuttgarter Landtagsabgeordnete Friedrich Haag an seinen Tankstellen verbotene Tabakprodukte verkauft hatte.
Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl kommt nun ein weiterer – wenn auch kleiner – Ausrutscher hinzu. Wolfgang Vogt, FDP-Landtagskandidat im Wahlkreis Ludwigsburg, zeigte sich am Donnerstagabend in einem Facebook-Post ungewohnt offen verärgert über seinen Landesverband und den Landesvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke.
Ärger über Pressearbeit
In einem Facebook-Post vom Donnerstagabend ärgert sich Vogt über Wahlergebnisse und Listen, die noch nicht veröffentlicht worden seien, und die spärliche Pressearbeit. „Die kriegen es echt nicht hin. Die letzte Pressemitteilung des Landesverbandes ist vom 6. Juli. Seit zwei Monaten hat die FDP/Rülke nichts zu sagen? Ich fasse es nicht!“ Der Facebook-Post ist mittlerweile gelöscht.
Der Post war offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern für einen privaten Chat – und bringt den Kandidaten nun in Erklärungsnot. „Es handelt sich um einen bedauerlichen Copy und Paste-Fehler“, schreibt Vogt auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich werde mich bei Herrn Rülke, den ich für seine fachkundige und engagierte Arbeit sehr schätze, für meinen Fehler entschuldigen.“ Zugleich betonte Vogt, dass er selbst, Rülke und zahlreiche FDP-Politiker derzeit landesweit an Infoständen präsent seien, um für das Volksbegehren zu werben. Die Botschaft: Alle ziehen an einem Strang.
Landesverband: Kann mal passieren
Der Landesverband reagiert gelassen auf die öffentliche Kritik. „Dass ein eigentlich intern gemeinter Post auf Social Media seinen Weg an die Öffentlichkeit findet, ist nicht schön“, schreibt die Hauptgeschäftsführerin der FDP Baden-Württemberg, Charlotta Eskilsson. „Aber bei der Vielzahl an Aufgaben des Wahlkampfs kann das mal passieren.“
Die Vorwürfe im Facebook-Post seien jedoch nicht korrekt, betont Eskilsson. Hans-Ulrich Rülke, der sich nicht persönlich zu der Sache äußert, sei in den vergangenen Wochen selbstverständlich mehrfach in der Presse zu Wort gekommen, die von Herrn Vogt gesuchten Listen seien auf der Homepage zu finden.
Der Vorfall wird die FDP vor der Landtagswahl kaum erschüttern. Doch die Liberalen brauchen dringend positive Impulse: Laut Infratest dimap lagen sie im Mai bei nur fünf Prozent – der Wiedereinzug in den Landtag steht auf der Kippe.
