Kreis Ludwigsburg: Wohltätige Vereine sind von Sparprogramm betroffen

Silke Rapp (hinten Mitte) und ihr Team vom Café L’ink in Ludwigsburg am Marktplatz stehen fest hinter dem Projekt, das unterschiedliche Menschen zusammenführt.
Andreas Essig15 Jahre Tragwerk Ludwigsburg: Das sind 15 Jahre aktiver und erfolgreicher Einsatz für Teilhabe und Inklusion. Ein Grund zum Feiern – was die Mitglieder bei einem kleinen Festakt vor wenigen Tagen auch getan haben. Doch die Freude ist getrübt – denn die finanzielle Zukunft des Vereins ist fraglich. Der Landkreis Ludwigsburg plant eine umfassende Haushaltskonsolidierung. Wo genau der Rotstift angesetzt werden soll, darüber wird am 25. Juli in einer Sondersitzung des Kreistags entschieden. Dann sind auch Zuschüsse für soziale Vereine wie Tragwerk in Gefahr.
Klar ist: Der Landkreis Ludwigsburg muss sparen. Der Kreis-Haushalt weist ein großes Defizit aus, weil „Landkreise und Städte immer mehr Aufgaben von Bund und Land übernehmen müssen“, heißt es von Andreas Fritz, dem Sprecher des Landkreises. Eine extra gebildete Haushaltskommission, bestehend aus mehreren Kreisräten, hat eine Liste an Sparmaßnahmen zusammengestellt, die dem Kreistag am 25. Juli vorgelegt wird. Dessen Entscheidung bildet dann die Basis für den Haushaltsplan 2026.
Folgen für die soziale Infrastruktur?
Wer und was alles Teil des vorgeschlagenen Sparpakets ist – vor allem, welche Vereine betroffen sind, – darüber wollte das Landratsamt zunächst keine Auskunft gegeben. Immerhin sollen die betreffenden Unterlagen noch vor der Sitzung öffentlich zugänglich gemacht werden.
Warnung vor verheerenden Folgen für soziale Infrastruktur
Solange die Entscheidung im Kreistag noch aussteht, möchte auch Marc Dressel, Sprecher der Liga der freien Wohlfahrtspflege, der mehrere Sozialverbände angehören, sich zu den Sparmaßnahmen nicht konkret äußern. Allerdings warnt er davor, „die soziale Infrastruktur und damit einhergehend die soziale Daseinsfür- und -vorsorge im Sozialraum im Kern zu schwächen“. Dies hätte aus seiner Sicht „verheerende Folgen“ für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis. „Die Angebote und Dienste der sozialen Infrastruktur greifen an vielen Stellen wie Zahnräder ineinander.“
Eines dieser Zahnräder ist der Verein Tragwerk. Vor 15 Jahren wurde er gegründet, um in der Stadt für Chancengleichheit und Inklusion einzutreten und zu zeigen, „dass Vielfalt ein hohes Gut in unserer Gesellschaft ist“, wie es Vorstandsmitglied Silke Rapp formuliert. Der Verein ist inzwischen Teil eines großen Inklusionsnetzwerks und unter anderem Hauptorganisator der Langen Nacht der Inklusion.
Er bietet auch Sprechcafés und Sprachkurse an, den Regenbogenbrunch sowie das Café „L’ink“. In diesem Café, das an wechselnden Standorten stattfindet, sind junge Menschen mit Behinderung tätig und werden dabei von Pädagogen begleitet, um sie so beim schwierigen Übergang in einen Beruf zu unterstützen – mit sichtbaren Erfolgen, wie Silke Rapp erzählt.
Sachsenheim beispielsweise ist von dem Projekt so überzeugt, dass der Gemeinderat jüngst beschlossen hat, das Café für drei weitere Jahre mit jährlich 6000 Euro zu unterstützen. Für Bürgermeister Holger Albrich ist die Förderung „ein wichtiger Baustein der Inklusionsarbeit in Sachsenheim“. Mit dem Zuschuss werde die wichtige Arbeit der Ehrenamtlichen anerkannt und unterstützt.
„Bei uns geht es mit jedem Euro um die Existenz“
Aber wie sieht es auf Landkreisebene aus? Hier stehen nun Förderbeiträge für unterschiedliche Vereine zur Diskussion, darunter die für Tragwerk, wie Silke Rapp vor einigen Monaten mitgeteilt wurde. Konkret finanziert sich der Verein bisher zu 40 Prozent über öffentliche Mittel der Stadt und des Landkreises sowie über Spenden und Beiträge. „Wir sind ein kleiner Verein, bei uns geht es mit jedem Euro um die Existenz“, sagt Silke Rapp.
Der soziale Bereich ist sensibler als andere
Viele Projekte sieht sie in Gefahr, wenn die verlässliche Förderung des Kreises wegfalle, und gibt zu bedenken, dass Einsparungen bei Sozialverbänden oft Kosten an anderen Stellen entstehen lassen. Als Beispiele nennt sie Beratungsstellen, Jugendarbeit und andere professionelle Hilfsangebote, dank derer die Menschen zurück ins Leben finden, ohne auf Hilfe vom Staat angewiesen zu sein.
Stefanie Liepins von der SPD im Kreistag kennt die von Silke Rapp angesprochenen Schwierigkeiten. „Der soziale Bereich ist sensibler als andere“, ist Liepins überzeugt – weshalb man bei dessen Betrachtung auch besondere Sensibilität walten lassen müsse. „Diese Menschen halten unsere Gesellschaft am Laufen.“ Trotzdem dürfe man ihn nicht völlig ausnehmen von den Konsolidierungsgesprächen. Wenn auch natürlich mit der nötigen Weitsicht und im engen Austausch mit den Betroffenen.
So sieht es auch Dirk Schaible von den Freien Wählern. In Anbetracht der prekären Situation, in der sich der Landkreis befinde, müssten alle einen Beitrag leisten. Viele betroffene Akteure hätten dem in Gesprächen auch so beigepflichtet. „Sonst fängt man irgendwann an, den einen gegen den anderen auszuspielen“, befürchtet er. „Und wie will man Soziales gegen Klimaschutz oder Sicherheit aufwiegen?“