Albert-Einstein-Gymnasium: Gymnasium ist auf den Hund gekommen

Maximal acht Stunden pro Woche ist der Therapie- und Begleithund Josef im Albert-Einstein-Gymnasium im Einsatz.
Ralf ReckliesBöblingen - Als es im Klassenzimmer plötzlich laut wird, hebt der dreijährige Golden Retriever Josef seinen Kopf – er blickt vorsichtig um sich, wird zusehends unruhiger. Die Religionslehrerin, die Pfarrerin Karin Fischer, macht die Schüler der siebten Klasse am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) darauf aufmerksam, dass der Vierbeiner nicht mehr so entspannt auf dem Boden liegt wie zu Beginn der Schulstunde. Der Hinweis wirkt: Augenblicklich sinkt der Geräuschpegel im Raum, Josef senkt seinen Kopf und rollt sich auf dem Boden zufrieden zur Seite – beäugt von einer Reihe von Schülern. Sie verfolgen neugierig, wie Josef auf ihr Verhalten reagiert. Dass Josef auf einmal wieder entspannt ist, freut sie.„Das ist eine typische Situation gewesen“, erklärt Karin Fischer nach dem Religionsunterricht die Situation während der Schulstunde.
Hund reagiert sehr sensibel auf Lärm
In der ersten der zwei Religionsstunden, so erzählt Fischer, habe sie alle Mühe gehabt, für Ruhe zu sorgen. Wenn Josef aber im Unterrichtsraum sei, würden ausnahmslos alle Schüler Rücksicht auf das Wohlbefinden des Vierbeiners nehmen, der sehr sensibel auf Lärm reagiere. Und wenn der Hund durch sein Verhalten signalisiere, dass er sich wegen der zu starken Geräuschkulisse nicht wohlfühle, würden die Schüler rasch still. Diese Erfahrung hat Karin Fischer jedenfalls während der vergangenen Wochen gemacht.
Zu Beginn der zweiten Religionsstunde hat Wolfgang Henne, der Hausmeister des AEG, seinen Hund in die Klasse gebracht – mit Decke, Wassernapf und einigen Leckerli, die der Hund ab und an von den Kindern erhält. Regelmäßig nimmt der ausgebildete Therapie- und Begleithund seit diesem Schuljahr am Unterricht teil und unterstützt dadurch Karin Fischer, wenn es darum geht, die Jungen und Mädchen zu disziplinieren. Mit großem Erfolg, wie die Pfarrerin im Schuldienst sagt. Seit Josef in der Klasse „seinen Dienst tue“, gebe es weniger Störungen. Die Aufmerksamkeit der Schüler habe deutlich zugenommen.
Idee wurde von Pfarrerin im Schuldienst geboren
Karin Fischer war es auch, die vor zwei Jahren die Idee hatte, einen Hund mit in den Unterricht zu nehmen. „Wir hatten damals eine sehr unruhige, schwierige Klasse“, so Fischer, die von ähnlichen Projekten in anderen Schulen wusste. Dass Wolfgang Henne Interesse daran hatte, seinen Hund zum Therapie- und Begleithund auszubilden, sei dabei „ein sehr glücklicher Umstand“ gewesen.
„Josef hat inzwischen eine mehr als dreijährige Ausbildung“, sagt Wolfgang Henne nicht ohne Stolz. Viele Angebote, die es zur Hundeschulung gebe, habe er genutzt – zuletzt die zum Therapie- und Begleithund. Dabei habe sich gezeigt, dass Josef die denkbar besten Eigenschaften für die Aufgaben in einer Schule habe. Die Ausbildung des Vierbeiners, die mehr als 3000 Euro kostete, hat der Förderverein der Schule finanziert.
Von allen Seiten gab es bisher nur positive Resonanz
Von Anfang an, so Fischer, habe es „von allen Seiten“ nur positive Reaktionen auf den Plan gegeben. Kollegen und Eltern, aber auch die Stadt und das Regierungspräsidium hätten das Vorhaben begrüßt. Und das Ergebnis zeige, dass der Plan aufgehe, mit Josef für mehr Ruhe zu sorgen. „Ein Schüler hat mal gefragt“, berichtet Fischer, „ob es denn nicht Tierquälerei sei, wenn man den Hund so viel Lärm aussetze.“ Nachdem sie die Frage bejaht hatte, sei es in der Klasse fortan bedeutend leiser gewesen – vorausgesetzt, Josef war anwesend.
Wegen der positiven Erfahrungen, die man seither mit Josef gemacht hat, wird am Böblinger AEG derzeit überlegt, auch den Hund einer Lehrerin zum Therapiehund ausbilden zu lassen. Das Ziel sei es mittelfristig, jedem Schüler die Möglichkeit zu bieten, im Unterricht Kontakt zu einem Schulhund zu haben. Dann aber brauche man mehr vierbeinige Helfer. Schließlich dürfen sie pro Woche nur maximal acht Stunden in den Schulen eingesetzt werden.