Steinheim: Die purpurrote Sonne ist leise untergegangen

Die Band Purple Sun hat 40 Jahre den Veranstaltungsreigen im Bottwartal mitgeprägt.
ArchivSteinheim - Wir sind genau im schönsten Moment ausgestiegen“, so lautet das Fazit von Werner Maier. Der Gründer von Purple Sun, jener Band, die im Bottwartal den Veranstaltungsreigen über vier Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet hat, genießt nun die Rückschau auf ein reiches und bewegtes Musikerleben. „Denn jetzt waren wir noch obenauf“, erklärt der Mann, der zusammen mit seinem Großbottwarer Sandkasten-Freund, Kurt Weigle, die Band 1977 ins Leben gerufen hat.
Gemeinsam mit weiteren Bandmitgliedern haben sie so zahlreichen Festen und Veranstaltungen in der Region, einen nachhaltigen Stempel á la Purple Sun aufgedrückt. Wohl nicht allzu viele Coverbands können das von sich behaupten. „Wir haben bestimmt auch ganz schön viele Hochzeiten zu verantworten“, meint Maier schmunzelnd im Rückblick auf die vier Jahrzehnte, weil er weiß, dass sich bei den anfangs rund 120 Auftritten pro Jahr, auch viele Paare kennengelernt haben.
Er könnte wohl ein Buch schreiben über die Anekdoten und Erinnerungen, die sich von Oktober 1977 an, als die Gruppe regelmäßig auftrat, mit dem Bandleben aufgetan haben. „Auf manchen Festen waren wir tatsächlich 30 Jahre lang“, staunt Maier selbst und erinnert sich an Auftritte, bei denen Gäste so lange Zeit ausharrten, dass sie „frühmorgens nicht mehr nach Hause gekommen wären“. Seine Frau Margit jedoch, die weibliche Power-Stimme von Purple Sun, habe sie schließlich im Auto mitgenommen und daheim abgesetzt.
Dass jede Band einmal aufhören muss, ist klar. Für die sechs Mitglieder von Purple Sun aber – dazu gehören auch André Sauber, Hans-Jürgen Fein und Marino Suzzi – war es ein schleichender Prozess mit einem absehbaren Ende. „Wir alle waren beruflich irgendwann dermaßen gefordert, dass es einfach nicht mehr ging“, konstatiert Maier, der gemeinsam mit seinen Söhnen Robin und Tim eine Firma in der Beschallungsbranche aufgebaut hat.
Robin und Tim waren übrigens „unsere härtesten Kritiker“, sagt der Vater, dessen Söhne auch schon mal vertretungsweise bei der Band eingesprungen sind. Außerdem hatten sie sich zusehends verstärkt um die Technik gekümmert. Abgesehen von den erforderlichen Auslandsaufenthalten, denn zwei Drittel des Umsatzes machen die Maiers mit Geschäftspartnern außerhalb Deutschlands, sei es ihnen nicht mehr ohne weiteres möglich gewesen, mitten in der Woche zu proben, um auch musikalisch den Finger am Puls der Zeit zu halten. Und das ging den anderen in der Band ebenso.
„Wir wollten unseren Fans wie gewohnt etwas bieten“, erklärt Maier. Der immens hohe Zeit- und Organisationsaufwand aber forderte seinen Tribut. Es ist wie ein Spiegel unserer Zeit, der die Ära Purple Sun beendet hat: beruflich stark unter Druck geraten, mussten schließlich Prioritäten gesetzt werden. Zu verhehlen jedoch ist nicht, dass auch das zunehmende Alter der Bandmitglieder eine Rolle gespielt hat. Werner Maier jedenfalls schaut mit Erleichterung nach vorne, denn der Abstand sei wegen der langanhaltend starken Anstrengung einfach nötig gewesen.
Dabei hilft ihm das Bewusstsein, dass seine beiden Söhne Robin und Tim in die elterlichen Fußstapfen getreten sind: mit ihrer siebenköpfigen Band Campus, die aus Schülern des Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasiums entstanden ist. Mit Lara Bäuerle als neuer Sängerin, führen sie das musikalische Erbe weiter. „Popmusik, wie bei uns, nur noch etwas breiter gefächert“, ergänzt Maier, der froh ist, dass der Nachwuchs nun auch die Faschingszeit musikalisch sichert. „Denn aus Sicht der Veranstalter ist es eine gute Sache, dass es eine zweite Band aus unserem Hause gibt“.