Der BRD-Western „13 Uhr mittags“ in der ARD
: Ein wilder Tag in Hedly

Witzig und mit liebevoll gezeichneten Charakteren zeigt der ARD-Film „13 Uhr mittags“, dass Westernthemen gut in die deutsche Provinz passen. So eisern ehrbar wie einst Gary Cooper als Marshal sind die Dorfpolizisten von heute aber nicht mehr.
Von
Thomas Klingenmaier
Stuttgart
  • High Noon im Münsterland: Dorfpolizist Gabriel Jörg Schüttauf) und die lokale Schützenkönigin (Katharina Behrens) stellen sich dem Bösen.

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  • So fing das alles vor ein paar Jahren an im sonst ganz ruhigen Hedly: Ein paar Vermummte überfallen die kleine Bank des Örtleins.

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  • Zufällig kam Hedlys einziger Polizist Olaf Gabriel (Jörg Schüttauf) rechtzeitig am Tatort an.

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  • Vor Gericht musste Gabriel (Jörg Schüttauf, Mitte) danach erklären, was er gesehen hatte – und wie es zu einem Toten kommen konnte.

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  • Sechs Jahre später: Der Boss der Räuberbande, Simon Held (Thomas Arnold, re..) kommt aus der Haft und fährt mit alten Kumpels wie Eck (Milton Welsh) zum Showdown nach Hedly.

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  • Held (Thomas Arnold, re..) will seinen damals zu Tode gekommenen Bruder rächen.

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  • In seiner Bande gibt es zwar gleich ein wenig Stress zwischen Eck (Milton Welsh, re.) und Mehmet (Arnel Taci), ....

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  • ... aber bei der Konfrontation mit Gabriel dessen Kollegin vom LKA ist man sich wieder einig (v. li.: Arnel Taci, Thomas Arnold, Milton Welsh, Rosalie Thomas, Jörg Schüttauf).

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Stuttgart - Gut, dass die offene Gesetzlosigkeit normalerweise einen großen ­Bogen um Hedly macht, um eines jener Örtchen im Oldenburger Münsterland, wo sonst die Standuhrpendel vor Langeweile einschlafen. Denn nun stünden 24 Stunden lang den Mächten des Chaos Tür und Tor offen: Olaf Gabriel (Jörg Schütt­auf), der einzige Beamte des örtlichen ­Polizeipostens, hat seinen Abschied ­genommen und packt für eine Fahrt ohne Wiederkehr. Gabriels Nachfolger aber verspätet sich um einen Tag.

Wie gesagt, normalerweise könnte Hedly einen polizeilosen Tag ohne Horroreintrag in der Dorfchronik überstehen. Aber in der Westernparodie „13 Uhr mittags“ von Martina Plura ist Gabriel doch verdächtig nervös, und der örtliche Bestattungsunternehmer hobelt schon mal Särge „auf Vorrat“, wie er sagt. Spätestens als die ­Kamera einen Schienenbus heranzuckeln zeigt, wird klar, dass Bedrohliches naht.

Ganz schnell weg

„13 Uhr mittags“ spielt zwar ganz liebevoll mit Motiven aus dem Westernklassiker „High Noon – 12 Uhr mittags“ aus dem Jahr 1952, in dem sich Gary Cooper als einsamer, von seinen Mitbürgern im Stich gelassener Marshal Will Kane gegen eine Verbrecherbande wappnen muss, die der Mittagszug in die Stadt bringen wird – doch hat der allgemeine Glaube an makellos ­integre Gesetzeshüter in der Zwischenzeit eher ein wenig abgenommen. Und so gibt es bald Anzeichen dafür, dass Gabriel Geheimnisse hat. Auch wenn ihm die örtliche Schützenkönigin (Katharina Behrens) liebend mit der Schrotflinte zur Seite steht, wir trauen ihm nicht so recht.

Wunderbare Kontraste

Es sind aber gar nicht irgendwelche großartigen Drehbuchüberraschungen, die „13 Uhr mittags“ sehenswert machen, es ist die Präzision, mit der Ensemble und Regie die Pointen setzen, und die skurrile Menschlichkeit, mit der aus einem Lach­effekt ein Moment der Charakteroffen­barung wird. „Aah, das halt ich nicht aus“, japst der Polizist, als ihm Hedlys Tierärztin einen Streifschuss desinfiziert. Sein ­Gejammere und ihr lakonischer Befund, das sei „ein Kratzer“, bil­den einen wunderbaren Kontrast.

Sie möchten sich, sagen die Schwestern Martina und Monika Plura (Monika hat die Kamera geführt), einen Namen wie die Coen-Brüder machen. Dass darin die nötige Selbstironie mitschwingt, glaubt man nach diesem Film sofort. Dass die Pluras mit Einflüssen von den Coens, Quentin Tarantino und dem klassischen Hollywood besser umgehen können als viele andere, aber auch.

Ausstrahlung: Mittwoch, 30. Mai 2018, 20.15 Uhr. Wiederholungen am Donnerstag, 31. Mai 2018, 0:35 Uhr in der ARD sowie am Sonntag, 03. Juni 2018, 20:15 Uhr auf One.