Start der Hermann-Hesse-Bahn
: Nach fast 40 Jahren rollen zwischen Weil der Stadt und Calw jetzt wieder Züge

Langes Warten, hohe Kosten – doch jetzt ist es vollbracht: Die Hermann-Hesse-Bahn hat am Samstag ihre Jungfernfahrt unternommen. Der reguläre Betrieb startete am Sonntag.
Von
Ulrike Otto
Stuttgart
  • Die Hermann-Hesse-Bahn rollt: Mit einer Jungfernfahrt von Calw nach Weil der Stadt und einem Bahnhofsfest ging es am Samstag los.

    Simon Granville
  • Gefeiert wurde der Start der Hermann-Hesse-Bahn mit einer Jungfernfahrt mit geladenen Gästen und Bahnhofsfesten entlang der Strecke: Mit dabei das Maskottchen der SWEG, die die Strecke bedienen wird.

    Simon Granville
  • Feuerwerk-Fontänen und Konfetti empfangen den Zug an jedem Bahnsteig.

    Simon Granville
  • Sie ist endlich da: die Hermann-Hesse-Bahn.

    Simon Granville
  • Der Calwer Landrat Helmut Riegger (Mitte) überreicht den Bürgermeistern Christian Walter (Weil der Stadt) und Melanie Hettmer (Renningen, Zweite von rechts) Hesse-Bahn-Schilder für ihre Städte.

    Simon Granville
  • Der Streckenplan der Hesse-Bahn mit Bus- und S-Bahn-Anschlüssen

    Ulrike Otto
  • Obwohl in Weil der Stadt kein großes Fest für die Öffentlichkeit geplant war, sind trotzdem viele Menschen zur Ankunft der Hesse-Bahn gekommen.

    Simon Granville
  • Auf der Strecke der Hermann-Hesse-Bahn fahren drei batterieelektrische Züge des Typs Siemens Mireo Plus B.

    Simon Granville
  • Im Bahnhof von Weil der Stadt und später auf der Strecke zwischen Weil und Renningen laden die Züge die Batterie auf.

    Simon Granville
  • Die Hesse-Bahn darf zunächst nur mit Tempo 30 durch die Tunnel fahren. Deshalb ist bis April nur eine Fahrt pro Stunde je Richtung zwischen Calw und Weil der Stadt möglich.

    Ulrike Otto
  • Aktueller Fahrplan ab Weil der Stadt. Ab Mitte April sind die Züge zwischen 5 und 21 Uhr zweimal pro Stunde unterwegs, außerdem bis Mitternacht. Am Wochenende bleibt es vorerst bei einem Zug pro Stunde.

    Ulrike Otto
  • Bei der Jungfernfahrt der Hesse-Bahn waren nur geladene Gäste dabei, darunter der Böblinger Landrat Roland Bernhard, Renningens Bürgermeisterin Melanie Hettmer und Weil der Stadts Bürgermeister Christian Walter, hier mit dem Calwer Landrat Riegger (von links).

    Ulrike Otto
  • Seit 1. Februar ist der Landkreis Calw teilintegriert in den VVS. Das heißt, mit dem VVS-Ticket können Fahrgäste bis in Zone 6 nach Calw fahren und dort auch die dortigen Busse nutzen. Umgekehrt gilt das VVS-Ticket aber nur ab Calw ins VVS-Gebiet.

    Ulrike Otto
  • Mit sieben Jahren Verspätung fährt die Hesse-Bahn jetzt ab Calw bis (vorerst) Weil der Stadt. Ab Juni sollen die Züge bis Renningen fahren.

    Simon Granville
  • Das Bahnprojekt wird aktuell mit 240 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt.

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  • An allen Bahnhöfen gibt es Ticketautomaten.

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  • In Ostelsheim gibt es einen Doppelbahnsteig. Hier sollen sich die Züge der Hesse-Bahn auf der sonst eingleisigen Strecke begegnen können.

    Ulrike Otto
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Nach fast 40 Jahren Pause rollen künftig zwischen Weil der Stadt (Kreis Böblingen) und Calw im Schwarzwald wieder regelmäßig die Züge. Die Jungfernfahrt der Hermann-Hesse-Bahn ist am Samstag ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen, der reguläre Betrieb startete am Sonntagmorgen.

