Humor im Kreis Böblingen
: Was will uns dieser Wagen sagen?

Schrottauto am Rande von Grafenau: Kann das weg oder ist das etwa Kunst? Ein Beitrag aus den „Bonbons“, der wöchentlichen Humorkolumne dieser Zeitung.
Von
Eddie Langner
Grafenau
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Ist das Kunst oder kann das weg?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Eddie Langner
  • Am Ortsende von Döffingen steht seit dem 10. September ein ramponierter Golf ohne Kennzeichen.
  • Ein Leser meldete das Auto dem Böblinger Landratsamt, die Polizei kontaktierte den Eigentümer.
  • Der Wagen bleibt stehen, was lokal als Kunst im öffentlichen Raum gedeutet wird.
  • Hinter der Windschutzscheibe stecken Visitenkarten mit Kaufanfragen von Interessierten.
  • Vorschläge für einen Titel reichen von „Lost in Grafenau“ bis „Golf von Mexiko“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die besten Kunstwerke sind die, bei denen wir nicht wegschauen können, die uns betroffen machen, die ein Gefühl in uns auslösen – und sei es auch nur das Gefühl, dass uns jemand gewaltig verhohnepipeln will. In dieser Hinsicht ist die mutmaßliche Kunstinstallation am Ortsende von Döffingen in der Tat sehr gelungen.

Die Rede ist von einem dort in einer Parkbucht abgestellten Golf, den offenbar niemand mitnehmen will, der dafür aber schon ziemlich mitgenommen aussieht. Laut einem aufmerksamen Leser steht das ramponierte und vandaliserte Auto schon seit dem 10. September dort. Kurz darauf habe er es dem Böblinger Landratsamt gemeldet. Anfangs habe der Wagen noch ganz intakt dagestanden. „Das Fahrzeug ist nicht verunfallt, sondern wurde dort bewusst so ohne Kennzeichen abgestellt“, sagt der Leser aus Weil der Stadt. Die Polizei weiß Bescheid und hat den Eigentümer nach Auskunft einer Sprecherin auch schon kontaktiert.

Das soll nicht weg, das ist Kunst!

Dass die vermeintliche Schrottkarre nach einem Monat aber noch immer dort steht, deutet man in der lokalen Kulturszene als unmissverständlichen Fingerzeig: Das hier soll nicht weg, das ist Kunst im öffentlichen Raum!

Kunstliebhaber bekunden ihre Kaufabsichten mit hinter den Scheibenwischer geklemmten Visistenkarten.

Kunstliebhaber bekunden ihre Kaufabsichten mit hinter den Scheibenwischer geklemmten Visistenkarten.

Eddie Langner

Was andere für einen Fall für die Schrottpresse halten, ist vielleicht in Wahrheit das postmoderne Statement eines namenlosen Künstlers: ein wortloser und doch eloquenter Kommentar auf unsere Konsumgesellschaft, auf den Niedergang Deutschlands als Industriestandort … oder auch auf die Abschaffung von CD-Spielern in Autoradios.

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Wie man an den Zerstörungen ablesen kann, bietet das obskure Objekt in jedem Fall reichlich Inspiration für einen interaktiven Diskurs. Aktionskunst trifft Zerstörungswut, deutsche Wertarbeit trifft Banksys Schredderbild – die Fachwelt ist begeistert. Das belegen auch die vielen Visitenkarten mit Kaufanfragen, die offenbar einige Kunstliebhaber hinter den Scheibenwischer geklemmt haben.

Fehlt nur noch ein Name für das bisher titellose Werk. Wie wäre es zum Beispiel mit „Lost in Grafenau“? Oder wenn’s ein wenig mehr nach digitaler Subkultur klingen darf: „V wie Vergänglichkeit, W wie WtF?!!“ Als industrie- und weltpolitisches Statement passt in Anbetracht aktueller Schlagzeilen („VW verlagert Produktion nach Puebla“) aber eigentlich nur ein Name: „Golf von Mexiko“.