Trost am Reformationstag
: „Gegen die Not ansingen“

Gedanken zum Wochenende: Zum Reformationstag rückt Dekanin Gabriele Waldbaur aus Leonberg den Dichter Paul Gerhardt ins Zentrum, dessen Worte auch nach 350 Jahren Sinn haben.
Von
Gabriele Waldbaur
Leonberg
Reformationstag in Sachsen: Ein Kruzifix hängt im Altaraum im Langhaus des Meißner Domes. (zu dpa: «Friedensgebet, Jazz und Kreuzchor zum Reformationstag»)

Am Samstag ist Reformationstag.

Matthias Rietschel/dpa
  • Reformationstag in Leonberg: Dekanin Gabriele Waldbaur rückt Paul Gerhardt in den Fokus.
  • Gerhardts Lied „Du meine Seele, singe“ dient als Leitmotiv für Trost und Ermutigung.
  • Er kannte Krieg, Not und Trauer, schrieb dennoch Lieder voller Vertrauen und Hoffnung.
  • Die Botschaft: Singen gegen die Not – Hoffnung hat nicht das letzte Wort verloren.
  • Gottesdienst „Du meine Seele singe“ beginnt am Samstag, 31. Oktober, um 18.30 Uhr in der Blosenbergkirche.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

„Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön!“: Unter diesem Titel feiern wir heute am Reformationstag Gottesdienst. Es ist der Titel eines Liedes von Paul Gerhardt. Vor 350 Jahren starb der große Liederdichter der Reformation, aber seine Lieder leben bis heute und rühren immer noch an.

„Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön!“ – Das klingt nach Leichtigkeit, nach Lebensfreude und nach einem Menschen, dem das Herz übergeht. Doch wenn wir genauer hinsehen, steckt in diesen Worten noch etwas anderes: eine tiefe Ermutigung, gerade dann zu singen, wenn einem vielleicht gar nicht danach zumute ist. Manchmal muss man seiner Seele erst sagen, dass sie singen soll. Gerade dann, wenn einem eigentlich nicht danach zumute ist.

Paul Gerhardt wusste, wie dunkel das Leben sein kann. Er kannte die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, erlebte Not und Krankheit, musste vier seiner fünf Kinder sowie seine Frau zu Grabe tragen. Sein Leben war alles andere als unbeschwert. Und dennoch schrieb er Lieder voller Trost, Vertrauen und Lob Gottes.

Gabriele Waldbaur

Gabriele Waldbaur ist Dekanin in Leonberg.

privat

Wie passt das zusammen? Vielleicht deshalb: Paul Gerhardt singt nicht, weil die Welt heil ist, sondern weil sie es nicht ist. Sein Glaube redet das Leid nicht klein und verschließt nicht die Augen vor der Not. Aber er traut Gott zu, dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort behält.

Damit steht Paul Gerhardt in der Tradition der Reformation. Martin Luther hatte das Kirchenlied als eine wichtige Stimme des Glaubens neu entdeckt. In den Liedern wird Gottes Wort hörbar, wird Trost weitergegeben und Hoffnung eingeübt. Paul Gerhardt führt diese Tradition auf bewegende Weise fort: Seine Lieder kennen die Trauer und die Angst des Menschen – und weisen zugleich über sie hinaus.

Vielleicht brauchen wir dieses Ansingen gegen die Not heute auch. Wir erleben Krisen, hören Nachrichten, die uns bedrücken, sorgen uns um den Frieden, um die Zukunft unserer Kinder. Manchmal scheint es, als gäbe es genug Gründe, den Kopf hängen zu lassen. Sicher, ein Lied löst keine politischen Konflikte. Aber es kann uns helfen, der Not etwas entgegenzusetzen. Wer singt, gibt der Hoffnung eine Stimme. Wer Gott lobt, behauptet nicht, dass alles gut ist, sondern vertraut darauf, dass nicht alles beim Schlechten bleiben muss. Und wenn uns selbst die Worte fehlen, können wir uns von den Worten eines Liedes tragen lassen.

Manchmal beginnt Hoffnung damit, dass wir unserer Seele sagen: Singe! Nicht, weil alles gut ist, sondern weil die Not nicht das letzte Wort haben soll. Drum:

„Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön!“

Der Nachtgedankengottesdienst „Du meine Seele singe“ beginnt am Samstag, 31. Oktober, um 18.30 Uhr in der Blosenbergkirche in Leonberg.

Gedanken zum Wochenende

In unserer Serie äußern sich Geistliche aus der Region Leonberg zu aktuellen Themen. Gabriele Waldbaur ist Dekanin in Leonberg.