Naturschutz im Bereich Haarberg/Wasserberg: Wo Orchideen und Enzian blühen

Weitläufige Wacholderheiden prägen die Südhänge des Haarbergs. Das eindrucksvolle Landschaftsbild entsteht durch jahrzehntelange, konsequente Heidepflege und gute Beweidung.
Ingo Depner/RPS- Freiwillige pflegten am Mittwoch (21. Oktober 2026) die Wacholderheiden am Haarberg.
- Ziel ist, offene Flächen zu sichern, damit licht- und wärmeliebende Arten bleiben.
- Regierungspräsidentin Susanne Bay hob die Bedeutung regelmäßiger Pflege hervor – trotz Regen.
- Das Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg ist 110 Hektar groß und seit 1990 ausgewiesen.
- Hier blühen Küchenschelle, Enzian und Orchideen; selten sind Schmetterlingshaft und Sandlaufkäfer.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Trotz Regen pflegten am Mittwoch (21. Oktober 2026) Mitarbeitende des Regierungspräsidiums Stuttgart gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde Deggingen, dem Revierförster, Mitarbeitenden der Unteren Naturschutzbehörde und des Landschaftserhaltungsverbands im Landkreis Göppingen eine Wacholderheide, die drohte, zu verbuschen. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Deggingen, Markus Schweizer, war vor Ort dabei.
Regierungspräsidentin Susanne Bay betonte laut einer Pressemitteilung der Behörde die Bedeutung des Einsatzes: „Landschaftspflege ist unverzichtbar, um unsere Naturschutzgebiete in einem guten Zustand zu erhalten. Bei der Pflege von Wacholderheiden wie hier am Haarberg geht es vor allem darum, die Flächen offen zu halten. So fördern wir Pflanzen und Tiere, die auf sonnige, warme Standorte angewiesen sind, und erhalten das besondere Landschaftsbild im Oberen Filstal.“

Landschaftspflegeeinsatz im Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg.
Ingo Depner/RPSDer jährliche Landschaftspflegetag wird seit mehr als 15 Jahren vom Regierungspräsidium Stuttgart organisiert. In diesem Jahr wurde am Unterhang des Haarbergs eine Wacholderheide freigestellt, die an den Waldrand grenzt und zu stark bewachsen war.
Wacholderheiden sind auf eine regelmäßige Pflege angewiesen. Zu dicht stehende Wacholderbüsche und andere aufkommende Gehölze ersticken licht- und wärmeliebende Pflanzen und Tiere. Neben der Beweidung mit Schafen und Ziegen müssen die Wacholderheiden auch maschinell regelmäßig ausgelichtet werden.
Der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums pflegt viele der Heiden des Oberen Filstals seit Jahrzehnten und hatte auch diesen Landschaftspflegetag gut vorbereitet. Die Helferinnen und Helfer trugen das bereitliegende Schnittgut anschließend aus der Fläche. Die Heide ist nun wieder luftiger, um den lichthungrigen Arten optimale Bedingungen zu bieten.
Neben dem Nutzen für Pflanzen und Tiere profitieren auch Erholungssuchende von der gepflegten Landschaft. Die Wacholderheiden und die reiche Artenvielfalt ziehen zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Am Haarberg gibt es ausgeschilderte Wanderwege und Aussichtspunkte, die das Gebiet besonders attraktiv machen.

Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), ein typischer Frühblüher auf den Wacholderheiden im Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg.
Ingo Depner/RPSDas 110 Hektar große Naturschutzgebiet Haarberg-Wasserberg wurde 1990 vom Regierungspräsidium Stuttgart ausgewiesen. Prägend sind die Wacholderheiden, die einst durch die Beweidung mit Ziegen und Schafen entstanden sind.
Hier blühen im Frühjahr Küchenschelle und Frühlingsenzian, im Frühsommer zahlreiche Orchideenarten, zum Beispiel Fliegen-Ragwurz und Helm-Knabenkraut. Eine Vielzahl an Schmetterlingen, Wildbienen und Heuschrecken ist hier zu Hause. Darunter sind zahlreiche gefährdete Arten wie der seltene Libellen-Schmetterlingshaft oder der vom Aussterben bedrohte Deutsche Sandlaufkäfer. Haarberg und Wasserberg gehören wegen ihrer ökologisch wertvollen Lebensräume und mehrerer europaweit geschützter Tierarten auch zum europaweiten Schutzgebietsnetz „Natura 2000“.

Der Libellen Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus). Eine seltene Art, die weder zu den Schmetterlingen noch zu den Libellen gehört, sondern der Ordnung der Netzflügler zugeordnet wird. Sie besiedelt Magerrasen und Wacholderheiden in windgeschützten Lagen mit lückiger Vegetation und offenen Bodenstellen.
Ingo Depner/RPSDa das Naturschutzgebiet in einem viel besuchten Wandergebiet liegt, hat das Regierungspräsidium mehrere Informationstafeln zur Natur und Landschaft, Pflanzen, Tieren und Landschaftspflege aufgestellt und bietet über die Smartphone-App „Unterwegs im Naturschutzgebiet“ GPS-gestützte Touren an: eine Audioguidetour, eine Rätseltour und eine Fauna-Flora-Tour.

Deutscher Sandlaufkäfer (Cylindera germanica). Dieser ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Er besiedelt Magerrasen und Wacholderheiden mit offenen Bodenstellen mit bindigen, mergeligen oder lehmigen, wechselfeuchten Böden.
Ingo Depner/RPS