Stellenabbau Putzmeister: Kritik an Stadt Aichtal – IG Metall: „Geht nicht um klassischen Verwaltungsakt“

Alessandro Lieb von der IG Metall (rechts) kritisiert die Absage zur Hallennutzung durch die Stadt Aichtal. Bürgermeister Sebastian Kurz (links) beteuert, es gebe keinen Ermessensspielraum.
Roberto Bulgrin/IG MetallDie Firma Putzmeister will 140 Stellen in Deutschland abbauen. Rund zwei Wochen nach Bekanntgabe der Pläne des Aichtaler Betonpumpenspezialisten steigen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung in eine Informationsphase ein. Derweil kritisiert die IG Metall die Stadt Aichtal. Die Gewerkschaft sucht nach einem Ort für eine geplante Mitgliederversammlung zum Thema – die wollte sie eigentlich in der Stadthalle Aichtal abhalten, doch die Stadt erteilte dem Ansinnen eine Absage.
Aus rechtlichen Gründen könne man die Stadthalle nicht zur Verfügung stellen, erläutert Bürgermeister Sebastian Kurz mit Verweis auf eine örtliche Satzung. Die Hallen der Kommune können „ausschließlich von örtlichen Vereinen und Organisationen, ortsansässigen Firmen sowie von Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Aichtal für eigene Veranstaltungen und Feiern genutzt werden“. Kurz’ Ausführungen zufolge erfüllen weder die IG Metall als überörtlich tätige Gewerkschaftsorganisation, noch der Betriebsrat die nötigen Voraussetzungen. Man habe „keinerlei Ermessensspielraum“.
IG-Metall-Versammlung nicht in Stadthalle Aichtal möglich
„Die Entscheidung der Stadtverwaltung und von Bürgermeister Kurz kann ich persönlich nicht nachvollziehen und bedauere sie sehr“, kritisiert der Geschäftsführer der IG Metall in Esslingen, Alessandro Lieb. „Aus meiner Sicht müsste die Stadt Aichtal ein hohes Interesse am Erhalt aller Arbeitsplätze bei Putzmeister haben. Hier geht es nicht um einen ‚klassischen’ Verwaltungsakt, sondern um über 140 Menschen und Familien, denen der Verlust des Arbeitsplatzes droht.“
Kurz betont, dass die Stadt Aichtal die Entwicklung bei der Firma Putzmeister mit großer Sorge beobachte. „Mir ist bewusst, wie belastend das für die Beschäftigten und ihre Familien sein muss.“ Der Bürgermeister signalisiert Bereitschaft zur Unterstützung von Unternehmen und Betriebsrat, aber im Rahmen des rechtlich Möglichen.
Informationsrunden zu Stellenabbauplänen bei Putzmeister

Bei der Firma Putzmeister in Deutschland (hier die Zentrale in Aichtal) sollen 140 Stellen abgebaut werden. (Archivfoto)
Foto: Matthias SchiermeyerZur Zukunft des Unternehmens sind Betriebsrat und IG Metall mit der Geschäftsführung in Austausch. „Aktuell haben wir dem Unternehmen mögliche Termine für die ersten Informationsrunden sowie einen Fragenkatalog zu den geplanten Maßnahmen übermittelt“, sagt Lieb. In den kommenden Wochen werde man die unternehmerischen Maßnahmen auf Herz und Nieren prüfen. „Unser gemeinsames Ziel bleibt weiterhin, den Stellenabbau zu verhindern.“
Das Unternehmen teilt mit, man sei sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden bewusst und wolle Veränderungen so sozialverträglich wie möglich gestalten. „Die Vorgaben der tariflichen Standortsicherungsvereinbarungen zwischen der IG Metall und Putzmeister sind bei den Planungen berücksichtigt worden.“ Erst im Vorjahr waren 280 Stellen abgebaut worden. Die neuen Pläne begründet Putzmeister mit einem sich fundamental verändernden Marktumfeld.