STN+STN+Architekturpreis Der Große Hugo 2024
: Stuttgarter Büros erfolgreich beim wichtigsten Architekturpreis im Land

Acht herausragende Gebäude haben den Landespreis Hugo Häring des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten erhalten. Mehr als die Hälfte wurde von Stuttgarter Architekten geplant – und dies sind die Gewinner des „Großen Hugo“.
Von
Tomo Pavlovic
Stuttgart
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  • Ein Preisträger ist das von den Stuttgarter AMUNT Architekten entworfene Ferienhaus im Schwarzwald.

    Rasmus Norlander/AMUNT Nagel Theissen Architekten
  • Jan Theissen und Sonja Nagel vom Stuttgarter Büro AMUNT haben für einen privaten Bauherren im Schwarzwald ein Ferienhaus namens FRIHA geplant. „Der Bau tritt in Dialog mit der umliegenden Landschaft und macht diese im Gebäude erlebbar. So verspringt das auf einem ,Betontisch’ aufgeständerte Gebäude der Topografie folgend und gliedert damit funktional den fließenden Innenraum“, so die Jury unter dem Vorsitz der Münchner Architektin Birgit Rudacs.

    Rasmus Norlander/AMUNT Nagel Theissen Architekten
  • Die Jury war auch von den Innenräumen im Haus im Schwarzwald überzeugt: „FRIHA sieht man an, dass die Architektinnen und Architekten das Haus vom Fundament bis zum dreiecksförmigen Möbelgriff in einer Sprache entworfen haben.“

    Rasmus Norlander/AMUNT Nagel Theissen Architekten
  • Nach einem Großbrand standen nur noch Ruinen des alten Bahnhofes – die Stadt Aalen als Bauherrin entschied sich, die Reste zu erhalten, zu sanieren und wieder aufzubauen. Das von a+r Architekten aus Stuttgart geplante KUBAA ist heute ein Kulturzentrum mit Theater, Musikschule, Kino, Veranstaltungsräumen samt Orgel. Das Projekt erhielt kürzlich den Staatspreis Baukultur des Landes Baden-Württemberg.

    Brigida González
  • „Die historische Sandsteinfassade wird mit einem neuen, transluzenten oberen Abschluss aus gefaltetem, mattbronzefarbenem Lochstahl ergänzt“, lobt die Jury: „Im Inneren bleibt die industrielle Vergangenheit spürbar. Akustisch perfektioniert und sorgfältig gestaltet, bietet der KUBAA interkulturelle öffentliche Nutzung und vielfältige Begegnungen. Die Architektur ist stimmig und identitätsstiftend für die Stadt und die Region.“

    Brigida González/a+r Architekten
  • Die Stuttgarter Steimle Architekten haben für die Große Kreisstadt Radolfzell in Markelfingen diese Halle geplant. „Die neue Markolfhalle in Markelfingen bettet sich in ihrer städtebaulichen Setzung harmonisch in die Umgebung ein und bereichert das kulturelle Gemeindeleben. Die Mehrzweckhalle entwickelt sich mit der leichten Hanglage und passt sich angemessen dem angrenzenden Kontext an“, befand die Jury.

    Brigida González/Steimle Architekten
  • Die Jury war auch angetan von der „feingliedrigen Holzlamellenfassade und dem auskragende Holzrost der Dachkonstruktion“, denn sie „unterstreichen die Materialästhetik und schaffen eine besondere Atmosphäre, die sich von außen in den Innenraum fortsetzen. Der Dachüberstand verleiht dem Gebäude einen vertrauten regionalen Charakter. ... Die Architektur zeichnet sich durch präzise Details und klare Raumaufteilung aus. Das Gebäude ist schlicht und ästhetisch ansprechend, wodurch es eine besondere Schönheit ausstrahlt.“ Das Gebäude hat auch schon den Holzbaupreis des Landes Baden-Württemberg 2024 erhalten.

    Brigida González
  • Der Stadtbahntunnel Karlsruhe - Neubau von sieben Haltestellen im Untergrund vom Münchner Architekturbüro allmannwappner (Bauherrschaft: KASIG, Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft) hat ebenfalls überzeugt: „U-Bahnhöfe sind im Allgemeinen Räume, die als Nicht-Orte bezeichnet werden können. Sie haben keinen ungewöhnlichen und identitätsstiftenden Charakter. Der vom Büro allmannwappner entworfene Stadtbahntunnel mit seinem ganzheitlichen Ansatz der Bahnhofsarchitektur ändert diese Regel grundlegend“, so die Jury.

