Im Kreis Ludwigsburg
: Bestehende Deponien reichen noch für mindestens zehn Jahre

Angesichts der Debatte um eine neue Deponie auf Ludwigsburger Gemarkung stellt sich die Frage, wie es um die bestehenden in Schwieberdingen und Vaihingen bestellt ist.
Von
Redaktion
Kreis Ludwigsburg
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luft luftaufnahme flugtag 18.10.2012
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Hat noch Kapazität: die Deponie Froschgraben in Schwieberdingen.

Werner Kuhnle
  • Im Kreis Ludwigsburg reichen die Deponien noch mindestens zehn Jahre.
  • Froschgraben (DK 0 und I) hat ca. 1,2 Mio. m³ Restvolumen, Burghof (DK II) rund 2,9 Mio. m³.
  • Mengen gingen zurück, weil die Baukonjunktur schwach ist und mehr recycelt wird.
  • VRS prüft neue Standorte, nennt Neckarweihingen als grundsätzlich geeignet – Kritik folgt.
  • Landkreis und Umweltverein fordern Transparenz; VRS sagt Berichte über Fortschritte zu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor einigen Wochen sorgten Berichte, wonach der Verband Region Stuttgart (VRS) in einem Gutachten einen Standort in Ludwigsburg-Neckarweihingen als grundsätzlich geeignete Fläche für eine neue Deponie betrachtet, für Aufsehen. Denn: Im Kreis Ludwigsburg gibt es bereits zwei Deponien, in die auch Abfallmengen von außerhalb des Kreisgebiets gebracht werden. Doch wie sieht die Lage vor Ort auf den Deponien „Am Froschgraben“ in Schwieberdingen und „Burghof“ in Vaihingen-Horrheim aus?

Tatsächlich seien die Abfallmengen in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, berichtet der Pressesprecher des Landkreises, Andreas Fritz. Grund dafür sei insbesondere die anhaltend schwache Baukonjunktur. Weniger Bau- und Abbruchmaßnahmen führten zwangsläufig zu geringeren Mengen mineralischer Abfälle. Darüber hinaus trage die Ersatzbaustoffverordnung dazu bei, dass mehr Materialien verwertet und weniger Abfälle deponiert werden. Und auch der Ausbau von Recyclinghöfen und veränderte Marktbedingungen wirkten sich laut Fritz auf die Deponiemengen aus.

Restlaufzeit hängt von Entwicklung der Bauwirtschaft ab

Die Deponie am Froschgraben, zuständig für die Deponieklassen 0 und I, verfüge noch über ein Restvolumen von circa 1,2 Millionen Kubikmetern, die Deponie Burghof, zuständig für Abfälle der Deponieklasse II, habe noch rund 2,9 Millionen Kubikmeter Platz. Die Restlaufzeit der beiden Deponien hänge laut Andreas Fritz zwar im Wesentlichen von der Entwicklung der Bauwirtschaft ab, nach derzeitigem Stand betrage diese aber noch mindestens zehn Jahre.

Was danach geschieht, ist die Frage, die der VRS gerade zu klären versucht. Der Landkreis hatte seinerseits die Suche nach einem neuen Deponiestandort 2024 für beendet erklärt und den Verband in die Pflicht genommen. Dessen nun in Teilen an die Öffentlichkeit geratenes Gutachten sorgt für harsche Kritik von vielen Seiten. Die Bürgermeister von Ludwigsburg und Marbach sowie Landrat Dietmar Allgaier hatten die Überlegungen zu einem Standort im Kreisgebiet direkt abgelehnt.

„Eine erneute Diskussion über zusätzliche Deponiekapazitäten im Landkreis Ludwigsburg würde das bereits bestehende Ungleichgewicht zwischen den Landkreisen weiter verschärfen“, sagt Allgaier. „Der Landkreis Ludwigsburg hat seinen Beitrag zur Lösung der Entsorgungsproblematik längst erbracht. Nun gilt es, Alternativen außerhalb der Kreisgrenzen zu entwickeln, anstatt erneut diejenigen Bürgerinnen und Bürger in den Fokus zu rücken, die in ihrem direkten Umfeld bereits seit vielen Jahren entsprechende Belastungen tragen.“

Tatsächlich geht aus einer Abfallmengen- und Bedarfsprognose aus dem Jahr 2024, die im Auftrag des VRS erstellt wurde, hervor, dass im Kreis Ludwigsburg in den Jahren 2018 bis 2023 mehr Abfälle der Deponieklasse II aus dem Verbandsgebiet deponiert wurden als in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen und dem Rems-Murr-Kreis zusammen. Und auch bei den Abfällen der Deponieklasse I liegt der Kreis deutlich vor den anderen Landkreisen des Verbandes und lediglich hinter der Landeshauptstadt.

Verband reagiert auf Vorwürfe der Intransparenz

Auch der Verein für Umweltschutz und Heimatpflege im Landkreis Ludwigsburg (VUH) spart nicht mit Kritik. „Der VUH ist sehr irritiert über die offenkundige Intransparenz und die Gutsherrenart, die der VRS beim Umgang mit dem ihm offenbar bereits seit dem Frühjahr vorliegenden Gutachten an den Tag legt. Dass das Gutachten bislang nicht für jedermann zugänglich gemacht wurde, ist aus Sicht des VUH ein Akt der Respektlosigkeit gegenüber der interessierten Öffentlichkeit, der Presse und der zuständigen Amtsträger vor Ort“, so heißt es in einer Pressemitteilung.

Nun hat der VRS auf die massiven Vorwürfe der „Mauschelei“ reagiert und für die Zukunft Transparenz angekündigt. Dies betonte jüngst der Vorsitzende des VRS, Rainer Wieland, im Wirtschaftsausschuss des Regionalparlaments. Er verwies auf eine eigens eingerichtete Projektsteuerungsgruppe aus Regionalräten, die am 23. Oktober zum zweiten Mal tagen werde. Bei der Premierensitzung habe sich nichts Neues ergeben. Er bitte um Verständnis dafür, dass aktuell nicht mehr gesagt werden könne. Er versicherte aber, dass „künftig immer öffentlich über den neuesten Stand berichtet“ werden soll.