Tag der offenen Tür in Leinfelden: Von Schließung bedrohtes Spielkartenmuseum: Eine Fundgrube an Erinnerungen

Das Interesse war sehr groß beim Tag der offenen Tür im Spielkartenmuseum.
privatEtwas formale Strenge gehört natürlich dazu: „Die Voraussetzung für ein gelingendes Spiel ist, dass die Spielregeln von allen akzeptiert werden. Und man muss natürlich auch verlieren können“ – Volker Claus gehört zu denen, welche die Sammelleidenschaft packt, wenn es um Spielkarten und damit auch ums Kartenspielen geht.
Im Berufsleben war er Informatik-Professor, jetzt ist er der zweite Vorsitzende des Fördervereins des Leinfeldener Spielkartenmuseums.

Die Fördervereins-Vorsitzende Ilona Koch will natürlich auch wissen, was in der soeben hinzugekommenen Sammlung alles drin ist.
Foto: FriedlDie formalen Voraussetzungen für ein gelingendes Kartenspiel mögen zwar etwas streng wirken. Beim Gegenstand des Spiels selbst, den Spielkarten, geht es freilich äußerst bunt und abwechslungsreich zu. Und die Beschäftigung damit ist die wahre Freude des spielenden Menschen.
Die größte öffentliche Spielkartensammlung in Europa
Deshalb war der Tag der offenen Tür beim Spielkartenmuseum Leinfelden auch sehr gut besucht mit mehr als 300 Interessierten. Die nutzten die Gelegenheit, mal wieder ausführlich die Prachtstücke dieses Museums anzuschauen. Die haben sich aber auch überraschen lassen, was in einer neuen Sammlung so alles drin sein kann, wenn diese dem Museum überlassen wird. Denn mit 30 000 Kartenspielen ist in Leinfelden Europas größte öffentliche Spielkartensammlung in der Schönbuchschule in der Schönbuchstraße untergebracht, das sind mehr als eine Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten und aus fünf Kontinenten. Und wie dieser Tag der offenen Tür zeigt, kommt da auch immer noch was hinzu.
Eine grobe Sichtung der neu hinzugekommenen Sammlung habe bereits stattgefunden, so die Erste Vorsitzende Ilona Koch. Aber vieles gebe es auch noch zu entdecken. Wer sich jetzt nicht so sonderlich gut auskennt mit Karten, der sieht da auf dem Wühltisch die üblichen Skat- und Poker-Karten. Doch die Fachleute geben auch schon die ersten Hinweise, weshalb dieses oder jenes Spiel etwas besonderes sein könnte. Auch die Verpackung zählt: Ein Kartenblock etwa steckt in einem Etui mit der Aufschrift „Senioren Karten“. Wer groß geworden ist mit Auto- , Zug- oder Motorrad-Quartettspielen, der stößt hier auf eine wahre Fundgrube mit Erinnerungen an die eigenen früheren Zeiten. Und da sind sicherlich die einen oder anderen Quartette dabei, die einem einst entgangen sind. Etwa ein Quartett der Schlagerstars der 1950er und 1960er Jahre. Mit welchen Qualitäten hat man da wohl die Mitspielenden einst zu übertrumpfen versucht?
Leinfelden: Allerlei Gerätschaften rund um die Spielkarte
Für diesen Tag der offenen Tür hat Claus einen Rundgang entwickelt, der die ganze Bandbreite der Sammlung in Leinfelden umfasst. Dazu gehören etwa die Originalvorlagen zu den diversen Drucktechniken, wahre Meisterwerke an Präzision. Dazu gehört aber auch etwa ein Reinigungsgerät per Handkurbel. Mit Karten gespielt wird ja schon in den mondänen Casinos, aber auch an Orten, an denen es hemdsärmeliger zugeht, da hat solch eine Apparatur schon ihren Platz.
