Lichtenwalder Hausarztpraxis ist zu
: Per Bürgerbus zum Arzt?

Der Gemeinderat Lichtenwald debattiert die Gründe für die Schließung der Hausarztpraxis im Ort. Schnelle Lösungen sind unwahrscheinlich.
Von
Peter Stotz
Stuttgart
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Die Hausarztpraxis im alten Rathaus von Hegenlohe ist geschlossen

pst

In der Gemeinde Lichtenwald gibt es derzeit keine Hausarztversorgung mehr. Ein Schorndorfer Mediziner, der im früheren Rathaus Hegenlohe einige Stunden wöchentlich Patienten behandelte, ist Anfang Oktober ausgezogen. In einer zeitweise emotional geprägten Debatte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zeigte sich, dass schnelle Lösungen für das Problem nicht in Sicht sind. Doch der Blick richtet sich nach vorne, das Gremium setzt nun auf gemeinsame Anstrengungen.

Der Arzt, der die Praxis in Lichtenwald als Außenstelle seiner Praxis in Schorndorf betrieben hatte, war seit einiger Zeit mit der fehlenden Barrierefreiheit, aber auch der Höhe der Miete unzufrieden. Auch seine Beteiligung an dem zwischen den Gemeinden Reichenbach, Hochdorf und Lichtenwald vereinbarten Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung war fraglich.

Vorwurf, dass nicht ausreichend informiert wurde

Die Schließung der Hausarztpraxis kam für viele Menschen im Ort dennoch überraschend. In der Sitzung des Gemeinderats, bei der die Situation und mögliche Lösungen debattiert wurden, wurde daher die Kritik laut, die Verwaltung habe den Gemeinderat und die Bürgerschaft nicht ausreichend informiert und nicht alle Möglichkeiten genutzt, den Arzt am Ort zu halten. „Wir wussten um das Problem der Barrierefreiheit, aber nichts von der Brisanz der Situation“, sagte Constanze Pfaff, die Vorsitzende der Fraktion LBL. Sie und ihre Fraktionskollegin Ute Hosch bemängelten, dass der Gemeinderat und auch die Bürgerschaft nicht früher und nicht besser in die Suche nach einer Lösung für das Raumproblem eingebunden worden seien.

Bürgermeister Ferdinand Rentschler erklärte, dass die Verwaltung mehrfach mit dem Arzt Lösungsmöglichkeiten für das Raumproblem diskutiert habe. So habe sich die Chance aufgetan, im Dachgeschoss des Alten Rathauses Praxisräume ohne große Umbauten einzurichten. Für eine bessere Erreichbarkeit sei ein Treppenlift erwogen worden. Diese Option habe der Arzt verworfen. Eine mögliche Anmietung einer Neubauwohnung im Ort sei für den Arzt nicht infrage gekommen, da dies zunächst zwei monatliche Mietzahlungen bedeutet hätte.

Unterstützung für den Bürgermeister aus dem Gemeinderat

Pfaff kritisierte „mangelhafte Informationen“ durch die Verwaltung. „Wir hätten den Bürgern gern die Überraschung erspart.“ Rentschler mochte das so nicht stehen lassen. „Wir konnten nicht besser informieren. Uns wurde gesagt, dass der Arzt seine Praxisräume kündigt, um in Mietpreisverhandlungen einzutreten. Der Arzt hat nicht kommuniziert, dass er aufhört“, sagte er. Neo Fritz (Grüne) bestätigte das. „Der Arzt sah sich nicht in der Verantwortung, die Bürger und den Gemeinderat ausführlich zu informieren“, sagte er, unterstützt von einigen weiteren Ratsmitgliedern.

Auf Anraten der LBL-Räte Achim Bihl und Michael Haueis sowie Matthias Böhm (FUW) will das Gremium nun gemeinsam nach vorne schauen. Die Lichtenwalder Patienten würden in der Schorndorfer Arztpraxis zwar weiterhin versorgt, dennoch seien Verwaltung und Gemeinderat in der Pflicht, Lösungen für einen Hausarzt möglichst im Ort zu finden, sagte Bihl. „Nach vorne denken“, empfahl auch Martina Häussermann (CDU).

Kreative Lösungen gesucht

Böhm gab dabei zu bedenken, dass der Ärztemangel kein Lichtenwalder Exklusivproblem darstelle. „Überall fehlen Hausärzte. Auch wesentlich größere Orte finden keinen“, sagte er. Zudem liege Lichtenwald nicht am Ende der Welt. „Wir leben nicht an einem Ort, von wo aus die Menschen zwei Stunden bis zu einem Arzt brauchen. Vielleicht sollten wir uns also von dem Gedanken lösen, schnell wieder einen Arzt in den Ort zu bekommen.“ Stattdessen könnten auch kreative Lösungen wie etwa ein Bürgerbus, der die Menschen zur Arztpraxis bringt, überdacht werden. „Wir wollen mit voller Anstrengung gemeinsam eine Lösung finden“, bekräftigte Constanze Pfaff.