Mobilität in Ditzingen
: Kritik an Regiorad wird lauter

Wird die Stadt weiterhin am Verleihsystem der Region festhalten? Seit Monaten wird immer wieder der offensichtlich mangelhafte Service beklagt. Doch nie waren die Äußerungen der Stadträte so deutlich wie zuletzt im Ausschuss.
Von
Franziska Kleiner
Ludwigsburg
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Stuttgarter Zeitung

So deutlich und zugleich über die Fraktionsgrenzen hinweg ist Regiorad im Ditzinger Gemeinderat bisher nie kritisiert worden. In den Teilorten werde das Verleihrad „nahezu nicht angenommen“, sagte der FDP-Rat Horst Ludewig. Der CDU-Fraktionschef Sven Sautter forderte Konsequenzen in Bezug auf den laufenden Vertrag: „So schnell wie möglich raus.“ Zur Begründung sagte er: „Preis, Qualität und Service stimmen nicht.“ Der Vertrag läuft regulär noch zwei Jahre, bis ins Jahr 2026.

FDP.Rat Horst Ludewig.

Foto: StZN

Bürgermeister Ulrich Bahmer (CDU) hatte bereits in der Vergangenheit auf Nachfrage aus dem Gremium mitgeteilt, dass der auch aus Verwaltungssicht unzureichende Service bei den Verantwortlichen angemahnt worden sei. Es sei Besserung gelobt worden, aber nichts sei passiert.

Am Dienstag wurde der Bericht zum ersten Halbjahr 2024 lediglich bekannt gegeben. Ein Beschluss wurde daher nicht gefasst. Die Stadträte äußerten sich gleichwohl allesamt kritisch – wenn auch nicht im selben Maße wie der Christdemokrat Sautter.

Renningen ist bereits ausgestiegen

Er hatte vorgerechnet, dass bei jährlichen Kosten von 70 000 Euro für die Stadt jede Entleihung 330 Euro koste. Diese Subvention bedeute, dass man jedem ein halbes Rad schenken könnte. Laut Statistik wurden im ersten Halbjahr in Ditzingen 212 Entleihungen registriert.

Ditzingen ist mit der Kritik an dem Verleihsystem nicht alleine. Die Stadt Renningen hat den Vertrag bereits gekündigt. Die Stadt steigt diesen Oktober, drei Jahre vor Ende der Laufzeit, aus. Wie es im Renninger Rathaus hieß, seien die Nutzerzahlen sehr niedrig gewesen, vor allem während Corona. Die Kosten seien dafür unverhältnismäßig hoch gewesen.

Für das Verleihsystem verantwortlich ist DB Connect, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Regiorad Stuttgart bietet nach eigenen Angaben an mehr als 230 Stationen in mehr als 30 Städten und Gemeinden der Region Stuttgart rund tausend Fahrräder, 700 Pedelecs und 35 Lastenpedelecs an. Laut der im Ditzinger Ausschuss für Technik und Umwelt vorgelegten Statistik insgesamt gibt es „eine leicht positive Tendenz“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gezählt wurde 3500 Fahrten mehr als im Vergleichszeitraum. Mai und Juni seien aber schwächer als im Vorjahr.

Die Nutzungsdauer ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent gesunken. Die durchschnittliche Fahrtdauer beträgt beim Fahrrad nun 23 Minuten, beim Pedelec 37 Minuten. 87 Prozent der Fahrten dauern maximal 30 Minuten, 73 Prozent dauern nach der von der Stadt vorgelegten Statistik maximal 15 Minuten.

Laut der Statistik hat Regiorad in Stuttgart 6955 Kunden, in der Region aber deutlich weniger: Ludwigsburg hat auf Rang zwei 520 Kunden. Ditzingen befindet sich auf Rang sieben mit 164 Kunden. Danach folgen Bietigheim-Bissingen, Fellbach und Leonberg. In Leonberg wurden 158 Kunden registriert. In Gerlingen waren es 104 und in Korntal-Münchingen 98.

Carl Renninger (Junge Liste) meinte, dass das System auf Stuttgart ausgelegt sei, man sich daher in Ditzingen auf die Kernstadt hätte konzentrieren sollen. Doris Renninger (Grüne) regte an, Ausleihstationen in Wohngebieten zu positionieren, etwa im Gebiet Ob dem Korntaler Weg, einer Wohngegend also, die weiter vom Bahnhof entfernt liegt.

Ein Beschluss wurde nicht gefasst, da es sich lediglich um eine Bekanntgabe handelte. Aber offensichtlich wurde, dass der Tagesordnungspunkt spätestens zum Vertragsende wieder aufgerufen werden wird.