    Brigida González/Hugo Häring Preis BDA
  • „Die minimalistische und helle Gestaltung der Eingänge, die großzügige Definition der sonst dunklen Bahnsteige durch ein weißes Raster, das die Bahnsteigebene markiert, sind Markenzeichen des Entwurfs. Die in öffentlichen Räumen wie Bahnhöfen immer problematische soziale Kontrolle wird durch eine transparente Architektur gewährleistet“, so die Jury, die auch die Zusammenarbeit mit dem Designer Ingo Maurer lobte. Die der Aalener Kulturbahnhof erhielt das Projekt auch kürzlich den Staatspreis Baukultur des Landes Baden-Württemberg.

    Brigida González/allmannwappner
  • Flexibel nutzbar, erst als Büro, später auch als Mehrfamilienhaus: TINA - flexibles Büro- und Wohngebäude in Breisach am Rhein vom Architekturbüro STUDIO SOZIA, Lisa Häberle & Valerio Calavetta. (Bauherrschaft: Bettina Häberle).

    Kim Fohmann/STUDIO SOZIA
  • Das flexible Bürogebäude befindet sich in einem Gewerbegebiet in Freiburg. Das Jurystatement: „Durch bereits in der Planungsphase vorgehaltene Kapazitäten können die Büroräume in eine variable Anzahl von Wohnungen umgenutzt werden. Ein quadratisches Grundraster von 5 m x 5 m bietet hierfür eine gleichwertige und damit eine weitgehende nutzungsneutrale Struktur an.“ Die äußere Erscheinung des einfachen Baukörpers gefiel ebenfalls. Sie „wird durch ein Spiel von offenen und geschlossenen Flächen, vor allem aber durch die freie halbrunde Treppe geprägt, welche das Gebäude zum Stadtraum hin öffnet.“

    Kim Fohmann/Hugo Häring Landespreis
  • Wohnbauprojekt Rennwegdreieck - Das Quartier im Haus, Freiburg im Breisgau vom Schweizer Architekturbüro Bachelard Wagner Architekten, Bauherrschaft ist die Freiburger Stadtbau GmbH. Die Jury befindet: „Das Haus Rennwegdreieck überzeugt schon dadurch, wie selbstverständlich es auf seinem so gar nicht selbstverständlichen Standort steht. Eine Verkehrsinsel zwischen drei Straßen als urbane Baulandreserve zu erschließen, ist ein eminent zukunftsweisendes Thema.“ Aber . . .

    Maris Mezulis
  • . . . das Haus mache aus seiner Aktualität kein Spektakel, sondern „wirkt auf unaufgeregte Weise zeitlos“. Die Jury weiter: „Die facettierte Fassade mit ihren dreieckig auskragenden Loggien erweist der Architektur des Expressionismus Reverenz, ist in erster Linie aber eine Weiterung der intelligenten Wohnungsgrundrisse rund um das zentrale Atrium. Dazu imponiert die Funktionsmischung mit Gewerbe und Indoor-Spielplatz und ein hierarchiefreier Mix aus gefördertem Wohnungsbau und Wohneigentum, der das Gebäude nicht in Zonen verschiedener Wertigkeiten aufteilt, sondern aus einem solidarischen Guss dastehen lässt.“

    Maris Mezulis
  • Die Stuttgarter Architekten Von M haben für die Stadt Ludwigsburg die Grundschule Fuchshofstraße in Ludwigsburg entworfen. Das Gebäude hatte auch die Jury der Stuttgarter-Mittlerer-Neckar-Sektion überzeugt. Ein Holz-Hybrid-Bau . . .

    Zooey Braun/Hugo Häring Preis
  • . . . mit einem eindrucksvollen Atrium, das von oben belichtet wird und für Veranstaltungen, Lernen und einfach nur auf den Treppen sitzen genutzt werden kann. Das Gebäude hat auch schon den Holzbaupreis des Landes Baden-Württemberg 2024 erhalten.

    Zooey Braun/VON M
  • Ebenfalls in der Stuttgarter Auswahl siegreich war schon die mehrstöckige Kita zwischen Bäumen vom Stuttgarter Büro Franke Seiffert Architekten in Böblingen. Der alte Baumbestand blieb beim Neubau erhalten. Die Fassade besteht aus heimischer Lärche.

    Brigida González/Hugo Häring Preis
  • Bodentiefe Fenster und viel Holz in der Kita. Die identische Aufteilung der Gruppenbereiche ermöglicht eine flexible Nutzung. Es kamen natürliche, naturbelassene Materialien zum Einsatz. Auf fossile Energieträger wurde verzichtet. „Mit den zweiteilig versetzt angeordneten, 2–3-geschossigen Volumen wird den alten Baumriesen geschickt ausgewichen. Innen und außen blicken sich durch die großen, schön gesetzten Fensteröffnungen an“, lobt die Jury. „Farblich ähneln sich Innen- und Außenraum. Das Grün der Blätter nimmt den Boden ein, das Braun der Stämme die Wände und die Decken. Feine, präzise gesetzte Holzlatten umhüllen den Baukörper und gliedern ihn schichtweise.“ Bauherrschaft ist die Stadt Böblingen.

