Krauternte auf den Fildern
: Die ersten Haible werden geerntet

Die vergangenen Monate waren schwierig fürs Filderspitzkraut, vor allem zum Sommeranfang war es zu heiß und zu trocken. Jetzt hoffen die Landwirte auf Regen und milde Temperaturen.
Von
Caroline Holowiecki
Esslingen
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Jung-Landwirt Christian Alber aus Sielmingen mit Filderspitzkraut. Die ersten Haible sind reif für die Ernte. Der heiße und trockene Sommer war allerdings anspruchsvoll.

Caroline Holowiecki

Die Feldwege vor den Toren von Sielmingen sind matschig, große Pfützen stehen auf dem Asphalt. In der Nacht hat es bis 5 Uhr morgens kräftig geregnet. „Der hätte gern auch schon früher kommen können“, sagt Christian Alber über den Guss. Der 21-jährige Jung-Landwirt steht vor einem Acker, auf dem Rot-, Rund- und die berühmten Filderspitzkraut-Köpfchen wachsen. „Sie stehen gut da“, sagt er, dann fügt er hinzu: „Wir haben aber auch viel investiert – Wasser, Zeit und Geld.“

Der diesjährige Sommer war bislang nicht ideal fürs Filderkraut. Vor allem anfangs war es zu heiß und zu trocken. „Bis Mitte Juli gab es wochenlang keinen Regen, das war schon zäh“, sagt Christian Alber vom Familienbetrieb Gemüsetraktor Alber. Man habe viel gießen müssen. Das hat sämtliche Krautproduzenten auf der Filderebene getroffen.

Hoher Druck durch die Kohlfliege

Spitzkraut ist eine besondere Spezialität von den Fildern.

Foto: dpa

Einer der größten ist Klaus Schumacher. Auf fünf Hektar baut er in Bernhausen und Neuhausen das beliebte Spitzkraut an. Ja, der Sommer sei trocken gewesen, „es gab zwar immer wieder Regen, aber keine Mengen, die zur Wurzel durchgekommen sind“, erklärt er. Das Kraut möge es feucht und nicht zu heiß, Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad seien ideal. „Die Luftfeuchtigkeit ist entscheidend. Wenn der Tag trocken ist, bleibt es in der Entwicklung stehen.“ Auch von einem hohen Druck durch die Kohlfliege und die Raupen des Kohlweißlings berichtet er. „Wir mussten da bekämpfen, sonst hätten wir nichts.“

Klaus Schumacher hofft nun auf mehr Regen im September, damit die Köpfchen weiter gedeihen und wachsen. „Sonst wird’s knapp“, sagt er. Was er damit meint? Ende September, Anfang Oktober starte traditionell das Einmachen von Sauerkraut fürs Krautfest in Leinfelden-Echterdingen, „da muss das Kraut eine gewisse Größe haben“. Die 47. Ausgabe der überregional bekannten Hocketse fällt heuer auf den 18. und 19. Oktober. Derzeit seien die Krautköpfe eher durchschnittlich groß.

Hitze zum falschen Zeitpunkt

Helmut Kizele aus Echterdingen kann das bestätigen. Auch sein Spitzkraut brauche noch ein bisschen. Bei ihm sei die Saison ebenfalls anspruchsvoll gewesen. „Am Anfang war es sehr früh sehr heiß. Das kennen wir so vom Juni nicht“, sagt er. Die Hitze habe den Bestand zu einem Zeitpunkt getroffen, als die Pflanzen noch gar nicht richtig angewachsen gewesen seien. Im Juli habe es dann geregnet – genau zur Getreideernte, als man die Feuchtigkeit gar nicht habe brauchen können. „Man kommt sich da etwas veräppelt vor“, sagt Helmut Kizele.

Die Albers haben in Sielmingen das Filderspitzkraut in vier Sätzen ausgebracht. Während der letzte vom Juni noch gar keine Köpfchen ausgebildet hat, sind die ersten, angepflanzt im April, bereits reif für die Ernte. Erste Haible des feinen und deswegen nur kurz haltbaren Spitzkrauts sind im Hofladen erhältlich. „Für uns als Direktvermarkter ist es wichtig, ein breites Sortiment zu haben“, sagt Christian Alber. Bringt die nächste Zeit Regen und auch milde Temperaturen? Christian Alber sagt: „Die nächsten Tage sind entscheidend, weil das Kraut jetzt am Kopf zulegt.“