Geplanter Mittelalterpark
: Sersheim und Co. fühlen sich nicht ernst genommen – „Sind in einer fundamentalen Krise“

Der Ärger in der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen, Oberriexingen, Sersheim und Eberdingen wegen des geplanten Mittelalter-Themenparks „Markstein“ ist noch lange nicht vom Tisch.
Von
Michaela Glemser
Sersheim
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Gegen den projektierten Mittelalter-Themenpark „Markstein“ regt sich nach wie vor Widerstand. Eine der Befürchtungen ist die Zunahme des Durchfahrtverkehrs.

Gegen den projektierten Mittelalter-Themenpark „Markstein“ regt sich nach wie vor Widerstand. Eine der Befürchtungen ist die Zunahme des Durchfahrtverkehrs.

Martin Kalb
  • Konflikt um geplanten Mittelalterpark „Markstein“ belastet Verwaltungsgemeinschaft stark.
  • Sersheims Bürgermeister Scholz sieht keine Fortschritte und bemängelt fehlende Gespräche auf Augenhöhe.
  • Kritik an Vaihingen: Änderung des Flächennutzungsplans ohne Vorabstimmung und fehlende Gutachten.
  • Größte Sorge ist der zusätzliche Verkehr über Sersheim und die Nutzung der Umgehungsstraße.
  • Scholz warnt vor vorschnellen Beschlüssen – er erwartet keine Umsetzung bis 2029.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Stimmung ist immer noch getrübt, die Enttäuschung und der Ärger nach wie vor groß. In der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen, Oberriexingen, Sersheim und Eberdingen brodelt es. „Ich sehe derzeit noch keine erkennbaren Fortschritte in der grundsätzlichen Krise in der Verwaltungsgemeinschaft. Die Vertreter der Stadt Vaihingen führen mit uns anderen Kommunen noch keine Gespräche auf Augenhöhe“, macht der Bürgermeister von Sersheim, Jürgen Scholz, im Gespräch mit der Redaktion deutlich.

Keine Kommunikation im Vorfeld

Dass, auf Betreiben von Vaihingen eine Änderung des derzeit gültigen Flächennutzungsplans zugunsten der Erlebniswelt Markstein abgestimmt werden sollte, ohne dass im Vorfeld mit den anderen Kommunen gesprochen worden war, hatte die Gemüter in der Verwaltungsgemeinschaft erzürnt.

Nach Meinung der Vertreter aus Oberriexingen, Sersheim und Eberdingen liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine ausreichend belastbaren Planungsunterlagen und Gutachten vor, um die Auswirkung der Erlebniswelt abschließend bewerten zu können. Vor allem das Verhalten des Vaihinger Oberbürgermeisters Uwe Skrzypek-Muth stieß in der Verwaltungsgemeinschaft auf Unverständnis. „Dass er mich als ‚Rädelsführer‘ dieser ablehnenden Haltung aller drei Gemeinden bezeichnet hat, ist eine Unverschämtheit und dafür hat er sich bis heute nicht bei mir entschuldigt“, betont Scholz sichtlich verärgert. Daran konnte auch ein Gespräch der beteiligten Bürgermeister im Juli dieses Jahres nichts ändern. Ein erneuter Gesprächstermin soll jedoch noch in diesem Monat stattfinden.

Hinter der Verkehrsbelastung durch die künftigen Besucher der Erlebniswelt Markstein steht für die Vertreter aus Sersheim und Oberriexingen das größte Fragezeichen. „Nicht alle Besucher werden über die Bundesstraße B 10 fahren. Sie werden aus nördlicher oder westlicher Richtung auch über unsere Umgehungsstraße fahren, und ist diese zu stark belastet wieder durch Sersheim selbst“, mahnt Scholz.

Umgehungsstraße als Anfahrtsweg

Er erinnert daran, dass einst die Vertreter der Stadt Vaihingen die Umgehungsstraße Sachsenheim-Sersheim nicht direkt bis nach Vaihingen verlängern wollten, heute aber diese Straße für die Anfahrt zur Erlebniswelt nutzen wollen. „Zudem müssen wir bei einer Fortschreibung des Flächennutzungsplans um jeden Hektar für Wohnbaugebiete kämpfen. Für die Erlebniswelt werden 18 Hektar beansprucht.“ Hinzu kämen die Flächen für den Wohnbauschwerpunkt am Rand von Kleinglattbach und für die Freiflächen-Photovoltaikanlage. Der Raum werde komplett verdichtet, befürchtet Scholz.

Mit diesen Bedenken fühlt er sich bei der Verwaltungsspitze nicht ernst genommen. „Die offenen Punkte ließen sich alle vorab klären. Um entsprechende objektive Gutachten zu beauftragen, brauche ich keinen Aufstellungsbeschluss für eine Änderung des Flächennutzungsplans. Wenn wir dazu jetzt unser Einverständnis geben, nehmen die Dinge ihren Lauf, und wir können es nicht mehr zurücknehmen“, warnt Scholz.

Keine schnelle Entscheidung

„Die Entscheidung über die Erlebniswelt lässt sich nicht schnell treffen. Dies wird Zeit brauchen. Ich glaube nicht, dass die Erlebniswelt bis 2029 umgesetzt werden kann. Dafür gibt es zu viele Fragezeichen“, stellt der Bürgermeister klar. Er verweist darauf, dass es jetzt an den Vertretern der Stadt Vaihingen und besonders an OB Skrzypek-Muth sei, die tiefgreifenden Differenzen in der Verwaltungsgemeinschaft zu bereinigen.

„Das ist keine harmlose Sache, die sich schnell vom Tisch wischen lässt, sondern eine fundamentale Krise. Wir anderen drei Kommunen wollen mit unseren Belangen auf Augenhöhe wahrgenommen werden“, erklärt Scholz, der sich in diesem Punkt auch mit seinen Kollegen Ron Keller aus Oberriexingen und Carsten Willing aus Eberdingen einig ist.

Unterschiedliche Meinungen habe es auch mit den einstigen Vaihinger Oberbürgermeistern gegeben, aber dies sei nicht vergleichbar mit der derzeitigen Krise, so Scholz, der aber dennoch an der Verwaltungsgemeinschaft festhalten möchte.