Bietigheim-Bissingen: Hobby-Imker hält Völker auf dem Hausdach: „Die Biene verkörpert so viel“

Manuel Benz und sein Helfer Niko sind leidenschaftliche Imker. Auf dem Flachdachanbau des elterlichen Hauses von Niko betreiben sie eine semi-professionelle Honigproduktion.
Martin Kalb- Hobby-Imker Manuel Benz hält drei Bienenvölker auf einem Hausdach in Bietigheim-Bissingen.
- Der Standort gilt als ideal, da trocken, erhöht und mit vielfältigem Pollenangebot.
- Benz bildet sich autodidaktisch fort und betreibt semi-professionelle Honigproduktion.
- Aus Frühjahrs- und Sommerernte gewann er rund 130 Kilo Honig – Ertrag ist zweitrangig.
- Ein viertes, kleineres Volk soll nach Genehmigung in seinen Naturkindergarten umziehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mitten in Bissingen brummt und summt es: Hier, auf einem Hausdach, sind drei Bienenvölker von Manuel Benz beheimatet. Der Hobby-Imker sagt über sich selbst, dass er schon immer eine besondere Affinität zur Natur hatte und eine Faszination für die Jahreszeiten verspürt habe. Schließlich sei der Entschluss gereift, Bienen zu halten. Das tut er nun im fünften Jahr.
Ein Bekannter habe damals ein Bienenvolk abgeben wollen. Manuel Benz ist Autodidakt, er sagt, die Imkerei habe er sich über ein Buch und diverse Youtube-Videos selbst beigebracht. Von Anfang an habe der gebürtige Bissinger seine Bienenvölker in der Stadt gehabt, zunächst bei seinen Eltern. Ein Umzug der Bienen nach Leonberg, wo Benz mittlerweile lebt, sei nie ein Thema gewesen.
Bienenvolk für den Naturkindergarten
Als Leiter eines Naturkindergartens in Schwieberdingen habe er seinen Schützling Niko kennengelernt, mit dessen Eltern eine Freundschaft entstand. Heute ist das Haus von Christina Nikolaou gleichzeitig die Heimat dreier Bienenvölker – und der mittlerweile sechsjährige Niko hilft fleißig mit. So seien die Bienenvölker ein Stück weit zum Familienprojekt geworden. „Die Biene verkörpert so viel“, sagt Benz. „Damit kann man auch viele naturpädagogische Angebote machen.“
Aktuell kümmert Benz sich neben seinen drei Völkern noch um ein kleineres viertes, das, sobald die notwendigen Genehmigungen vorliegen, in seinen Naturkindergarten umziehen soll. Auf diese Weise könne man bei den Kindern früh ein Bewusstsein für die enge Verzahnung von Ökosystem und der Biene schaffen, ist der 32-jährige Hobby-Imker überzeugt.
Der Standort auf einem Häuserdach mitten im Wohngebiet sei perfekt, dort blieben die Bienenstöcke auch im Winter trocken. Die erhöhte Lage ermögliche darüber hinaus das einfache Ein- und Ausfliegen der gelb-schwarzen Insekten. Und auch das Angebot an Pollen hebt Benz hervor: „Auf einer landwirtschaftlichen Fläche blüht häufig eins nach dem anderen. Hier wächst einfach alles.“
Seinen Frühjahrshonig etwa habe er bei der Universität Hohenheim testen lassen. Das Ergebnis: Über 50 verschiedene Pollenarten seien darin enthalten, was für einen anderen Geschmack als beim klassischen Sortenhonig sorge. Auch sei die Vegetation in der Stadt weniger mit Pestiziden belastet. Ein weiterer Vorteil: Die Honigbienen konkurrierten nicht mit den Wildbienen im ländlichen Raum.
Honigertrag ist zweitrangig
Und auch die Nachbarschaft hätte etwas von den Bienen: „Der Kirschbaum, die Himbeeren oder was auch immer die Leute anpflanzen, hat dadurch mehr Ertrag“, sagt Manuel Benz. „Das ist ein wichtiger Beitrag für das Stadtökosystem.“ Entsprechend habe es aus der Nachbarschaft bislang noch keine Beschwerden gegeben, die Bienen seien friedlich und würden niemanden stören.
Als Imker könne man seine Völker gut einschätzen, weiß Benz. „Jedes Volk ist ein bisschen anders.“ Welche Bienen eher sanftmütiger sind und bei welchen er etwas vorsichtiger sein muss, hat der Hobby-Imker entsprechend verinnerlicht – auch wenn der ein oder andere Stich trotzdem nicht ausbleibt.

Manuel Benz vertreibt seinen Honig unter anderem im Hofladen Geiger.
Martin KalbAus den zwei Ernten im Frühling und im Sommer erhielt Benz insgesamt rund 130 Kilo Honig, sein Ziel seien 100 Kilo gewesen. Den abgefüllten Honig verteilt er teilweise im privaten Rahmen, teilweise wird dieser im Hofladen Geiger im Erlengrund bei Bietigheim-Bissingen verkauft. Doch der Ertrag sei für ihn zweitrangig, zumal die Völker auch noch ganz andere Produkte, etwa das Bienenbrot Perga, lieferten.
Viel wichtiger sei jedoch das Naturbewusstsein, das sich durch seine Tätigkeit als Imker auch bei ihm nochmals verstärkt habe. Manuel Benz ist davon überzeugt, dass Bienenvölker sogar in einer Großstadt gehalten werden könnten: „Die Bienen haben einen Flugradius von drei Kilometern. Die finden immer einen Weg.“