Sport auf den Fildern
: Geburtenstarker Jahrgang 2021 – eine Herausforderung für Vereine?

Im Coronajahr 2021 kamen viele Kinder zur Welt – die Vierjährigen drängen nun verstärkt in die Sportvereine. Erfahrungen dazu aus Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt.
Von
Natalie Kanter
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Kinder in Bewegung bringen – das wollen die vier großen Sportvereine in Leinfelden-Echterdingen.

Britta Pedersen, dpa

Kein Kind sollte ohne Sport sein, ist die Devise von Christina Baumann, Geschäftsführerin des TV Echterdingen. Dazu passt eine Kooperation zwischen den vier großen Sportvereinen in Leinfelden-Echterdingen und der Stadtverwaltung. Sie wurde 2022 ins Leben gerufen mit dem Ziel Bewegung in die Kitas und Schulen der Stadt zu tragen sowie Mädchen und Jungen für unterschiedliche Sportarten zu begeistern.

Aus der Idee, die Christina Baumann und Ingrid Krebs, Leiterin des Amtes für Jugend, Schule und Vereine in Leinfelden-Echterdingen, gemeinsam entwickelt haben, ist ein Erfolgsmodell geworden. „Wir bringen jede Woche mehr als 1000 Kinder in Bewegung“, sagt Christina Baumann. In Kitas, Grundschulen und Sportvereinen. Der Nachwuchs ist zwischen zwei und 17 Jahren alt.

Die Vereine profitieren davon, dass die Kommune hauptamtliche Geschäftsführungen und hauptamtliche Trainer in den Vereinen bezuschusst. Aber auch für die Stadt ist das ein Gewinn: In den Kitas gibt es nun betreuten Sport. „Wir sind an fünf Grundschulen im Einsatz“, sagt Baumann. Ferienbetreuung und Feriencamps werden angeboten. Schülerinnen und Schülern können bei den Vereinen Praktika machen. Die Vereine unterstützen die Kommune in Sachen ganztägiger Betreuung von Grundschülerinnen und -schülern.

Doch es gibt auch Herausforderungen, wie begrenzte Hallenkapazitäten, den Kostendruck oder den geburtenstarken Jahrgang 2021. Baumann sagt: „Dieser Jahrgang stellt uns schon eine Weile auf die Probe.“ Je älter die Kinder werden, die im Coronajahr 2021 geboren wurden, desto mehr drängen sie in die Sportangebote. 80 Kinder können beim Kinderturnen und in der sogenannten Ballschule aufgenommen werden. So viele Plätze gibt es für diesen Jahrgang. 20 Mädchen und Jungen stehen auf der Warteliste. Bei den Schwimmkursen sei es für alle eng, egal wann sie geboren sind, betont Baumann. Sehr viele Kinder und Jugendliche wollen auch Handball oder Fußball spielen. Hier gebe es mittlerweile 18 Mannschaften – und damit so viele, wie noch nie.

Familienplanung im Coronawinter

„Mehr Zeit, mehr Zweisamkeit und ein leerer Kalender: Gründe wie diese könnten dazu beigetragen haben, dass sich viele Paare im von der Coronapandemie geprägten Winter 2020/2021 intensiv mit der Familienplanung beschäftigt haben“, hat der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft festgestellt. 2021 seien in Deutschland 795 500 Kinder geboren worden – so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. „Diese Zunahme dürfte ein einmaliger Lockdown-Effekt gewesen sein“, prognostizierte der Dienst. Und tatsächlich: Im Jahr 2024 kamen in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 677 117 Kinder zur Welt. Das war der niedrigste Wert seit 2013. Der seit 2017 zu beobachtende und nur im Jahr 2021 im Kontext der Pandemie unterbrochene Rückgang der Kinderzahl je Frau verstärke sich deutlich, teilte das Amt in diesem Sommer mit.

Zu einem Lockdown-Effekt passen auch die Geburtenzahlen aus Filderstadt. „In Filderstadt kam es im Jahr 2021 zu einem deutlichen Anstieg um 84 Geburten im Vergleich zum Vorjahr“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. „In den Folgejahren lagen die Geburtenzahlen wieder auf dem Niveau der Jahre vor 2021.“ Die Details dazu: In der Stadt kamen 2020 insgesamt 465 Kinder auf die Welt, 2021 waren es 549 Geburten, 2022 erblickten 437 Kinder dort das Licht der Welt. Dennoch: Ob der Anstieg 2021 tatsächlich in Zusammenhang mit der Coronapandemie stehe, könne die Stadt Filderstadt nicht beurteilen. Wenn man auf die Zahl, der in Leinfelden-Echterdingen gemeldeten Kinder blickt, sieht man, dass auch dort viele Kinder leben, die im Coronajahr 2021 geboren wurden. 412 der Mädchen und Jungen sind Jahrgang 2020, 435 wurden im Jahr 2021 geboren, 360 sind 2022 zur Welt gekommen, 388 im Jahr 2023 und 409 in 2024.

Verfügbare Sportflächen als limitierender Faktor

Während die Sportvereine in Leinfelden-Echterdingen den geburtenstarken Jahrgang 2021 deutlich spüren, heißt es aus der Nachbarstadt: „Die Nachfrage nach sportlichen Vereinsangeboten ist konstant, nennenswerte Schwankungen sind nach Information der Sportgemeinschaft Filderstadt nicht zu verzeichnen.“ In Filderstadt sei die Verfügbarkeit von Sportflächen ein limitierender Faktor. „Wenn wir Sport und Bewegung als Bestandteil von Bildung und Gesundheit begreifen, müssen wir uns den Infrastrukturfragen stellen, unabhängig von Jahrgangsgrößen“, betont Oberbürgermeister Christoph Traub.