Was es an diesem Tag der offenen Tür nicht gegeben hat, war die Gelegenheit zur Wahrsagerei. Dabei gehört diese Art von Karten, insbesondere eine asiatisch-indische Sammlung, zu den Kostbarkeiten der Leinfeldener Sammlung. Aber was nicht ist, kann ja auch noch werden. Der Förderverein und die Macher drumherum haben noch viele Ideen, wie sie dieser Leinfeldener Einrichtung wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen können. Der Tag der offenen Tür war da ein Ansatz. Und eine Gruppe von Oldtimerfreunden hat das auch honoriert, indem sie einige historische Fahrzeuge aus ihrem Bestand auf dem Schulhof abgestellt haben.
Und es gibt Eckhard Burgdorf. Der 83-jährige selbstständige Unternehmer ist bereit, eine Million Euro für den Fortbestand dieses Museums zu spenden. Burgdorf ist naheliegenderweise selbst leidenschaftlicher Kartensammler. Er hat schon viel unternommen in Sachen Karten. So hat er etwa einen Künstler beauftragt mit der Gestaltung einer Reihe von Spielkarten, die er in limitierter Auflage als Geschenk an seine Firmenkunden weitergereicht hat.
Spielkartenmuseum in Leinfelden wurde lange kaputt gespart
„Dass das Museum mit seinem Bestand bis 2026 abgewickelt werden soll, ist eine Katastrophe“, so Burgdorf zu dem Vorhaben einiger Gemeinderäte, „dagegen muss man etwas unternehmen“. Jetzt möchte er nicht mehr vorne in der ersten Reihe agieren, das habe er nun viele Jahre gemacht im Förderverein. Aber mit einer Million Euro möchte er doch erheblich Bewegung ins Spiel bringen mit dem Ziel des Erhalts des Museums und der Sammlung. „Das Museum wurde ja lange kaputt gespart, bis kein oder kaum noch Personal da war“, klagt Burgdorf, „und dann konnte es nicht mehr oder nur noch zu ganz bestimmten Zeiten geöffnet werden.“
Ein Teil der Kosten wird von privater Seite übernommen
Burgdorf unterstützt andere Stimmen im Gemeinderat. Solche etwa, die sagen, dass die Stadt das Museum und die Sammlung weiter unterhält, wenn die Hälfte der dabei entstehenden laufenden Kosten von Privat übernommen wird. Die Bereitschaft, eine Million Euro zur Verfügung zu stellen, sieht er da als wichtigen Anreiz.
Die Bedingungen formuliert Burgdorf deutlich: „Vonseiten der Stadt muss das Projekt ,Wir wollen das Museum loswerden, je eher desto besser‘ für die kommenden fünf Jahre aufgegeben werden. Das Museum muss schnellstmöglich wieder handlungsfähig gemacht werden. Dazu gehört die längst überfällige Neubesetzung der Leitung des Museums sowie die bereits zugesagte Beibehaltung der noch bestehenden Personalstellen. Und es müssen nachvollziehbare Anstrengungen unternommen werden, um weitere Sponsoren ins Boot zu holen.“
Wie lange er dieses Angebot aufrecht erhält, darüber schweigt sich Burgdorf aus. Er möchte damit seinen Gegnern des Projekts keine Trumpfkarten in die Hand geben, damit die per Verzögerungstaktik sein Vorhaben zum Kippen bringen.
Spielkartenmuseum in Leinfelden
Eintritt
Das Museum ist derzeit geöffnet mittwochs von 14 Uhr bis 17 Uhr oder per E-Mail-Anfrage unter: spielkartenmuseum@le-mail.de. Der Eintritt ist
Das Besondere
Die Sammlung umfasst über 30 000 Kartenspiele mit mehr als einer Million Einzelkarten. 2022 feierte die Sammlung ihr Bestehen seit 40 Jahren. Prominent vertreten in Europas größter Sammlung dieser Art sind Lehr- und Wahrsagekarten. Besonders die Sammlung der asiatisch-indischen Spielkarten gilt als die umfassendste und schönste weltweit.