Aufgrund der S-Bahn-Sperrung zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt müssen Pendler den Ersatzbus nehmen. Foto: Gottfried Stoppel

Vom 24. Februar an fährt zwischen Fellbach und Bad Cannstatt vier Wochen lang keine S-Bahn. Für viele Pendler bedeutet das längere Wege, früher aufstehen und wachsenden Frust.

Am Bahnhof in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) ist es an diesem Morgen ungewöhnlich ruhig. Nur zwei Menschen warten dort: ein junger Mann mit Kopfhörern und eine Frau in dunkler Jacke mit buntem Halstuch. Immer wieder blickt sie auf die Anzeigetafel. Die Verunsicherung ist ihr anzusehen.

 

Von der vierwöchigen S-Bahn-Sperrung zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt habe sie nichts mitbekommen, sagt Olga Meier. Sie muss nach Bad Cannstatt zur Arbeit fahren und kommt jetzt zu spät. „Jeden zweiten Tag gibt es mit der Bahn Probleme. Man kann sich nicht darauf verlassen“, sagt sie. Sie macht sich auf den Weg zum Ersatzverkehr und folgt den lila Schildern, die ihr die Richtung weisen.

S-Bahn-Sperrung: Pendler aus Fellbach nehmen Ersatzverkehr

Ein paar Meter weiter, an der Bushaltestelle, wartet der 46-jährige Florian List. Der Informatiker hat am Vortag beim Bäcker von der Sperrung erfahren. Es habe auch Durchsagen in den Bahnen gegeben, erzählt er, doch trotzdem habe er die Sperrung am Morgen nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Als der Ersatzbus mit dem Schild „S2E“ einfährt, steigt er ein.

Normalerweise braucht er von Fellbach nach Vaihingen mit der S-Bahn nur eine halbe Stunde, an diesem Morgen hat er jedoch schon 45 Minuten Verspätung. „Es ist schon sehr nervig“, sagt er und sieht im Bus aus dem Fenster. Gefühlt gebe es alle paar Wochen eine Vollsperrung.

Mit dem Auto will er sich morgens nicht durch ganz Stuttgart quälen. „In der Bahn kann ich normalerweise entspannen oder etwas Sinnvolles machen“, erzählt er. Für die Zeit der Sperrung überlegt er, mehr Homeoffice zu machen und einen Tag weniger zur Arbeit zu fahren.

Pendlerfrust: Bis zu drei Stunden unterwegs

Der Ersatzbus rollt in Fellbach schließlich Richtung Bad Cannstatt los. Darin sitzt auch Sabine Ost, die in Waiblingen zugestiegen ist und von Schwäbisch Gmünd nach Vaihingen pendelt. Die 49-jährige arbeitet dort an der Universität und braucht normalerweise anderthalb Stunden, um von ihrer Haustür zum Büro zu kommen. Durch die Sperrung braucht sie „zwischen zwei und drei Stunden, je nach Verkehr“.

Die Busse, die von Waiblingen direkt nach Bad Cannstatt fahren, sind ihr zu voll: „Man fühlt sich teilweise wie eine Sardine in der Büchse“, erzählt sie. Die Fahrgäste seien genervt, gereizt und es komme immer wieder zu Reibereien. Sie nimmt deshalb lieber den Bus, der in Fellbach, Sommerrain und der Nürnberger Straße hält – denn da bekommt man einen Sitzplatz.

„Ich bin schon genervt“, sagt sie. Gleichzeitig nehme sie es mit einer gewissen buddhistischen Gelassenheit, meint sie und lacht. „Es ist ätzend, es kostet mich echt viel Zeit auf der Strecke. Aber es hilft nichts, wenn ich mich aufrege.“ In Bad Cannstatt steigt sie aus und macht sich auf den Weg zur S-Bahn nach Stuttgart.

Gemischte Gefühle beim Warten auf den Ersatzbus im Regen

An der Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite wartet Jessica Janiszewski im Regen auf den Bus nach Waiblingen. Für die 30-jährige Erzieherin ist es „das erste Mal mit dem Ersatzbus“. Von der Sperrung habe sie zwar gehört, heute hatte sie diese jedoch nicht mehr auf dem Schirm. Genervt sei sie definitiv. „Ja, weil es halt jetzt so oft hintereinander ist.“ Es sei auch „doof“ für ihre Arbeitskollegen, wenn sie zu spät kommt.

