Die Frau, die sich traut: Beate flieht ins Wasser

Die Schauspielerin Steffi Kühnert spielt Beate.
X-VerleihFilmkritik und Trailer zum Kinofilm "Die Frau, die sich traut"
Stuttgart - Beates letzter großer Traum, die Olympiateilnahme mit der DDR-Schwimmstaffel, zerplatzte vor über 30 Jahren durch eine Schwangerschaft. Nun wird sie 50, arbeitet in einer Wäscherei und opfert sich für ihre längst erwachsenen Kinder auf: ihren Sohn, der mit Freundin bei ihr im Haus lebt, und ihre kurz vorm Examen stehende Tochter, deren Tochter sie betreut. Für sich selbst hat Beate nie viel getan. Schlagartig ändert sich das, als sie die Diagnose Gebärmutterhalskrebs bekommt. Sie setzt sich ein großes – letztes? – Ziel: einmal den Ärmelkanal durchschwimmen. Verbissen fängt sie an zu trainieren und kümmert sich sonst um nichts mehr, auch nicht um eine Behandlung.
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Regisseur Marc Rensing ließ bei seinem Spielfilmdebüt „Parkour“ (2009) Talent dafür aufblitzen, eine Geschichte fesselnd und zugleich unprätentiös umzusetzen. Das deutet sich zunächst auch jetzt wieder an, nicht zuletzt dank seiner Hauptdarstellerin: Steffi Kühnert lässt diese widersprüchliche und sture Beate mit unaufgeregtem Spiel überaus authentisch wirken, macht oft allein durch ihre Mimik ihre Gefühlslagen nachvollziehbar – zumindest, soweit es das häufig wenig plausible Drehbuch zulässt.
So bleibt die Bedeutung des Kanalschwimmens für Beate bis zuletzt diffus; das Schwimmtraining wirkt bei ihr eher wie die kopflose Flucht vor dem Krebs als die Erfüllung eines Traums. Eine Flucht auch vor ihren Kindern, denen sie eben nicht von ihrer Krankheit zu erzählen wagt, um sie nicht zu belasten – und deren Leben sie gerade durch ihren plötzlichen Rückzug belastet.
Statt solche Unschlüssigkeiten aufzulösen, als die Kinder schließlich von dem Krebs erfahren haben – nachdem Beate wegen einer schwerer Blutung ins Krankenhaus musste und ihr ein stark gewachsener Tumor diagnostiziert wurde –, biegt der Film in ein Finale ein, das einer HollywoodHeldengeschichte gleicht: Beate türmt aus dem Krankenhaus nach Dover und schwimmt. Und als sei dies angesichts vermutlich großer Schmerzen nicht schon unglaubwürdig genug, werden bei der Kanaldurchquerung noch im Schnelldurchlauf alle erdenklichen Komplikationen abgespult, um Dramatik zu schaffen. Passabler Start, kitschiger Abschluss.
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