Kurz vor 11 Uhr rollte am Samstag der erste batterieelektrische Zug mit geladenen Gästen aus dem Calwer Bahnhof und machte sich auf die rund dreistündige Rundfahrt. An den Bahnhöfen Calw-Heumaden, Althengstett, Ostelsheim und Weil der Stadt wurde die Ankunft der Hesse-Bahn gefeiert. In Calw gab es zudem ein Bahnhofsfest für die Öffentlichkeit.

Hermann-Hesse-Bahn fährt zwischen Calw und Weil der Stadt

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der anstelle des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (beide Grüne) gekommen war, war von Beginn an ein Befürworter des Bahn-Reaktivierungsprojekts. „Deutschland ist ein Land der Bedenkenträger. Die Hermann-Hesse-Bahn dagegen ist ein Leuchtturmprojekt, wie man Bedenken überwinden kann“, sagte Hermann am Bahnhof in Weil der Stadt, wo die Hesse-Bahn vorerst endet und es Anschluss an das Stuttgarter S-Bahn-Netz gibt.

Melanie Hettmer und Christian Walter, die Bürgermeister von Renningen und Weil der Stadt, erhalten die Hesse-Bahn-Schilder für ihre Städte von Verkehrsminister Winfried Hermann und den Landräten Helmut Riegger und Roland Bernhard (von rechts).

Foto: Ulrike Otto

Voraussichtlich ab Mitte Juni fahren die Züge dann bis nach Renningen (Kreis Böblingen), wo ein direkter Anschluss der Linie S60 nach Sindelfingen und Böblingen besteht.

Die Hermann-Hesse-Bahn nimmt ihren Betrieb mit rund sieben Jahren Verspätung auf. 2015 wurde die Realisierung des Bahnkonzeptes beschlossen, eine Fertigstellung bis 2019 prognostiziert. Doch Klagen, unter anderem des Naturschutzbundes Nabu, sowie langwierige Genehmigungsverfahren verzögerten das Projekt. Auch die Kosten stiegen in dieser Zeit rasant. Sie belaufen sich mittlerweile auf 240 Millionen Euro.

Chronologie der Reaktivierung der Hesse-Bahn:

  • 1988 fuhren die letzten Güterzüge zwischen Calw und Weil der Stadt, 1989 wurde die Strecke offiziell stillgelegt.
  • 1994 kaufte der Kreis Calw die Strecke.
  • Seit 2001 wurde eine Reaktivierung angedacht, erst 2015 fiel die Entscheidung dafür.
  • Seit 2018 wurde gebaut.
  • Die Gesamtkosten kletterten seitdem kontinuierlich und wurden schlussendlich auf 240 Millionen Euro beziffert.
  • Der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU), der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, feierte den Start am Samstag ausgiebig. „Der Landkreis Calw ist nun angeschlossen an die Metropol- und Wirtschaftsregion Stuttgart. Die Zukunft beginnt jetzt neu“, sagte Riegger. Die Menschen in seinem Landkreis hätten es verdient, Zugang zu moderner Mobilität zu haben.

    Ins gleiche Horn stieß auch der Verkehrsminister. „Wir bauen hier ja kein altes Zeug“, sagte Hermann mit Blick auf den ursprünglichen Plan, auf der nicht-elektrifizierten Strecke Dieselloks fahren zu lassen. „Damals“, also als das Vorhaben 2015 konkret wurde, „wussten wir zwar, dass es batteriebetriebene Züge gibt, aber die waren noch nirgendwo im Regelbetrieb im Einsatz.“

    Schnellere Verbindung für Pendler und Touristen von Stuttgart in den nördlichen Schwarzwald

    Die drei Triebwagen des Typs Mireo Plus B, die jetzt auf der Strecke der Hesse-Bahn unterwegs sein werden, sind bereits in den vergangenen zweieinhalb Jahren in der Ortenau gefahren.

    Der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn rechnet mit 3000 Fahrgästen täglich, vor allem Pendler, die aus dem Raum Calw in die Region Stuttgart fahren und bislang auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig bietet die neue Zugverbindung den Menschen aus dem Raum Stuttgart die Möglichkeit, mit nur einmal Umsteigen in den Nordschwarzwald zu gelangen. Der Kreis Calw ist mit Wirkung zum 1. Februar deshalb auch teilintegriert in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS).

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