Ein paar Meter weiter wartet Felix Senn. Der 35-jährige Entwicklungsingenieur kommt aus der Stuttgarter Stadtmitte und muss zu einem Kundentermin nach Waiblingen. Von der Sperrung habe er gestern erfahren. Er wirkt vorbereitet. „Es war auch recht gut beschildert eigentlich“, sagt er und blickt in Richtung der wartenden Busse.

Der Ersatzbus S2X fährt von Waiblingen direkt nach Bad Cannstatt. Foto: Gottfried Stoppel

Dann guckt er auf die Uhr: „Der Bus S2X nach Waiblingen kommt gleich um 8.22 Uhr.“ Der Zeitverlust sei überschaubar. „So 20 Minuten“, sagt er. Genervt wirkt er nicht. „Ich meine, das passiert halt, wenn Bauarbeiten sind. Dann muss man sich halt drauf einstellen. Das ist okay.“ Er habe nicht das Gefühl, dass so etwas ständig passiere. Seine Haltung: „Ganz entspannt.“

S-Bahn-Sperrung: Das sind die Gründe

Zwischen dem 24. Februar, 1.30 Uhr, und Mittwoch, 25. März, 1.30 Uhr, ist die S-Bahn-Strecke zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt gesperrt. Viele Fahrgäste aus dem Rems- und Murrtal, die in die Landeshauptstadt kommen wollen, müssen auf den Bus umsteigen. Für die Pendler heißt es wieder: Ersatzverkehr statt S-Bahn – und Umsteigen, warten, länger unterwegs sein.

Hintergrund der Sperrung sind Bauarbeiten für den weiteren Ausbau des bundesweiten Pilotprojekts „Digitaler Knoten Stuttgart“. In den Bereichen von Bad Cannstatt und Untertürkheim werden die Bahnstrecken mit der modernen Leit- und Sicherungstechnik ETCS (European Train Control System) ausgerüstet.

Die Deutsche Bahn setzt damit die Arbeiten aus dem vergangenen Dezember fort. Wie damals fallen die S-Bahnen der Linie S2 zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen aus. Die Linie S3 ist zwischen Bad Cannstatt und Fellbach unterbrochen.

Ersatzbusse und Zusatzfahrten: So kommen Pendler nach Stuttgart

Die Ersatzbusse der Linie S2E fahren zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt über die Haltestellen Fellbach, Sommerrain und Nürnberger Straße. Die Busse S2X sind zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt ohne Zwischenhalt unterwegs. Die Linie XEV fährt direkt zwischen Waiblingen und Stuttgart Hauptbahnhof.

Neben den Ersatzbussen soll auch ein Zusatzangebot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) die Pendler entlasten: Vom 24. Februar bis zum 24. März fährt die U1 montags bis freitags morgens dreimal zusätzlich ab Fellbach Lutherkirche bis Stuttgart Rotebühlplatz. Zwischen Fellbach Lutherkirche und Bad Cannstatt Wilhelmsplatz können zudem die Stadtbahnen der Linie U16 genutzt werden.

Besonders betroffen im Rems-Murr-Kreis

S2 (Schorndorf – Filderstadt)

  • Fällt zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt aus
  • Züge enden vorzeitig – Weiterfahrt nur mit Ersatzbussen

S3 (Backnang – Flughafen Messe)

  • Fällt zwischen Fellbach und Bad Cannstatt aus
  • Züge enden vorzeitig – Weiterfahrt nur mit Ersatzbussen

Für Fahrgäste ist es wichtig, längere Fahrzeiten einzuplanen. Weitere Infos gibt es unter www.s-bahn-stuttgart.de .

Vier Wochen Belastung für die Pendlerregion

Die Sperrung trifft eine Region, in der viele täglich in die Landeshauptstadt pendeln. Der Rems-Murr-Kreis ist eng mit Stuttgart verflochten – wirtschaftlich wie infrastrukturell. Fällt die direkte S-Bahn-Verbindung in die Landeshauptstadt weg, zeigt sich, wie abhängig die Region von einer funktionierenden Schienenverbindung ist.

Für viele Pendler bedeutet das in den kommenden vier Wochen vor allem eines: früher losfahren, länger unterwegs sein – und darauf hoffen, dass sich der Aufwand am Ende auszahlt.