Bizarrer Titelstreit in Adelshaus
: Fürstenhaus: Harald von Hohenzollern war kein richtiger Prinz

Das Sigmaringer Geschlecht geht auf Distanz zum überraschend verstorbenen Ehemann der Ersten Bürgermeisterin von Leonberg. Die hält den Titel „nach Recht und Gesetz“ für korrekt.
Von
Thomas Slotwinski
Stuttgart
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Vor knapp zwei Wochen erlag Harald von Hohenzollern einem plötzlichen Herztod. Seine Witwe Josefa hält an ihrer OB-Kandidatur in Leonberg fest.

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Bei Josefa von Hohenzollern-Emden überschlagen sich die Ereignisse: Musste die zwangsbeurlaubte Erste Bürgermeisterin von Leonberg vor knapp zwei Wochen den plötzlichen Tod ihres Gatten Harald verkraften, von dem sie in wenigen Tagen ein Kind erwartet, so sieht sie sich jetzt einer Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Adelstitels ihres Mannes ausgesetzt, die letztlich auch sie selbst betrifft.

„Das Fürstliche Haus Hohenzollern in Sigmaringen gibt bekannt, dass es sich bei dem kürzlich verstorbenen Prinz von Hohenzollern-Emden um kein Mitglied unser Familie handelt“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung. Der nur 63 Jahre alt gewordene Diamantenhändler sei „uns nicht persönlich bekannt, ist nicht mit uns verwandt und stammt auch nicht von unserer Familie ab.“

Verstorbener in Adelsgeschlecht eingeheiratet

Tatsächlich, das bestätigt auch Josefa von Hohenzollern auf Anfrage unserer Zeitung, habe ihr verstorbener Mann in das Adelsgeschlecht eingeheiratet. „Er entstammte ursprünglich einer renommierten Schmuckdynastie, Hans D. Krieger Fine Jewellery, die in ihrer Historie unter anderem Königshäuser weltweit beliefert hat“, sagt die Witwe. „Auf diese Herkunft hat er stets großen Wert gelegt und sie auch öffentlich betont.“ Dadurch sei auch der Kontakt zum Hause Hohenzollern entstanden.

Den Hintergrund der Emden-Linie erläutert das Fürstenhaus so: „Franz Joseph von Hohenzollern war der Zwillingsbruder des früheren Fürsten Friedrich Viktor (1891 bis 1965). Als Mitglied der kaiserlichen Marine erhielt er das Recht, den vererblichen Namenszusatz Emden zu tragen. Sein Enkel Carl Alexander Prinz von Hohenzollern-Emden heiratete 1991 die 30 Jahre ältere Angela Stölzle, die daraufhin den Namen Prinzessin von Hohenzollern trug. 1997 wurde die Ehe geschieden“, berichtet das Haus von Hohenzollern.

Angela Prinzessin von Hohenzollern, geborene Stölzle, heiratete später Tom Harald Krieger, einen in München geborenen Diamantenhändler, der in Namibia lebte und mit der Eheschließung ihren Nachnamen annahm. Dies änderte sich auch nicht, als seine Ehefrau verstarb. Nach der Heirat mit der Ersten Bürgermeisterin von Leonberg, Josefa Schmid, übernahm diese den Namen ihres Mannes.

Sohn wird im Juli erwartet

Für Josefa von Hohenzollern-Emden ist der Fall klar: „Mein verstorbener Ehemann, Harald Prinz von Hohenzollern-Emden, war nach Recht und Gesetz ein ordnungsgemäßer adeliger Prinz.“ Beide hätten sich schon einige Jahre gekannt, „bevor sich daraus im Laufe der Zeit eine tiefere Beziehung entwickelte. Im vergangenen Jahr haben wir geheiratet und eine gemeinsame Familie geplant. Unser Sohn Leopold wird im Juli zur Welt kommen.“

Ein Bild aus besseren Tagen.

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Von laut Medienberichten möglichen Adoptionen gegen Geldzahlungen in dem Adelshaus distanziere sie sich „ausdrücklich“. Gleichwohl gebe es nach ihrem Kenntnisstand juristische Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern des Stammhauses und einigen des „Emden-Flügels“. Josefa von Hohenzollern betonte gegenüber unserer Zeitung, dass sie mit all dem nichts tun habe. Sie sei aber in Kontakt mit Mitgliedern des Adelshauses.

Die 51-Jährige kandidiert für das OB-Amt in Leonberg. Seit zwei Jahren ist sie vom amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) wegen, wie er sagt, „gravierender Verletzungen der Dienstpflichten“ mit einem Arbeitsverbot belegt. Die stellvertretende Oberbürgermeisterin darf das Rathaus in Leonberg nicht betreten. Daher sei auch keine standesamtliche Trauung in Leonberg möglich gewesen, hatte sie im vergangenen Herbst unserer Zeitung gesagt. Die Überprüfung des Verfahrens durch die Kommunalaufsicht beim Stuttgarter Regierungspräsidium dauert seither an.

Nach dem plötzlich Tod ihres Mannes nahm Josefa von Hohenzollern-Emden eine Auszeit. In absehbarer Zeit wolle sie aber wieder in den Wahlkampf einsteigen. Einen Konflikt zwischen ihrer nahenden Mutterschaft und den Belastungen des OB-Amtes im Falle eines Wahlsieges sieht die FDP-Politikerin nicht: „Ich möchte zeigen, dass Familie und eine Führungsposition vereinbar sind.“