Kein Durchkommen in Steinheim mehr: Es wird ernst: Monatelange Sperrung der Ortsdurchfahrt beginnt

Rund 12000 Fahrzeuge wälzen sich täglich durch die Ortsdurchfahrt. Mindestens bis zum Ende der Sommerferien wird das fürs Erste nicht mehr der Fall sein.
anti/Ralf PollerJahrzehntelang schob man die Ertüchtigung des Leitungsnetzes in der Steinheimer Altstadt vor sich her, betrieb stattdessen Flickschusterei. Aus nachvollziehbaren Gründen. Rund 12 000 Autos, Lastwagen und Motorräder schieben sich täglich durch die ultraschmale Ortsdurchfahrt. Bei Bauarbeiten im Erdreich müsste somit eine wichtige Verkehrsader gekappt werden. „An die Straße will keiner ran, denn das macht Ärger“, sagt der Bürgermeister Thomas Winterhalter. Doch nun packt die Stadt das Thema doch an. Am Montag, 4. August, rollen die Bagger an – und die Marktstraße wird gesperrt.
Die Ortsdurchfahrt wird dann von der Schnittstelle zur Kleinbottwar Straße bis zur Ecke Lammgasse sechs bis acht Wochen nicht passierbar sein. Idealerweise könne die Straße nach den Sommerferien wieder freigegeben werden, sagt Winterhalter. Allerdings können Autofahrer dann nur für gut ein halbes Jahr durchschnaufen. Denn voraussichtlich ab April 2026 soll die wichtige Verkehrsader ein zweites Mal wegen der Kanalarbeiten unterbrochen werden, dann bis zum Juli.
Über Rielingshausen und Kleinbottwar nach Steinheim
Die Umleitungsstrecke für den überörtlichen Verkehr ist mit dem Landratsamt Ludwigsburg abgestimmt. Aus Richtung Erdmannhausen geht es ab dem Kreisverkehr an der Schweißbrücke via Rielingshausen, den Forsthof und Kleinbottwar nach Steinheim. Aus Murr, wo die Ortsdurchfahrt gerade saniert wird und somit ebenfalls gesperrt ist, gelangt man über Großbottwar und Rielingshausen in Richtung Schweißbrücke und Erdmannhausen.
Für Autofahrer hat das etliche zusätzliche Kilometer zur Folge. Thomas Winterhalter betont jedoch, dass Handlungsbedarf bestehe. Die Leitungen seien marode, Rohrbrüche keine Seltenheit gewesen. Außerdem hätten in der Vergangenheit bei Starkregen die Marktstraße und die von dort abzweigende Badtorstraße immer wieder knietief unter Wasser gestanden. „Wir haben an der Stelle aber keinen Platz für ein Retentionsbecken. Man kommt nur weiter, wenn man das anfallende Wasser in größer dimensionierten Kanälen zum Vorfluter, der Murr, leitet. Das müssen wir jetzt einfach angehen“, erklärt er.
Die Anwohner werden ergo nach der Aufdimensionierung des Rohrnetzes besser vor Überschwemmungen bei heftigen Regengüssen gewappnet sein. Eine weitere gute Nachricht ist, dass sich der innerörtliche Verkehr auch während der Sperrung der Marktstraße einen Weg durch den Ortskern wird bahnen können. Außerdem hat die Stadt beim Schützenhaus vor den Toren Steinheims einen Park-and-Bike-Parkplatz eingerichtet. Man kann dort sein Auto abstellen und aufs Rad umsteigen, um sich zum Beispiel in Richtung Innenstadt aufzumachen – oder umgekehrt vom Rad auf seinen motorisierten Untersatz wechseln.

Bürgermeister Thomas Winterhalter ist bewusst, dass der Eingriff in die Straße große Auswirkungen hat.
Foto: Archiv (Werner Kuhnle)Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Hämmern, Bohren und Klopfen die Altstadtbewohner bis weit über den Sommer 2026 und den Abschluss der Kanalarbeiten hinaus begleiten wird. Zum einen soll am Marktplatz ein neues Rathaus entstehen, zum anderen die Fläche drum herum neu gestaltet werden – anderer Pflasterbelag inklusive.
Außerdem soll die Ortsdurchfahrt vom Marktplatz an in Richtung Erdmannhausen auf Vordermann gebracht und neu gestaltet werden. Dabei wird es darum gehen, so etwas wie die Quadratur des Kreises zu finden. „Wir überlegen uns, wie der Straßenraum aussehen könnte, damit der Pkw- und der Schwerkehr wieder etwas mehr Raum eingeräumt bekommen. Gleichzeitig müssen wir schauen, wie wir Fußgängern, Radfahrern und Gewerbetreibenden, die Stellplätze brauchen, gerecht werden können“, sagt Thomas Winterhalter.
Wegen sanierungsbedürftigem Rathaus eilt es
Der Bürgermeister schätzt, dass all diese Arbeiten 2028, vielleicht auch 2029 abgeschlossen sein werden. Viel mehr Zeit habe man im Hinblick auf das sanierunsbedürftige alte Rathaus auch gar nicht. „Wir müssen im Laufe des Jahres 2028 da raus“, sagt Winterhalter.