Dass an der Wolframstraße in Stuttgart eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll, ist schon länger bekannt. Jetzt verrät die Stadt, wann sie bezogen werden soll.
Die geplante Flüchtlingsunterkunft am Milaneo an der Wolframstraße soll 2026 bezugsfertig werden. Dies teilte die Verwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion mit. „Laut dem Liegenschaftsamt befindet sich die Unterkunft aktuell im Bau und soll voraussichtlich ab Mitte nächsten Jahres belegt werden“, so eine Sprecherin der Stadt Stuttgart.
Auf der Fläche eine modulare Flüchtlingsunterkunft zu errichten wurde bereits 2023 im Gemeinderat beschlossen. Eigentlich hätte der Bau an der Wolframstraße, der für 162 Menschen Platz bieten soll, bereits im zweiten Quartal 2024 den Betrieb aufnehmen sollen. Der Termin konnte offensichtlich nicht eingehalten werden.
Damals war laut der Beschlussvorlage von „drei Jahren Festlaufzeit mit anschließender jährlicher Verlängerungsoption“ die Rede, es gehe um „längerfristige Unterbringungsmöglichkeiten“. Etwa 80 Containerbauten sollen entstehen. Der Beschlussvorlage zufolge hat das Hochbauamt die Kosten für das Vorhaben in einer Höhe von bis zu knapp 4,5 Millionen Euro beziffert. Einen aktuelleren Stand für die Kostenentwicklung gibt es nicht. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass „von einer Beruhigung der extremen Preisbildung“ nicht ausgegangen werden könne.
Diese Kosten trägt die Stadt
Die Stadt übernimmt aber die Kosten nicht allein, einen großen Teil trägt auch der bislang nicht näher genannte Vermieter. Die Landeshauptstadt beteiligt sich demnach mit 763.000 Euro, außerdem an Versorgungskosten wie Strom, Telekommunikation und Wasser sowie am Rückbau irgendwann, der dann etwas über eine Million Euro kosten soll.
Das klingt angesichts der maroden Haushaltslage nach viel Geld. Die Kosten seien jedoch im Doppelhaushaltsplan 2024/2025 als Vorbelastungskosten berücksichtigt, dürften sich also zumindest nicht direkt auf den vergangene Woche verabschiedeten Sparhaushalt ausgewirkt haben.
Der Containerbau an der Wolframstraße ist ohnehin in eine größere Inititiative zur Flüchtlingsunterbringung in Stuttgart eingebettet. 2023 war beschlossen worden, 876 Plätze in Modul‐ und Containerbauweise zu errichten und dafür 47 Millionen Euro aufzuwenden. Betroffen waren Flächen an den Standorten Hedelfingen, Plieningen, Stuttgart-Ost und eben Stuttgart-Nord. „Hallenbelegung zu vermeiden ist große Herausforderung“, begründete OB Frank Nopper damals die Maßnahme, die Millionensumme für die Modulbauten bereitzustellen.
Bauarbeiten sind nicht unbemerkt geblieben
Die Bauarbeiten an der Wolframstraße sind offenbar nicht unbemerkt geblieben. So hat sich in dem Online-Forum Reddit eine Diskussion darüber entsponnen, was die Unterkunft für das Viertel bedeutet. „Direkt in bester Lage vor dem Milaneo bei der Stadtbibliothek wird ein Flüchtlingsheim errichtet“, schreibt ein Nutzer, „wieso entscheidet sich die Stadt für so eine Location?
Da die Mieten in der Gegend ums Europaviertel, in das in den vergangenen Jahrzehnten massiv investiert wurde, als teuer gelten, kommt bei manchen auch Sozialneid auf: „Für den Durchschnittsbürger ist die Lage auf jeden Fall nicht bezahlbar“, so ein anderer Nutzer. Ein weiterer fragt: „Warum werden von der Stadt keine Wohnungen für Arbeiter gebaut?“
Andere halten die Entscheidung, am Milaneo eine Flüchtlingsunterkunft zu errichten, aus anderen Gründen für falsch. Auch wenn die Mieten dort teuer sein mögen, gilt die Ecke bei manchen als unsicher. Zuletzt sorgte ein Vorfall mit einem Messer in einer Tiefgarage des Kaufhauses für Aufsehen; der Mailänder Platz gilt als Schauplatz von Massenschlägereien. „Wieso in dieser Lage ? Wieso mitten in der Stadt? Das wird nicht funktionieren“, ist sich ein Reddit-Nutzer sicher.