Historische Mitte
: Wie Echterdingen sein Ortszentrum neu erfindet

Im Jahr 2018 wurde die Historische Mitte Echterdingen vom Gemeinderat als Sanierungsgebiet festgesetzt. Das Gebiet soll weiter baulich aufgewertet werden.
Von
Philipp Braitinger
Esslingen
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Andrea Egner und Stefan Bommer freuen sich über die gelungene Neugestaltung.

Philipp Braitinger

Die Historische Mitte von Echterdingen steht seit 2018 im Fokus einer städtebaulichen Erneuerung. Es sei schon viel erreicht worden, berichteten die Leiterin des Amts für Stadtgrün, Umwelt und Verkehrsinfrastruktur, Andrea Egner, und der Projektleiter Historische Mitte beim Tiefbauamt, Stefan Bommer, kürzlich bei einem kleinen Spaziergang. Einige Leuchtturmprojekte des „HiMi“ abgekürzten Sanierungsgebiets stehen aber erst in den kommenden Jahren noch bevor.

Bis die Bagger tatsächlich rollten, sind nach dem Beschluss von 2018 noch rund vier Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden die Bauarbeiten vorbereitet. Unter anderem wurde ein Gestaltungshandbuch verfasst. Dieses dient den Planern als roter Faden. Eine einheitliche Auswahl an Materialien, Pflanzen und Gestaltungselementen soll der „HiMi“ nach der Fertigstellung ein einheitliches Aussehen geben. Im Jahr 2022 ging es schließlich in der Christophstraße mit den Bauarbeiten los. „Das war eine riesige Baumaßnahme“, erinnert sich Egner.

Dass ausgerechnet in der Christophstraße begonnen wurde, hing mit damals ohnehin anstehenden Leitungsarbeiten in der Straße zusammen. Heute hat die Straße einen modernen Querschnitt mit sogenannten Multifunktionsstreifen an den Seiten, die etwa fürs Parken, für Baumbeete oder für Fahrradabstellbügel genutzt werden.

Verkehrsberuhigter Bereich in der Burgstraße

Es folgte der nördliche Teil der Burgstraße, der zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgebaut wurde. Die neue Straßengestaltung wurde später in der südlichen Burgstraße fortgesetzt. Dieser Bereich ist vor der Sommerpause fertig geworden. Ebenfalls 2025 wurden der Schafrain, die östliche Maiergasse und die Backhausgasse fertiggebaut. Dabei wurden auch neue Leitungen für Wasser, Gas, Strom und die Nahwärmeleitung für die Energiescheuer in der „HiMi“ verlegt. Zukünftig kann Geothermie zur Versorgung der umliegenden Gebäude genutzt werden.

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Offen ist momentan noch, wie es auf dem Markplatz, im zukünftigen Stadtpark und in der westlichen Bernhäuser Straße genau weitergeht. Derzeit machen sich Planungsbüros Gedanken, wie dieser Bereich einmal aussehen könnte. Ein Preisgericht soll im kommenden Frühjahr einen Siegerentwurf küren. „Ich bin gespannt“, sagt Egner. Für die Planung in dem beschriebenen Bereich sind einige knifflige Fragen zu lösen. Wie wird beispielsweise mit der sogenannten Pfarrwette umgegangen? Kann das Gewässer vielleicht zum Marktplatz hin geöffnet werden? „Sie steht unter Denkmalschutz“, betont die Amtsleiterin. Hinzu kommt, dass die Frage nach der Zukunft des Rathauses in Echterdingen bisher unbeantwortet ist. Wird das neue Rathaus in Leinfelden angesichts klammer Kassen auf unbestimmte Zeit doch nicht gebaut? Falls doch, bleibt das Gebäude in Echterdingen und kann umgenutzt werden, beispielsweise zu einem Ärztehaus?

Auch in den kommenden Jahren wird in Echterdingen viel gebaut werden. (Symbolfoto)

Foto: dpa

Eine weitere besondere Herausforderung ist der westliche Abschnitt der Bernhäuser Straße. „Mit dem Verkehr muss man anders umgehen“, findet Bommer. Derzeit habe dieser Bereich wenig Aufenthaltsqualität. Hinzu kämen die vielen Autos, die vormittags vom Lieferverkehr behindert würden. Den Bereich zu einer Fußgängerzone zu machen, sei aber kaum möglich, ergänzt Egner. Hintergrund sei, dass die Feuerwehrleute bei einer Alarmierung über die Bernhäuser und Christophstraße zur Feuerwache anrücken müssten.

Herausforderung Verkehr

Ebenfalls spannend ist die Frage, ob es mit der Umsetzung des Sanierungsgebiets überhaupt zügig weitergeht. Vor der Sommerpause wurde die Vergabe von Planungsleistungen überraschend von der Tagesordnung des Gemeinderates genommen. Zuvor hatten sich Stadträte verschiedener Fraktionen im Technischen Ausschuss angesichts der schwierigen Haushaltslage kritisch zu einem Umbau des Bahnhofes geäußert. Neben dem Bahnhof selbst sollten auch die Hauptstraße (von der Kreuzung mit der Gartenstraße bis zum Bahnhof), die Filderbahnstraße, die Gartenstraße, Teile der Plieninger Straße sowie Im Gässle, Maier- und Bäckergasse geplant werden.

Wie die sanierten Bereiche einmal aussehen können, kann beispielsweise in der Burgstraße, im Schafrain, der Backhausgasse und in der östlichen Maiergasse beobachtet werden. An der Einmündung zum Schafrain laden Bänke zum Verweilen ein, insbesondere wenn der vorgesehene Baum einmal gepflanzt ist. Nur wenige Meter weiter wurde ein weiteres Schmankerl gebaut: Entlang der Kirchmaier gibt es jetzt ein neues Pflanzenbeet mit Illumination, das vor allem im Frühling und Sommer ein echter Hingucker ist.

Historische Mitte Echterdingen

Historie
Im Jahr 2018 wurde die „Historische Mitte Echterdingen“ (HiMi) vom Gemeinderat als Sanierungsgebiet festgesetzt. Im Laufe der kommenden Jahre soll das Gebiet in diesem Zuge durch umfangreiche städtebauliche Maßnahmen als Ortskern Echterdingens erneuert werden.

Gebäude
Die Stadt besitzt bekanntermaßen wenig historische Bausubstanz. Im Echterdinger Ortskern rund um den Marktplatz sind allerdings noch einige geschichtlich wertvolle Gebäude zu finden: die Stephanuskirche, das Pfarrhaus, das historische Rathaus, das ehemalige Schulhaus und das Backhaus beispielsweise.

Material Für die bisherigen Arbeiten an den Bodenoberflächen wurden neben Asphalt auch immer wieder optisch ansprechende Steine verwendet. Wo es möglich war, wurde der bisherige Bodenbelag aus ökologischen Gründen recycelt, also zerkleinert und in die neuen Betonsteine eingemischt. Darüber hinaus wurde an einigen Stellen französischer Granit verlegt.