Keltenmuseum in Hochdorf: Das Gold der Kelten – Ein Schatz wird inszeniert

Die Ausstellung im Keltenmuseum bietet Wissenswertes über Gold.
Simon GranvilleAn einem Bach im Schwarzwald stehen gebückte Menschen in ärmlichen Gewändern - Goldwäscher bei der Arbeit. Das Gemälde zeigt eindrucksvoll die Kluft zwischen Sehnsucht und Realität. Eingefangen hat die Szene Markus Ege. Das große Wandgemälde begleitet die Geschichte des Goldes, in die Besucher in der neuen Ausstellung im Hochdorfer Keltenmuseum eintauchen können. Sie trägt den Titel „Gold, Macht, Fürsten – Technologie und Inszenierung frühkeltischen Goldes“.

Der Kurator Thomas Knopf setzt auf eine multimediale Präsentation.
Foto: Simon GranvilleDer Museumsleiter Thomas Knopf, der an diesem Vormittag im Ausstellungsraum auf die Zeitleiste deutet, hat die Ausstellung kuratiert. Goldfunde der Kelten stammen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, als die Kelten noch in Baden-Württemberg und angrenzenden Gebieten lebten. Von dort breiteten sich in andere Teile Europas wie etwa Irland, Schottland oder die Bretagne aus. Thematisch holt Knopf die Gäste in der Jetztzeit ab, indem er unter anderem Spaßfakten, sogenannte Funfacts, präsentiert, wie etwa das Recycling von 0,03 Gramm Gold aus Handys, was der Firma Apple in 2015 rund 40 Millionen Dollar einbrachte.
Gold heute – da ist die Olympia-Goldmedaille, die bei einem Gewicht von 556 Gramm nur sechs Gramm Gold enthält. Der Rest ist Silber. Populärwissen wird in der Ausstellung zwar eher am Rande vermittelt, war dem Kurator aber wichtig. „Wir werfen auch einen kritischen Blick auf die großen ökologischen und sozialen Probleme des Abbaus“, erklärt Knopf, der nebenbei als Professor an der Uni Tübingen Studierende der Ur- und Frühgeschichte unterrichtet.
Der Fund des Keltengrabs in Hochdorf galt als Sensation
Gold und die Kelten, dieser Zusammenhang führt bis in die Gründerzeit des Keltenmuseums zurück. Der Fund des Fürstengrabes aus dem Jahr 540 vor Christus mit insgesamt 600 Gramm Goldschmuck bei Ausgrabungen in den Jahren 1978 und 1979 etwa 500 Meter vom jetzigen Museum galt als Sensation. Das Landesmuseum Württemberg wacht über die meisten Gegenstände, die ausgestellt werden. Die nachgebildete Maske des Agamemnon stammt allerdings aus der Sammlung der Uni Tübingen. Die meisten dieser Hügelgräber waren schon ausgeraubt worden. Gold galt schon früh – nicht nur bei den Kelten – als Statussymbol. Im Tod wurde ihnen der Schmuck für ihre letzte Reise beigelegt. Von Dieben verschont blieben nur ganz wenige Ruhestätten: unter ihnen auch das Fürstengrab von Lavau in Ostfrankreich, das 2014 entdeckt wurde.

Ein digitales Memoryspiel macht mit den wichtigen Goldfunden vertraut.
Foto: Simon GranvilleIn der Forschung über die keltischen Goldfunde hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel getan, erklärt Thomas Knopf, der digitale Messmethoden erwähnt, mit denen andere Metalle und Spuren in goldenen Armreifen oder Gürtelbändern detailliert herausgearbeitet werden können. „Die Funde erscheinen heutzutage in einem ganz anderen Licht – sie können wegen bestimmter chemischer Elemente besser kategorisiert und geschichtlich eingeordnet werden.“ So hätten die Kelten in Lavau in ihrem Kessel nicht nur Honig gehabt, sondern vor allem Spuren von Wein. „Den müssen sie importiert haben, weil es damals dort noch keinen Weinanbau gab“, sagt Knopf, der es für vorstellbar hält, dass mit Honig gesüßter Wein auch im 350 Liter fassenden Kessel in Hochdorf ausgeschenkt wurde.
Die kompakte Ausstellung erscheint medial abwechslungsreich. Ein Kurzfilm informiert über die Funde, einigen Spaß in den Museumsbesuch bringt ein digitales Memoryspiel. Dargestellt werden Verfahren, mit denen Griechen und Etrusker Gegenstände löteten oder vergoldeten. Die Inszenierung von Macht mittels des Schmucks wird ebenso thematisiert wie der Totenkult.
Montag und Dienstag bleibt das Museum geschlossen. Weitere Informationen unter www.keltenmuseum.de.