Filderstadt: Opfer jagt Bankräuber

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Stuttgarter NachrichtenFilderstadt - Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Normalbürger eine Bankraub-Serie aufklärt. Wie ein 53-Jähriger einen Bankräuber auffliegen ließ, ist nicht für jedermann zur Nachahmung empfohlen - aber ein schöner Fall von Zivilcourage.
In der Regel betreibt Ronald Bader seine Bankgeschäfte übers Internet. Ab und zu aber geht der 53-jährige Geschäftsführer des Fitness-Centrums in Bonlanden auch persönlich zur Bank. So wie am Montag um 14.15 Uhr, als der Stammkunde Bargeld einzahlen und mit einem Mitarbeiter plaudern will, der wie er Motorradfan ist. Als er um 14.15 Uhr die Filiale an der Bonländer Hauptstraße wieder verlassen will, ist es vorbei mit dem beschaulichen Frühsommertag. An der Tür begegnet Ronald Bader einem maskierten Bankräuber, der ihm eine Schusswaffe an den Kopf hält.
Der 53-Jährige wird gezwungen, in die Bank zurückzugehen, das erpresste Bargeld auf dem Tresen in die Tasche des Täters zu packen. "Er war so auffallend ruhig", sagt Bader, "wie einer, der alles unter Kontrolle hat, der so was nicht zum ersten Mal macht." Das Opfer bleibt ruhig: "Ich dachte nicht, dass es zu einem Eklat kommt."
Vielleicht ist das auch der Grund, warum Bader so reagiert, wie er reagiert, als der Täter mit der Beute die Bank verlässt. Bader verfolgt ihn. Als Geschäftsführer eines Fitnessstudios, das er seit 15 Jahren betreibt, hat er oft erlebt, "dass man mit Situationen konfrontiert wird, die man nüchtern lösen muss", sagt der 53-Jährige. Ein Sportunfall etwa, bei dem ein Opfer mit einer mutmaßlich schweren Wirbelsäulenverletzung daliegt. Oder ein Streit unter Muskelmännern, der nicht eskalieren soll.
Dazu muss man wissen, dass Bader keine Erscheinung ist, die man leicht einschüchtern könnte. Der Mann ist groß gewachsen und durchtrainiert. Und denkt nüchtern: "Ich muss mich tarnen." Bader öffnet seine Haare, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Entledigt sich seines dunklen Sakkos, krempelt die Ärmel hoch. Das reicht. Der Täter, 20 Meter voraus, erkennt ihn nicht mehr, als Bader ihn mit Abstand verfolgt. Als der Räuber nach 500 Metern in die Tiefgarage eines Supermarkts an der Metzinger Straße läuft, erkennt der 53-Jährige: Er wird dort mit einem Auto verschwinden. Das Kennzeichen. Das Kennzeichen!
Bader sagt, dass er nie Fernsehkrimis schaut. Und handelt doch wie nach TV-Drehbuch. Er nimmt eine Ein-Euro-Münze und holt einen Einkaufswagen. Damit will er die ausfahrenden Autos ausbremsen, um den Täter besser erkennen zu können. "Das Gesicht hatte ich mir eingeprägt", sagt Bader. Gesichter merken, das gehört zum Beruf. "Ich habe Tausende Kunden, ich könnte sie mit Namen ansprechen", sagt er.
Vor der Tiefgarage spricht er ein Ehepaar an, das mit einem Auto einfahren will. Bader merkt, dass er doch nervös ist. Er erzählt den beiden vom Bankraub, bittet die beiden, ihm beim Notieren des Kennzeichens zu helfen, er sei zu aufgeregt dazu. "Sie waren überrascht, haben mir aber Gott sei Dank geglaubt", sagt Bader.
Dann kommt der Räuber. In einem schwarzen, polierten Auto, das "eindeutig sein eigenes ist". Die Frau notiert das Reutlinger Kennzeichen auf einen Einkaufszettel. Der Täter merkt nichts davon. "Diesen Einkaufszettel müssen Sie kurz entbehren", sagt Bader und läuft zur Bank zurück. Das Ehepaar folgt später, um sicherzugehen, nicht Opfer einer versteckten Kamera geworden zu sein. Wie viele Minuten vergangen sind, weiß Bader nicht. Nur so viel: "Als ich zurückkam, war noch immer keine Polizei am Tatort."
Doch dank des notierten Kennzeichens ist der Fahndungserfolg nur eine Frage der Zeit. Der Täter, ein 40-jähriger Familienvater, arbeitsloser Großhandelskaufmann, kroatischer Staatsbürger aus Reutlingen, wird um 15.30 Uhr in Tübingen gefasst. Er gibt weitere Überfälle zu: Am 14. April die BW-Bank in Bonlanden, am 16. April 2009 die Sparda-Bank in Tübingen.
Die Polizei sagt, Ronald Bader habe "gehandelt wie ein geschulter Polizist". Aber Bader weiß auch: Alleingänge wie den seinen "darf man keinem empfehlen".