    Brigida González/Franke Seiffert Architekten
  • Dies sind die sieben Häring-Preis-Kandidaten aus der Region Stuttgart, die es nicht in die nächste Runde zum Großen Hugo geschafft haben: Das Zweifamilienhaus im Stuttgarter Osten von HIIIS Architekten entstand auf einem extremen Hanggrundstück. Mit vorgefertigten Holzständerwänden und BSP-Decken konnte die Bauzeit reduziert werden. Die bronzene Fassade spielt mit wechselndem Licht.

    Boris Miklautsch
  • Nachverdichtung und die Belebung eines dörflichen Zentrums in Schweikheim wurde mit diesem Projekt belohnt. Das Wohn- und Werkhaus Weilerstraße von CAPE Binder Hilllnhütter Deisinger mit Schleicher Ragaller Architekten ist hoch gedämmt und kommt dank Wärmepumpe und PV-Anlage in der Jahresbilanz auf Nullenergiestandard. Das Ensemble verfügt über Mietwohnungen in Holzbauweise . . .

    Zooey Braun/Zooey Braun
  • . . . und eine Scheune mit Holzfassade und Sichtbeton, die von verschiedenen Gruppen aus der Gegend genutzt wird.

    Zooey Braun/Zooey Braun
  • Betriebshof Deckerstraße in Stuttgart Bad-Cannstatt, entworfen von asp Architekten aus Stuttgart, die kürzlich auch schon für andere Bauten Auszeichnungen für Beispielhaftes Bauen in Stuttgart erhalten haben. Unbehandelte heimische Hölzer, die natürlich vergrauen, wurden für die Fassade verwendet.

    asp Architekten/Zooey Braun
  • Raue Oberflächen finden sich auch im Inneren des Betriebshofes. Einst war hier das Tiefbauamt angesiedelt, nach dem Um- und Neubau ist es der Arbeitsort des Garten- und Friedhofsamtes.

    asp Architekten/Zooey Braun
  • Industriebauten sind oft gesichtslos – dieser von a+r Architekten geplante und gestalterisch anspruchsvolle Bau in der Form eines abgerundeten Dreiecks zeigt, es geht auch anders. Genutzt . . .

    a+r Architekten/Max Leitner
  • . . . wird das Gebäude als Verwaltungsgebäude der Gustav-Epple-Bauunternehmung. Im oberen Geschoss sind Büros untergebracht, das Foyer eignet sich auch für ein Filmset. Der Bau funktioniert auch Hinweis für potenzielle Kunden, wie gut es sich mit Dämmbeton bauen lässt. Der gilt als nachhaltiger, weil er über gute Wärme- und Schalldämmwerte verfügt und ein deutlich geringeres Gewicht aufweist als herkömmlicher Beton.

    a+r Architekten/Max Leitner
  • Die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim von Lanz Schwager Architekten hat ebenfalls überzeugt. Besonders innovativ ist die Konzeption eines Laborgebäudes als Holz-Hybridbau. Die Decken wurden dabei als Holz-Stahlbeton-Verbunddecken ausgebildet. Ein Holzbau . . .

    Hugo Häring Preis/Andeas Körner
  • . . . mit hölzerner Kunst am Bau. Der verwendete Beton besteht aus Recyclingmaterial. Das Institutsgebäude mit Laboreinheiten ist nach dem Bewertungssystem „Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude“ zertifiziert. „Subtile Details, hölzerne Oberflächen und robuste Materialien lassen das Gebäude mit Sicherheit gut altern und tragen zur lebendigen und einladenden Atmosphäre des Hauses bei“, urteilte die Jury.

    Hugo Häring Preis/Andreas Körner
  • Eine Kita, eine Grundschule und in der Mitte ein Versammlungsraum fürs ganze Dorf, entworfen von Drei Architekten im Herrenberger Stadtteil Haslach. Die Giebeldachform des holzverkleideten Baus unterstützt die Gliederung der Nutzungen, nimmt zugleich die Wohnbebauung in der Umgebung auf.

    Zooey Braun/Hugo Häring Preis
  • Holz und weiße Wände – taghelle Reduktion: Oberlichter bringen gleißendes Licht ins Schulgebäude.

    Zooey Braun/Drei Architekten
  • Die Kaltensteinhalle in Vaihingen an der Enz von Dietrich Untertrifaller Architekten ist ein Neubau in Holzelementbauweise. Nur die erdberührenden Teile sind aus Stahlbeton.

    David Matthiessen
  • Viel Holz in der Halle sorgt für angenehmes Raumklima.

    Dietrich Untertrifaller Architekten/David Matthiessen
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