Das Margeritenhaus in Nürtingen ist insolvent
: Warum die Mütter-WG wieder schließen musste

Der Traum von einer ambulanten Hilfseinrichtung für Schwangere und Mütter in Nürtingen ist jäh geplatzt. Das Margeritenhaus in Nürtingen musste nach nur wenigen Monaten Insolvenz anmelden.
Von
Caroline Holowiecki
Esslingen
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Die Nürtinger Anlaufstelle für überlastete Mütter ist insolvent.

Caroline Holowiecki

Es hätte ein Leuchtturmprojekt werden sollen, ein Rückzugsort, an dem Schwangere und junge Mütter Hilfen erhalten, wenn sie psychisch oder gesundheitlich belastet sind – sei es durch Überforderung, durch eine Trennung, durch Lebenskrisen oder schwierige Familienverhältnisse. Nun aber hat das Margeritenhaus in Nürtingen überraschend wieder geschlossen – nach nicht einmal einem Jahr. Die Gründer, ein junges Ehepaar aus Stuttgart, mussten Insolvenz anmelden.

Ende November musste die Reißleine gezogen werden

Bereits Ende November musste die Reißleine gezogen werden. Die großzügige 60er-Jahre-Villa auf dem riesengroßen naturnahen Grundstück an der Neckarstraße steht wieder leer. In der ambulanten Hilfseinrichtung standen acht Plätze für Frauen bereit, die Unterstützung benötigen für sich und ihre kleine Familie. Die Idee: Den Frauen sollte bei der Wohnungssuche unter die Arme gegriffen werden, bei Bewerbungen, beim Erstellen von Haushaltsplänen oder bei Gesprächen mit dem Partner. „Es ist eine Art Mütter-WG, die von Sozialpädagogen unterstützt wird“, sagte Constanze Ruthardt, die das Haus gemeinsam mit ihrem Ehemann angemietet hatte, Mitte 2024 im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwei Mitarbeiterinnen wurden hierzu eingestellt.

Den Traum vom Future-up Margeritenhaus mussten die Gründer nun aber wieder begraben. Constanze Ruthardt berichtet von Startschwierigkeiten, vor allem finanzieller Art. „Wir hätten eine Finanzierung gebraucht für die ersten Monate, bis wir voll sind und es sich trägt“, sagt sie. Die Konzeption war so gewesen, dass die Bewohnerinnen für ihre WG-Zimmer eine Miete zahlen – entweder aus eigener Tasche oder über das Jobcenter, wenn Anspruch auf Sozialleistungen besteht –, ansonsten hätte sich das Margeritenhaus über Zuschüsse des Jugendamts und Spenden finanzieren sollen. Banken hätten aber eine Anschubfinanzierung abgelehnt. „In Deutschland gibt es leider wenig für gemeinnützige Unternehmen“, sagt sie.

Die Homepage ist deaktiviert

Constanze Ruthardt, selbst Erzieherin, hat mittlerweile eine neue Arbeitsstelle gefunden. Dennoch: Dass sie ihren Traum von der sicheren Anlaufstelle in Krisensituationen begraben musste, bezeichnet sie als sehr schwierig und emotional. „Wir haben viel Geld und Zeit reingesteckt“, sagt sie.

Beratungsstellen und Ämter seien mittlerweile informiert, dass das Margeritenhaus nicht mehr existiert, die Homepage ist deaktiviert. Zuletzt hätten eine alleinerziehende Mutter und ein alleinerziehender Vater in der Villa gelebt. Beide seien anderweitig untergekommen.