Der KI-gestützte Chat- und Sprachassistent Pico entlastet Außendienstmitarbeiter und stellt auf Wunsch in sekundenschnelle Infos zusammen oder schlägt aussichtsreiche Kundenansprachen vor. Foto: Würth/Peter Petter

Digitalisierung trifft auf schwäbische Handwerkskunst. Wie Würth Kunden entlastet und mit KI den Vertrieb revolutioniert. Warum der ein wichtiger Erfolgsfaktor ist.

Würth ist zurück auf Wachstumskurs. Umsatz und Ergebnis sind 2025 gestiegen, und auch in den ersten vier Monaten 2026 hat das Familienunternehmen aus Künzelsau ein Umsatzplus von 3,2 Prozent geschafft und das Betriebsergebnis vor Steuern sogar um acht Prozent verbessert.

 

„Wir sind bisher aus Krisen immer gestärkt hervorgegangen. Das stimmt uns zuversichtlich“, sagte Würth-Chef Robert Friedmann bei der Bilanzpressekonferenz trotz eines schwierigen Umfelds. Die Lagerbestände hat man deutlich aufgebaut, um lieferfähig zu bleiben und weitere Marktanteile zu gewinnen. Gleichzeitig lassen sich damit auch Preiserhöhungen abfedern, die Lieferanten schon angekündigt haben.

Würth beliefert weltweit Industrie- und Handwerksunternehmen, und deren Herausforderungen sind enorm: Fachkräftemangel, Dokumentationspflichten, Kosten- und Zeitdruck, das verlangt viel Flexibilität im Arbeitsalltag ab. „Dafür erwarten unsere Kunden intelligente praxistaugliche Lösungen über alle Bereiche hinweg“, sagt der Würth-Chef.

Würth-Chef Robert Friedmann gibt sich trotz des herausfordernden Umfelds zuversichtlich. Foto: Sinah Osner

Durch den Einsatz von moderner Technologie, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) schaffe man den Kunden spürbar Entlastung. Die Warenbeschaffung läuft zunehmend digital – mittlerweile generiert Würth 25 Prozent des Umsatzes über das Internet. „Der Außendienst ist aber nach wie vor das entscheidende Bindeglied zu unseren Kunden“, sagte Friedmann. Digitalisierung und KI helfe, diese Rolle noch wirksamer ausfüllen. „Technologie schafft bei Würth nicht Distanz, sondern echte Nähe“, so der Würth-Chef.

Viele globale Herausforderungen

Digitaler Assistent Pico

Beispiel: der hauseigene digitale Chat- und Sprachassistent Pico, der Außendienstmitarbeiter entlastet. Pico liefert auf Wunsch nicht nur sekundenschnell Informationen oder schlägt aussichtsreiche Kundenansprachen vor. Via Sprachsteuerung können Außendienstler auch administrative Aufgaben vom Auto aus erledigen – etwa Lieferscheine oder Rechnungen versenden.

So bleibt für den Kunden mehr Zeit. Auch für Unternehmerlegende Reinhold Würth ist der Kundenkontakt von jeher das Fundament des Erfolgs. Wichtig sei Vertrauen und das Zuhören. „Wer hört, erfährt auch, wo die Kunden ein Problem haben. So haben wir viele neue Produkte entwickelt“, gibt er bei passender Gelegenheit immer gern seine Erfahrung weiter. Der 91-Jährige hat Anfang 2025 den Stiftungsaufsichtsratsvorsitz an seinen Enkel Benjamin Würth übergeben, verfolgt aber die Unternehmensentwicklung und das politische Geschehen genau und ist laut Friedmann nach wie vor ein guter Ratgeber. Das Geschäftsjahr 2025 habe man einigermaßen erfolgreich über die Bühne gebracht, meldet sich der Patriarch im Geschäftsbericht zu Wort.

Reinhold Würth, der Anfang 2025 an seine Enkel übergeben hat, meldet sich auch im aktuellen Geschäftsbericht zu Wort. Foto: Bernd Weißbrod

„Die globalen Herausforderungen nehmen nicht ab“, sagte Friedmann. Dennoch weist der Weltmarktführer für Montage- und Befestigungsmaterialien 2025 mit 20,7 Milliarden Euro einen Rekordumsatz aus. Das entspricht einem Zuwachs von 2,3 Prozent (währungsbereinigt 3,2 Prozent). Das Betriebsergebnis vor Steuern erhöhte sich 2025 leicht von 940 Millionen auf 970 Millionen Euro.

Das Deutschlandgeschäft verzeichnete nur ein leichtes Plus von 1,0 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro. Die Auslandsgesellschaften wuchsen stärker, gut lief es vor allem in Südeuropa, Südamerika und Asien.

26 700 Beschäftigte in Deutschland, der Großteil in Hohenlohe

Innerhalb des Kerngeschäfts entwickelten sich die Divisionen Bau (plus 6,3 Prozent) und Auto (plus 1,6 Prozent) positiv. Gemeint sind damit die Autowerkstätten als Würth-Kunden. Neben der Befestigungstechnik ist Würth auch in angrenzenden Geschäftsfeldern wie dem Elektrogroßhandel, der Chemie und Elektronik aktiv, die allesamt stärker wuchsen als der Konzern. Überdurchschnittlich legte der Bereich E-Business, also die digitalen Vertriebskanäle.

Von den weltweit gut 86.400 Beschäftigten – rund 2000 weniger als im Vorjahr - arbeiten knapp 44.000 im Vertrieb. In Deutschland sind fast 26.700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, im Vorjahresvergleich etwa 700 weniger, mit 17.900 ist der Großteil davon in der Region Hohenlohe. Aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen hat Würth freie Stellen vorwiegend aus eigenen Reihen besetzt und die Personalplanung „sorgfältig abgewogen“. Wo es Wachstum gibt, werden aber Leute eingestellt – wie etwa in der Chemiesparte oder bei Würth Elektronik eiSos. Der Bereich liefert passive passive Bauelemente für Leiterplatten, wächst kräftig und ist ein früher Konjunkturindikator.

Das Familienunternehmen ist mit über 400 Gesellschaften und mehr als 2800 Niederlassungen in 80 Ländern vertreten und erreicht weltweit gut 4,5 Millionen Kunden. Das Eigenkapital der Würth-Gruppe ist um 5,1 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro gestiegen, was einer Eigenkapitalquote von 50,5 Prozent entspricht – nach Unternehmensangaben liegt sie damit „für ein Handelsunternehmen auf einem sehr guten Niveau“ und ermöglicht finanzielle Spielräume. 2025 hat Würth gut 1,1 Milliarden Euro investiert.