Yvonne Catterfeld: "Wir wollten keinen Eventfilm"
Stuttgart - In der Sat1-Produktion "Die Frau des Schläfers" reist Yvonne Catterfeld in den Sudan, um ihren entführten Sohn zu finden. Dort findet sie heraus, dass ihr Mann einen Terroranschlag plant. Im Interview spricht die Schauspielerin über ihr Bild vom Islam und ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit.
Frau Catterfeld, wissen Sie noch, was Sie am 11. September 2001 gemacht haben?
Allerdings. Ich drehte gerade für die Serie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten". Jemand hat mich in einer Drehpause in unseren Aufenthaltsraum geholt. Da haben wir uns alle zusammen die Fernsehbilder von den Anschlägen auf das World Trade Center angeguckt. Das war schon beängstigend und grauenvoll. Wir brauchten dann erst mal eine Pause und haben später am Tag weitergedreht.
Hätten Sie damals gedacht, dass Sie mal die Hauptrolle in einem Film mitspielen, der die Probleme Fundamentalismus und Terror aufgreift ?
Bestimmt nicht. Damals war ich ja noch auf einem ganz anderen Stand meiner Karriere.
Haben Sie bei den Dreharbeiten zu "Die Frau des Schläfers" an diesen Tag zurück gedacht?
Nein, aber als kürzlich die Paketbombe im Kanzleramt gefunden wurde, ist mir noch mal bewusst geworden, wie aktuell der Film gerade ist - auch wenn darin kein riesengroßer Anschlag im Mittelpunkt steht. Wir wollten keinen Eventfilm aus dem Thema machen, sondern eine interreligiöse Ehe schildern und eine fremde Kultur vorstellen und die Probleme, die das Aufeinandertreffen der Kulturen hervorbringen kann. .
Wie haben Sie sich dieser fremden Kultur genähert?
Ich spiele im Film die Christin Karla, die mit einem Moslem verheiratet ist. Deshalb habe ich mich schon vorher mit dem Islam beschäftigt. Bei den Drehvorbereitungen hat uns der Zentralrat der Muslime in Deutschland unterstützt und darauf geachtet, dass das Drehbuch authentisch ist.
Wissen Sie jetzt mehr über die islamische Kultur?
Ich bin vor allem dem Land Marokko näher gekommen, wo wir gedreht haben. Wir waren in einer sehr religiösen Gegend. Obwohl ich nie in Marokko leben könnte, zieht es mich an. Die Menschen tragen zwar Kaftan, sind aber weniger verschleiert als in vielen anderen Ländern. Ich meine damit, dass sie sehr ehrlich und offen sind. Ich bin mit vielen ins Gespräch gekommen.
Mit wem zum Beispiel?
In einer Filmszene fahre ich auf einem offenen Lieferwagen inmitten lauter einheimischen Komparsen. Als der Dreh vorbei war, bin ich einfach sitzen geblieben. Der Mann neben mir hat mich gefragt, ob ich im wahren Leben auch verheiratet bin und war ganz überrascht, als ich verneinte. Ich habe ihn gefragt, ob er denn auch vier Ehefrauen habe. Und er meinte ,Nein, eine reicht mir'. Die Frauen waren alle unheimlich offen und freundlich. Sie haben mir immer das Kopftuch zurecht gezogen, wenn es mal nach hinten gerutscht ist.
Im Film stellt sich heraus, dass der Ehemann nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Haben Sie sich auch schon mal so in einem Menschen getäuscht?
Das ist mir zum Glück noch nie passiert. Aber wir schildern ja auch eine extreme Situation, in der sich herausstellt, dass Zaid Karla nur geheiratet hat, um sich eine deutsche Identität aufzubauen und er plötzlich das gemeinsame Kind entführt.
Bei Ihnen selbst ist es anders herum: Viele sehen in ihnen immer noch die Soap-Darstellerin aus GZSZ, die sie selbst nicht mehr sein wollen. Stört sie dieses Bild?
Es geht nicht darum, dass ich sie nicht mehr sein will. Es ist ein Fakt, dass ich seit fünf Jahren keine Soap-Darstellerin mehr bin. Es ärgert mich schon, weil mich dieses alte Bild verfolgt. Da kann ich tun, was ich will. Ich gehe meinen Weg mittlerweile unabhängig von den Medien.
Wie sehen Sie sich denn selbst?
Ich bin aus Leidenschaft Sängerin und Musikerin. Ich muss drehen, ich brauche das. Musik muss aber auch sein und wenn ich nur Musik höre oder zu Hause meine Gitarre in die Hand nehme und dazu singe.
Sie spielen eine sehr selbstbewusste und emanzipierte Frau. Sind Sie selbst auch so?
Mittlerweile ja, aber man ist nie nur stark und selbstbewusst. Ich hätte aber in einigen Momenten anders gehandelt als Karla, ich wäre stolzer gewesen. Aber Karla tut eben alles, um bei ihrem Sohn zu sein. Deshalb bietet sie sogar an, zum Islam überzutreten. Wobei ich nicht glaube, dass sie das wirklich getan hätte.
Sat1, Dienstag, 20.15 Uhr














