Leinfelden-Echterdingen
: Oberbürgermeister an der Kasse im Bonus-Markt

Der Bonus-Markt in Stetten (Kreis Esslingen) braucht mehr Kundschaft nach seiner Neugestaltung. Dafür hat sich Oberbürgermeister Ruppaner in einer Werbeaktion an die Kasse gestellt.
Von
Armin Friedl
Esslingen
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OB Ruppaner an der Kasse des Stettener Bonus Markts verteilt auch Blumen bei dieser Werbeaktion.

Brändli

Was macht ein Oberbürgermeister an einem Samstag vormittag? Er macht die Besorgungen für seine Familie mit Blick aufs Wochenende. Otto Ruppaner, Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, hat sich am Samstag nicht nur mit Lebensmittel eingedeckt, er hat sich dazu auch gleich an die Kasse gestellt. Allerdings nicht, um ein paar Euro zu verdienen als Aushilfskraft, sondern um Werbung zu machen für einen Besuch des Bonus-Markts in Stetten, einem Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen. Der Bonus-Markt gehört zu einer Kette von Lebensmittelgeschäften, der gemeinnützige Ziele verfolgt.

Und der kann Werbung gerade gut gebrauchen. Eigentlich hat er eine sehr gute Lage in diesem Stadtteil. Und die Alteingesessenen erinnern sich, dass es dort seit dem Bau dieses Gebäudes irgendwann in den 1970er Jahren schon immer Lebensmittel gegeben hat, auch wenn die Filialisten immer wieder wechselten. Doch heute hat der Bonus-Markt dort wie viele andere Lebensmittelgeschäfte in dieser Größenordnung ein Problem: Es kommt nicht genügend Kundschaft.

Viele Bürger fahren zu den großen Discountern, wo viele Parkplätze bereit stehen. Dass es quasi vor der Haustüre ein vielseitiges Angebot gibt mit einem Mix aus Markenartikel und hauseigenen Produkten, häufig auf dem Preisniveau der Discounter, das ist vielen gar nicht mehr bewusst. Nur jene Stettener, die nicht mehr so mobil und deshalb auf den Einkauf vor Ort angewiesen sind, wissen darum. Und die brauchen jetzt eben Unterstützung von denen, die man auf das Einkaufen vor Ort wieder aufmerksam machen muss.

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Foto: picture alliance/dpa

Das Warten an der Kasse als Gelegenheit für ein Schwätzchen

Deshalb steht an diesem Vormittag der Oberbürgermeister an der Kasse für eine gute Stunde. Und der hat da viel zu tun. Das schnelle Scannen will geübt sein. Und vieles benötigt einen extra Eingabe-Nummerncode, der solch einer Aushilfskraft natürlich noch nicht geläufig ist. Denn beim Bonus gibt es viele frische Backwaren und viel frisches Obst und Gemüse. Die Ehrenamtlichen haben an diesem Vormittag den Eingangsbereich damit besonders aufwendig gestaltet.

Doch die meisten Einkaufenden haben viel Zeit mitgebracht. Da will man schon mal dem ungewöhnlichen Kassierer auf die Finger schauen. Und zugleich ist die Wartezeit eine gute Gelegenheit für ein nachbarschaftliches Schwätzchen. So könnte es ruhig öfters sein: Der Lebensmittelladen als gesellschaftlicher Mittelpunkt. Auch die Feuerwehr Stetten schaut als Nachbarn in Mannschaftsstärke vorbei, um Einkäufe zu erledigen.

Die Postfiliale im Stettener Bonus-Markt ergänzt das Angebot

Damit die Voraussetzungen dafür auch sonst stimmen, haben sich die Ehrenamtlichen mächtig ins Zeug gelegt bei der neuen Innengestaltung. Die Einkaufsfläche ist jetzt großzügiger, die Produkte selbst sind übersichtlicher angeordnet. Erstaunlich ist die Vielfalt. Wer beispielsweise etwas aus dem Bereich Sauerkonserven sucht, kann hier beim gewohnten Produkt zwar eher nicht im Dutzend abräumen, dafür entdeckt man ungewöhnlich viele Varianten in diesem Segment, die zum Teil schon eher dem Bereich Feinkost zuzuordnen wären. Bio, vegan, vegetarisch: Auch nach diesen Kriterien kann man hier seine Lebensmittel auswählen. Was auch noch wichtig ist: Es gibt eine Post im Bonus-Markt für den Paket- und den Briefverkehr.

Natürlich gibt es da noch Verbesserungsmöglichkeiten: Die Post hat nur vormittags geöffnet, der Bonus Markt an sich nur von 8 bis 19 Uhr. „7 bis 20 Uhr wäre schon besser“, so Susanne Tschach, Vorsitzende vom Förderverein des Bonus-Markts. Doch dazu benötigt es auch Leute, die in dieser Zeit im Laden tätig sind. Und daran fehlt es, so Tschach: „Unsere 11 Ehrenamtlichen haben jetzt schon alle Hände voll zu tun“.

Bezirksleiterin: Der Bund hat die Unterstützung gekürzt

Denn da kommt das nächste Problem: Das Geschäftsmodell der Bonus-Märkte ist die Integration von Langzeitarbeitslosen und Behinderten in den Arbeitsmarkt. Dafür gibt es Unterstützung vom Bund. Die Märkte selbst müssen zumindest ohne Verluste arbeiten. Doch die Bezirksleiterin Simona Pflanz weist darauf hin, dass der Bund diese Unterstützung bereits gekürzt hat und dass weitere Kürzungen drohen. Die Bonus-Märkte können dies mit ihrer Konzeption laut Pflanz so nicht auffangen, zumal sie ja noch mit den üblichen Kostensteigerungen, etwa im Bereich Energiekosten, konfrontiert sind. Auch deshalb wirbt der Bonus Markt Stetten sehr um neue Kundschaft.

Bonus-Märkte in Stuttgart und Umgebung

Konzept
Die Bonus-Märkte sind eine Filialkette des Lebensmitteleinzelhandels mit Sitz in Stuttgart mit gemeinnützigen Zielen. Sie gehören der BONUS – Berufliche Orientierung, Nachbarschaftsläden und Service gGmbH, die wiederum ein Tochterunternehmen der SBR – gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration mbH in Stuttgart ist. Die BONUS gGmbH wurde 2003 gegründet und unterhält 24 Supermärkte in Baden-Württemberg und Bayern, siebzehn davon in Baden-Württemberg, und sieben in Bayern.

Gründungen
Der erste Bonus-Markt wurde im Mai 2003 in Stuttgart-Münster eröffnet. Es folgten in Stuttgart weitere Märkte in Hoffeld, Hofen, Bad Cannstatt, Sommerrain, West, Mitte, Heslach, Sonnenberg, auf der Rohrer Höhe, Steinhaldenfeld, in Büsnau und in Schlaitdorf. Weitere Filialen gibt es vorrangig in Städten und Gemeinden im Großraum Stuttgart und München.