Stellenabbau bei Festo: „Vertrauen verspielt“: IG Metall richtet scharfe Worte gegen Firmenpolitik

Festo-Vorstandsvorsitzender Thomas Böck führte die Stellenstreichungen im Gespräch mit unserer Zeitung auch auf stärkere Wettbewerbe mit Asien zurück.
Roberto BulgrinDer geplante Stellenabbau des Esslinger Familienunternehmens Festo löst harsche Kritik bei Gewerkschaft, Betriebsräten und Belegschaft aus. Es herrsche große Verunsicherung an den deutschen Standorten, teilt die IG Metall mit. Kritisiert wird auch der Umgang mit den Mitarbeitenden. Der Maschinenbauer möchte auch mit Blick auf die kriselnde Wirtschaft 1300 Stellen streichen. Die Belegschaft war am 8. Mai informiert worden.
Enttäuschung, Wut und Ängste prägten das Stimmungsbild, sagt Nevin Akar, die zweite Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, nach zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen, Betriebsräten und Vertrauensleuten: „Viele Kolleginnen und Kollegen sorgen sich um ihre Zukunft und fordern Klarheit und Perspektiven.“
Zugleich werde von Seiten der Belegschaft die Art des Umgangs mit den Beschäftigten durch ihren Arbeitgeber kritisch hinterfragt: „Viele sehen in den angekündigten Maßnahmen keinen angemessenen Ausdruck von Wertschätzung für die geleistete Arbeit in einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen“, teilt Nevin Akar mit. Der Wunsch nach Respekt, Transparenz und Anerkennung sei deutlich zu spüren.
Neben den individuellen Folgen für die Arbeitnehmer weist die Gewerkschaft auch auf die Auswirkungen für die Region hin: Durch den Wegfall von 1300 Arbeitsplätzen drohten zudem spürbare Einbußen bei den Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen – mit Konsequenzen für öffentliche Investitionen und Infrastruktur, heißt es von Seiten der Arbeitnehmervertreter.
Widerstand gegen betriebsbedingte Kündigungen angekündigt
Die IG Metall verweist auf eine aktuell abgehaltene, offene Mitgliederversammlung mit gut 800 Festo-Mitarbeitenden in Denkendorf, die die Gewerkschaft kurzfristig anberaumt habe. Mit dabei seien auch die Betriebsratsvorsitzenden von Festo gewesen. Viele Beschäftigte hätten ihrem Unmut Luft gemacht. „Das Vertrauen in ein Unternehmen, das immer den Unterschied machen wollte, ist gebrochen“, wird eine Kollegin von der Gewerkschaft zitiert. Andere Mitarbeitende hätten im Rahmen der Versammlung auf den eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg verwiesen: „Wir haben die Produkte entwickelt, konstruiert, produziert und verkauft.“
Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an. Gemeinsam und sichtbar wolle man sich gegen betriebsbedingte Kündigungen stellen: „Der Wille, laut und geschlossen für den Erhalt der Arbeitsplätze einzutreten, wurde in der Versammlung deutlich.“

Festo möchte 1300 Stellen an deutschen Standorten streichen.
Foto: Roberto BulgrinFesto hatte den Stellenabbau mit der kriselnden Wirtschaft, sinkenden Umsätzen und einer geplanten Senkung der Kostenbasis begründet. Ein Firmensprecher hatte auf ein sich veränderndes Umfeld, geopolitische Konflikte, wirtschaftspolitische Spannungen und maximale Dynamik an den Märkten verwiesen. Es wird zudem auf einen sich verschärfenden Wettbewerbsdruck vor allem durch asiatische Konkurrenten verwiesen. Standortschließungen in Deutschland hatte der Vorstandsvorsitze Thomas Böck in einem Interview mit unserer Zeitung aber ausgeschlossen.