Fahrwerksprobleme
: Bruchlandung legt Flughafen lahm

Nach der Notlandung einer zweimotorigen Propeller-Frachtmaschine ist der Stuttgarter Flughafen am Dienstagabend für Stunden lahmgelegt worden.
Von
Wolf-Dieter Obst
Stuttgart
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Stuttgarter Nachrichten

Von 17.55 Uhr an gibt es nur noch Nebel, Kälte, Blaulicht - aber keinen Flugverkehr mehr auf den Fildern. Nach der Bruchlandung eines zweimotorigen Frachtflugzeugs ist der Flughafen für mehrere Stunden blockiert. Die Maschine hatte Probleme mit dem Hauptfahrwerk, nun liegt sie etwa abseits der Start-und-Landebahn. Die beiden Besatzungsmitglieder, so heißt es schnell, sind unverletzt geblieben.

Bei der Maschine handelt es sich um ein Turbopropflugzeug des Münchner Cargo-Unternehmens Binair. Der 54-jährige Pilot und seine 48-jährige Ehefrau waren im tschechischen Brünn gestartet und auf dem Weg nach Stuttgart. Beim Landeanflug registrierte die Crew plötzlich Schwierigkeiten mit dem Fahrwerk, das sich offensichtlich nicht richtig ausfahren ließ. Und es war kein Fehlanzeige eines defekten Lämpchens im Cockpit.

Um 17.36 Uhr wurde am Flughafen Alarm für die Feuerwehren ausgelöst. Dann setzte die Maschine von der Weidacher Höhe kommend zur Landung an. Beim Aufsetzen wurde klar, dass es am Fahrwerk tatsächlich einen Defekt gab. Nach ersten Mitteilungen versagte eines der beiden Hauptfahrwerke - und die Maschine geriet von der Piste ab.

Bei dem Flugzeugtyp handelt es sich um eine Fairchild Metroliner, eine kleine Maschine, die mit ihren 18,1 Meter Länge und 17,3 Meter Spannweite nur leidlich für Passagierflüge geeignet ist. Sie wird vorwiegend im Frachtverkehr eingesetzt. Maximale Reisegeschwindigkeit 537 km/h, 1000 Kilometer Reichweite. Warum das Fahrwerk seinen Dienst versagte, müssen nun die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung herausfinden.

Aufregung um Fahrwerksprobleme hatte es zuletzt im September 2009 gegeben, als bei einem Fokker-Passagierflugzeug das Hauptfahrwerk komplett versagte. Die Maschine der Contact Air aus Berlin mit 73 Passagieren musste auf dem Rumpf aufsetzen. Der Fall sorgte bundesweit für Furore, weil der damalige SPD-Chef Franz Müntefering unter den Fluggästen war. Experten entdeckten kleine Bruchstücke eines Ventils in der Fahrwerks-Hydraulik als Ursache. Die waren über Jahre unbemerkt im Hydrauliksystem geschwommen.

Die Bruchlandung am Dienstagabend endete glimpflich - für den Flugverkehr von und nach Stuttgart hatte dies dennoch schwerwiegende Folgen. Flüge mussten umgeleitet werden, hatten Verspätung oder wurden gleich annulliert. So wurden am späten Abend die Starts und Landungen für Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Zürich gestrichen. Passagiermaschinen aus Paris, Mailand und Bremen wurden annulliert. Gegen 20 Uhr begann die Feuerwehr damit, die havarierte Maschine zu bergen. Eine Sperrung bis Mitternacht zeichnete sich ab. Um noch den Rest der Flugverbindungen abwickeln zu können, verlängerte das Regierungspräsidium die Nachtflugbeschränkung. Damit durfte noch bis 1 Uhr gelandet werden.

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