Oldtimertreffen Kirchheim: Asphalt, Autos, Action: Kultfigur und Deutscher Meister mit dabei
Asphalt-Gruftis, Best Ager auf zwei und vier Rädern sowie Senioren der Straße trafen sich zum knatternden Rendezvous in Kirchheim. Mit dabei beim zweiten Oldtimertreffen am Güterbahnhof waren Peter Ludolf und ein Deutscher Meister. Am Pfingstmontag gibt es noch einmal Oldtimer am Güterbahnhof in Kirchheim. Geöffnet hat er von 9 bis 21 Uhr.
Hitzeresistent und vollkommen schweißfrei. Peter Ludolf ist wie für eine Grönland-Expedition angezogen. Schwarze Mütze, Pullover mit Hoodie, schwarze Hose. Ungeeignet für die gut 30 Grad am Pfingstsonntag auf dem zweiten Kirchheimer Oldtimertreff. Doch die Hitze lässt ihn kalt. Er habe schon bei 52 Grad im Ausland einen Film gedreht, sagt der 70-Jährige. Da bewahrt er kühlen Kopf. Er sei überhaupt kein hitziger Typ.
Nicht einmal, wenn Schrott in den Medien berichtet wird, bringt das Deutschlands bekanntesten Schrotthändler eigenem Bekunden nach auf die Palme. Dieser Streit mit seinen Brüdern Manni und Uwe sei aufgebauscht, hochgepuscht und übertrieben worden, sagt Peter Ludolf: „Ich habe kein Problem mit ihnen.“ Wie auch immer der Ludolfsche Familienzoff aussah – er scheint beigelegt zu sein: Sie würden ja wieder zusammen drehen, sagt Peter Ludolf. Familie und vor allem seine Geschwister seien ihm wichtig. Als sein Bruder Horst Günter vor 15 Jahren starb, traf ihn das hart: „Es wird nie wieder gut.“

Begehrter Gast auf dem Oldtimertreffen: Peter Ludolf.
Foto: Markus BrändliSelfies mit Peter Ludolf sind heiß begehrt. Die Schlange ist lang. Er nimmt sich Zeit. Lässt sich freudig ablichten. Hat für jeden ein netter Wort. Scheint nie genervt zu sein. Schon sein Vater habe einen Schrottplatz gehabt, plaudert er nebenbei aus dem Nähkästchen. Den haben er und seine Brüder übernommen. Die Popularität der Berichte darüber und seine Beliebtheit bei den Menschen führt er darauf zurück, dass er sich nicht verbiege: Er bleibe immer der gleiche Typ. Zum Typus gehört auch, dass er Heimatfilme und alte Streifen mag. „Sissi“ zum Beispiel. Kein Kitsch. Überhaupt nicht.
Ein Deutscher Meister in einer seltenen Disziplin kam zum Oldtimertreff
„Sissi“ ist sicherlich nicht nach dem Geschmack von Kevin Vöhringer, der einen eigenen Stand beim Oldtimertreffen hat. Er ist weniger der romantische als vielmehr der handfeste Typ. Deutscher Fahrzeugpoliermeister ist der 33-jährige in Kohlberg Geborene. Von Beruf ist er selbstständiger Fahrzeuglackierermeister mit eigener Werkstatt in Frickenhausen, und er wollte sich aus der Masse herausheben: Also machte er bei dem Wettbewerb mit. 2023 hat er den Titel geholt. Trainieren musste er nicht. Sein Job, sagt er, ist Training genug.
Für den Meistertitel in Köln hat es gereicht. Die 32 Teilnehmenden mussten laut Kevin Vöhringer eine 40 mal 40 Zentimeter große Stelle an einem Auto bearbeiten, die zuvor bewusst beschädigt worden war. Fünf Minuten Vorbereitungszeit. Zehn Minuten fürs Bearbeiten. Dann schaute sich eine Fachjury das Werk an. Bewertet werden Qualität der Bearbeitung, Schnelligkeit, der Umgang mit den Maschinen oder der Glanzgrad. Eine Europameisterschaft im Autopolieren gibt es nicht, klärt Kevin Vöhringer auf. Eine Weltmeisterschaft auch nicht. Noch nicht. Vorbereitungen seien am Laufen. In den USA etwa würde es eine große Szene geben. Die Nordamerikaner würden aber nicht Autos polieren, sondern Kuchenbleche.

Deutscher Meister im Fahrzeugpolieren 2023: Kevin Vöhringer.
Foto: Markus BrändliAuf dem Oldtimertreff aber hätte selbst ein Könner wie Kevin Vöhringer wenig zu polieren gehabt. Die Gruftis der Straße sahen aus wie aus dem Ei gepellt – alle wurden von ihren Besitzern selbst auf Hochglanz gebracht. Im letzten Jahr waren die vierrädrigen Asphaltveteranen erstmals nach Kirchheim an den Güterbahnhof gefahren. Im Urlaub am Strand, verrät Organisator Tony Zeccola, hatte er den Geistesblitz, das Oldtimertreffen zu organisieren.
Die Oldtimer müssen mindestens 30 Jahre alt sein
Ausbremsen ließ er sich nicht. Die Idee nahm Fahrt auf. Fünf Wochen hatte er Zeit für die Vorbereitungen. Hat bestens geklappt. Er kenne sich in der Szene aus, sagt er, und sei gut vernetzt. Mindestens 30 Jahre müssen Autos für eine Teilnahme alt sein. Und ein H-Kennzeichen haben. „H“ wie historisch. Er rechnet mit gut 10 000 Besuchern an den beiden Tagen.
Im letzten Jahr hatte er 1000 Anmeldezettel drucken lassen. Sie seien bald vergriffen gewesen. So an die 1500 Oldtimer werden es wohl im letzten Jahr gewesen sein. 2026 rechnet er mit über 2500. Der Eintritt zum Oldtimertreffen ist frei. Finanziert wird die Veranstaltung über Sponsoren, Standgebühren für Stände und Einnahmen aus gastronomischen Angeboten.

Oldtimer auf vier und zwei Rädern trafen sich am Güterbahnhof in Kirchheim.
Foto: Markus BrändliSchraubergespräche gab es natürlich auch. „Ich habe mein Auto für 200 Euro reparieren lassen“, berichtet ein Oldtimerfan lautstark. Die rein männliche Zuhörerriege reagiert beeindruckt und erstaunt. Erst als sich die anerkennenden Rufe gelegt haben, wird das Geheimnis gelüftet: „Ja, aber das war 1984. Und um ehrlich zu sein – den Betrag habe ich in D-Mark bezahlt.“



















