Großeinsatz in Böblingen
: Kriminelles Netzwerk handelt mit illegal beschafften Kulturgütern

Ein international agierender Täterkreis verkaufte offenbar gezielt illegal erlangte Kulturgüter. Die wertvollen Gegenstände landeten unter anderem auch in Böblingen.
Von
Melissa Schaich
Stuttgart
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Ein Großaufgebot der Polizei war am Mittwoch in Böblingen unterwegs.

SDMG

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt-Baden-Württemberg führen ein umfangreiches Ermittlungsverfahren im Bereich der mutmaßlich organisierten Kulturgutkriminalität. Auch in Böblingen in der Poststraße wurden am Mittwoch, 22. April, Geschäftsräume durchsucht, in denen die Ermittler illegal beschaffte Kulturgüter fanden – darunter auch historische Schusswaffen.

Da die Ermittler vorsichtig vorgehen müssen, weil nicht klar ist, ob die Schusswaffen noch gefährlich sind, dauert die Durchsuchung der Räume derzeit noch an, bestätigt das Landeskriminalamt. Wie lange die Einsatzkräfte noch vor Ort sind, sei noch nicht abzusehen. Am 22. April erfolgten Einsätze in mehreren Bundesländern sowie Österreich. Die Beschuldigten stehen laut einer Pressemitteilung des Landeskriminalamts im Verdacht, insbesondere gegen das Kulturgutschutzgesetz verstoßen zu haben. Dieses verbietet das Inverkehrbringen und den Handel von Kulturgut, wenn dieses ohne behördliche Genehmigung geborgen oder unrechtmäßig erlangt wurde.

Noch dauert der Einsatz der Polizei an.

Foto: SDMG

Laut dem Landeskriminalamt besteht der Tatverdacht, dass ein international agierendes kriminelles Netzwerk über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch archäologische Kulturgüter illegal geborgen und gewerbsmäßig in den Handel eingebracht hat – offenbar auch in Böblingen.

Durchsucht wurden Wohn- und Geschäftsräume. Dabei wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes umfangreiche Beweismittel sichergestellt. Unter anderem fanden die Ermittlerinnen und Ermittler eine Vielzahl archäologischer Gegenstände – darunter auch die historischen Schusswaffen, die in der Böblinger Poststraße entdeckt wurden.

Auf die Spur der Täter kam die Polizei im Juni 2025

Auf die Spur der Täter, die arbeitsteilig und in wechselnden Gruppierungen agiert haben sollen, um die Kultur- und Kunstschätze illegal zu beschaffen und zu verkaufen, sollen die Ermittler des Landeskriminalamts Baden-Württemberg im Juni 2025 gekommen sein. Bei zwei Tatverdächtigen wurde damals eine Vielzahl archäologischer Objekte sichergestellt, darunter befanden sich nach einer ersten Einschätzung auch bedeutsame Kulturschätze.

Nach bisherigem Ermittlungsstand sollen die Täter gezielt archäologisch bedeutsame Fundorte in Deutschland, Österreich und Spanien aufgesucht haben, um dort mit Metalldetektoren und teilweise auch durch Unterwassererkundungen Kulturgüter illegal zu bergen. Diese Objekte sollen anschließend über längere Zeiträume hinweg gewerbsmäßig veräußert worden sein.

Die Durchsuchungen fanden in mehreren Bundesländern statt

Unter Koordination des Landeskriminalamts Baden-Württemberg wurden insgesamt 19 Objekte im Bundesgebiet und in Österreich durchsucht. Die Maßnahmen erstreckten sich auf Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz, sowie Niederösterreich. Laut Landeskriminalamt erfolgten diese in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung einer Vielzahl nationaler und internationaler Fachinstitutionen, darunter das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, das Württembergische Landesmuseum, die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Bundeskriminalamt, mehrere Landeskriminalämter sowie Polizeibehörden aus Österreich.

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