Leinfelden-Echterdingen: Ministerin Nicole Razavi zu Besuch: „Gute Planung benötigt eben viel Zeit“

Nachdenken über Leinfelden-Echterdingen: Ministerin Nicole Razavi (li.) und Oberbürgermeister Otto Ruppaner (3. v. li.)
FriedlSeit mehr als 20 Jahren ist Leinfelden-Echterdingen in diversen Förderprogrammen des Landes in Sachen Städtebau dabei. Damit gehört sie zu den Kommunen, die am längsten mit dabei sind. Eine ziemlich lange Zeit also. Das finden sowohl Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen als auch Oberbürgermeister Otto Ruppaner.
Und damit sind auch alle Beteiligten offensichtlich zufrieden: „Gute Planung benötigt eben viel Zeit, damit am Ende was Gutes dabei rauskommt“, erklärt Razavi, seit 2021 in diesem Amt, aber auch schon zuvor viele Jahre politisch tätig in den Bereichen Umwelt und Verkehr. Gute Planung heißt für sie unter anderem: Ein Euro aus Fördermittel setzt acht Euro aus diversen Investorentöpfen frei.
Das Reiseziel von Ministerin Razavi Schelmenäcker
In Leinfelden-Echterdingen funktioniert das offensichtlich ganz gut, deshalb macht die Ministerin wohl auch gerne Station dort im Rahmen ihrer dreitägigen Sommerreise und steigt bestens gelaunt aus ihrer Dienstlimousine. Und von den vielen baulichen Dingen, die in den letzten Jahren in der Stadt realisiert wurden und noch realisiert werden sollen, konzentriert sich dieser Besuch der Ministerin auf das Gebiet Schelmenäcker.
Da gibt es ja auch viel zu erzählen über langwierige, über zunächst vergebliche Planungen, die sich dann am Ende doch zu einem sinnvollen Ganzen fügten. Andrea Egner, Leiterin des Amts für Stadtgrün, Umwelt und Verkehrsinfrastruktur, etwa schildert sehr präzise, wie lange es gedauert hat, bis 700 Meter Stadtbahngleise zusätzlich verlegt worden sind als guten Zugang zu dem noch entstehenden Neubau- und Gewerbegebiet Schelmenäcker. Diese Gleise enden jetzt noch auf einer Streuobstwiese. Der weitere Weg ist ja vorgezeichnet nach Echterdingen. Aber wie viele Meter sind das, was bedeutet das umgerechnet in Planungsjahre? – Dieser sonnige Mittagstermin war jetzt nicht der richtige Anlass, um derartige Überlegungen anzustellen.
Wohnraum in Leinfelden-Echterdingen für mehr Aufenthaltsqualität
Etwa die neu gebauten Wohnhäuser. Philipp Schwarz, Leiter des Stadtplanungsamts, berichtet von dem langen Weg, den die Stadt mit dem Siedlungswerk gegangen ist, um hier attraktiven Wohnraum zu schaffen: „In unserer Stadt ist Mobilität ein ganz großes Thema. Jeden Tag fahren Pendlerströme in der Größenordnung einer Kleinstadt bei uns raus und kommen abends wieder zurück. Wenn man die Aufenthaltsqualität verbessern will, muss man gute Wohnungen und gute Arbeitsplätze bieten“. Was bei den sieben Gebäuden noch zu betonen ist: Hier stimmt die häufig geforderte Quote von 30 Prozent an Wohnungen, die preislich gebunden unter dem Mietspiegel liegen. Weitere Wohnungen sind von vornherein behindertengerecht eingerichtet. Die Rechnung dazu: Anfangs habe man mit 100 Wohnungen geplant, so Schwarz, daraus sind jetzt knapp 150 geworden. Und die sind ein Zuhause für knapp 700 Menschen.
Prähistorische Funde – erste Bewohnerin von Leinfelden?
Und beim konkreten Bauen gibt es natürlich auch Überraschungen: Hier waren es Funde einer prähistorischen Siedlung sowie der Leichnam einer Frau, die nach den Sitten der damaligen Zeit vor 7000 Jahren in Hockstellung beerdigt wurde. „Die Sicherung dieser Funde hat gut 800 000 Euro gekostet“, so Egner, „das musste die Stadt vollständig selbst bezahlen“. Razavi kann gut nachvollziehen, dass dies solch einen Projektablauf doch ziemlich stört in vielerlei Hinsicht. Da sucht sie dann die Hinwendung zum Positiven: „Machen Sie was draus. Das scheint ja dann die erste bekannte Bewohnerin von Leinfelden zu sein. Offensichtlich hat es ihr schon damals hier gefallen.“
Doch in Leinfelden-Echterdingen wird nach vorn geblickt: Ein neues Rathaus, das wäre ein längst fälliges städtebauliches Investment, so Ruppaner, das sich auf die Stadt auswirken wird. Razavi bleibt da eher allgemein: „Dass die Bundesregierung die Mittel für die Städtebauförderung erhöhen wird, ist ein wichtiges Signal für die Kommunen. Wir müssen sicherstellen, dass diese dann das Geld auch investieren können. In diesem Jahr stehen rund 248 Millionen Euro für 307 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 275 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg bereit. Davon stammen etwa 171 Millionen Euro aus dem Haushalt des Landes.