Käsberg in Mundelsheim: Gemeinde geht unter die Winzer: „Wir haben die Rebscheren schon auf Lager“

Das Königshäusle inmitten der Steillagen ist eine der Sehenswürdigkeiten von Mundelsheim.
Simon Granville- Mundelsheim pachtet die Steillagen der Hofkammer Württemberg am Käsberg und bewirtschaftet sie selbst.
- Grund ist der drohende Rückzug der Hofkammer, der eine Brache in der bekannten Lage befürchten ließ.
- Die Gemeinde stellt eine Vollzeitkraft ein – Aufgaben: Pflege, Pflanzenschutz, Lese und Events.
- Geplant ist ein Einstieg für drei Jahre, die Trauben gehen an die Lauffener Weingärtner.
- Die Pacht kostet vier Euro pro Jahr, es wird mit einem jährlichen Defizit von rund 30.000 Euro gerechnet.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Wie groß die Not im Weinbau der Region ist, zeigte eine Nachricht von Anfang September: Die Hofkammer Württemberg kündigte an, ihre Steillagen am Mundelsheimer Käsberg aufzugeben. Eine der bekanntesten Weinlagen Württembergs drohte zur Brache zu verkommen. Doch Rettung nahte: Die Gemeinde Mundelsheim pachtet die Weinberge der Hofkammer Württemberg am Käsberg und bewirtschaftet sie ab sofort selbst.
Im Königshäusle von 1819, mitten zwischen den oberen Rebzeilen gelegen, soll Wilhelm I. von Württemberg einst entspannte Tage verbracht und die Aussicht auf den Neckar genossen haben. Heute dient die frühere Weinberghütte als Ziel für Wanderer und Ausflügler. Dass dort die Reben ausgerissen werden, war vielen Mundelsheimern ein unvorstellbarer Gedanke. Zu viele Erinnerungen hängen daran und zu bedeutend ist der Weinberg auch für den Tourismus der Gemeinde.
Das ist Bürgermeister Boris Seitz ebenso klar wie seinem Gemeinderat. Am Donnerstag beschloss das Gremium deshalb einstimmig, selbst in den Weinbau einzusteigen und den rund 2,6 Hektar großen Weinberg zu pachten. Lediglich vier Euro Pachtzins muss die Gemeinde laut Vertrag jährlich an die Hofkammer überweisen.
Weinberg prägt das Ortsbild
Steillagen-Weinberge sind für Winzer nicht attraktiv. Sie sind deshalb so günstig zu haben, weil sie Handarbeit erfordern und der Arbeitsaufwand sehr hoch ist. In Zeiten eines sinkenden Weinkonsums rechnet sich dieser Aufwand nicht. Viele Wengerter haben bereits aufgegeben. Immer sichtbarer werden die Brachen entlang des Neckars zwischen Besigheim und Pleidelsheim.
Bürgermeister Seitz und dem Gemeinderat geht es darum, ein Zeichen zu setzen, dass Mundelsheim weiter hinter dem Weinbau steht. Die Wengerter im Ort, die ebenfalls Besitz in den steilen Lagen haben, sollen dazu motiviert werden, „bei der Stange zu bleiben“, so Seitz. Weingärtnern, die hoffen, jetzt selbst ihren Weinberg an die Gemeinde abgeben zu können, machte der Bürgermeister allerdings direkt eine Absage: „Wir wollen uns auf die Weinberge der Hofkammer konzentrieren.“
Mundelsheim geht mit der Pacht der Weinberge bewusst ein Risiko ein, fuhr Seitz fort. Die Gesamtkosten seien derzeit noch nicht berechnet. Doch es droht ein jährliches Defizit von rund 30.000 Euro, das aus der Kasse der Gemeinde gedeckt werden muss. „Weinbau ist keine originäre Aufgabe einer Gemeinde“, sagte Seitz: „Niemand hat wirklich Lust darauf.“ Doch der Weinberg der Hofkammer liegt mitten im Käsberg und präge entscheidend das Ortsbild. Läge er am Ortsrand, hätte die Gemeinde womöglich anders entschieden.
Eigener Mitarbeiter für Wein-Angelegenheiten
Mit der Pacht ist es nicht getan. Die Gemeinde will einen eigenen Mitarbeiter in Vollzeit einstellen, der sich um die Weinberge kümmert. Für drei Jahre wird Mundelsheim laut dem Beschluss in die Bewirtschaftung des Weinberges einsteigen. Die Trauben der Sorten Spätburgunder, Trollinger, Syrah und Cabernet Sauvignon werden an die Genossenschaft der Lauffener Weingärtner verkauft. Ihr gehören fast alle Wengerter in Mundelsheim an. Seit 2025 ist auch die Gemeinde selbst Mitglied. Nach Ablauf der drei Jahre soll der Vertrag überprüft werden.
Rebschnitt und Pflanzenschutz, Laubarbeiten und Bewässerung – das alles sind die Aufgaben des neuen Mitarbeiters der Gemeinde Mundelsheim. Doch er soll auch die Lese organisieren, freiwillige Helfer gewinnen und neue Veranstaltungen rund um den Wein organisieren. Die Bewirtschaftung von anderen Weinbergen, die schon im Besitz der Gemeinde sind, gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Das sind laut Seitz rund 50 Ar, verstreut auf der Gemarkung.
Bei der Lese werden der Bauhof und das Rathaus auch selbst aktiv werden müssen, so Bürgermeister Seitz weiter: „Wir haben die Rebscheren schon auf Lager.“