Vor-Ort-Termin am Ehrlichweg in Stuttgart-Fasanenhof: Seit Jahren soll hier verdichtet werden. Die Projekte sind umstritten. Foto: Christian Hass

Seit Jahren gibt es Pläne der Stadt, in Stuttgart-Fasanenhof Wohnhäuser und eine Kita zu errichten. Nun liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Zu Besuch am Ort des Geschehens.

Das Thema Nachverdichtung löst im Fasanenhof seit Jahren Diskussionen aus. Drei Wohnbauprojekte stehen im Möhringer Stadtteil zur Disposition: Am weitesten gediehen ist ein Vorhaben des Siedlungswerks, das auf dem Grundstück rund um die katholische Kirche St. Ulrich Wohnungen vorsieht. Laut Amt für Stadtplanung und Wohnen sei der Aufstellungsbeschluss hierfür erfolgt.

 

Im Gebiet Eichwiesen am Logauweg, wo ein neues Stuttgarter Quartier mit 200 bis 250 Wohnungen entstehen könnte, tut sich indes noch nichts. Das betreffende Bebauungsplanverfahren sei hier noch nicht einmal angestoßen.

Es gab viele Informationen bei dem Termin in Stuttgart-Fasanenhof. Foto: Lichtgut/Christian Hass

Nicht wenige Bewohner sehen die Pläne zur Nachverdichtung im Fasanenhof generell kritisch; weil die Infrastruktur im Stadtteil, wie zum Beispiel die Versorgung mit Ärzten, im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte heute schon nicht ausreichend sei.

Im Projekt am Ehrlichweg auf dem Fasanenhof ist Bewegung

Bewegung kommt jetzt ins dritte Projekt am Ehrlichweg – zumindest was eine rund 1,2 Hektar große städtische Fläche betrifft. Ursprünglich wollten sich auch die Baugenossenschaften, die im Ehrlichweg Grundstücke besitzen, an der Nachverdichtung beteiligen. Doch zu einem städtebaulichen Vorvertrag kam es nie, weshalb sich die Pläne jetzt „auf die städtischen Flächen konzentrieren“, wie Ruth Clemens-Martin, stellvertretende Leiterin in der Abteilung Städtebauliche Planung Filder, am Abend des 21. April bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Wohncafé Ehrlichweg erklärt.

Die Veranstaltung ist Teil eines Beteiligungsverfahren zur städtebaulichen Entwicklung des Areals, das direkt an der Stadtbahnlinie U6 und an der Autobahn liegt. Rund 30 interessierte Bürger waren ins Wohncafé gekommen, um sich über die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zu informieren. Mit ihr soll ermittelt werden, wie auf der Fläche ganz im Süden des Fasanenhofs künftig Wohnraum, eine Kindertagesstätte sowie Räume für die Jugend des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) entstehen können.

60 bis 80 Wohneinheiten für Stuttgart

Ein kleiner Teil des Areals wird bisher schon vom DRK genutzt, hier soll auch die bis zu sechsgruppige Kita Platz finden. Auf dem weitaus größeren Teil steht aktuell eine Flüchtlingsunterkunft. Dort will die Stadt perspektivisch Gebäude mit 60 bis 80 Wohneinheiten errichten. Auch Pflege-Wohngemeinschaften sollen Platz finden.

Schnell wird das alles indes nicht passieren: Das Planungsamt machte gleich zu Anfang der Veranstaltung deutlich, dass die Flüchtlingsunterkunft noch lange Zeit genutzt werde. Tatsächlich gebaut werden dürfte hier deshalb frühestens in den 2030er-Jahren. Der neue Bebauungsplan für das Gelände soll entsprechend nicht nur die künftige Wohnbebauung mit Kita ermöglichen, sondern auch die bestehende Flüchtlingsunterkunft planrechtlich sichern.

Treffpunkte im Quartier und Anordnung der Wohnblöcke

Zwei Entwicklungsszenarien hat das Planungsbüro Daniel Schönle im Rahmen der Machbarkeitsstudie erarbeitet. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch die unterschiedliche Verortung von öffentlichen Flächen, die im neuen Quartier als Treffpunkte dienen könnten, sowie die Anordnung der künftigen drei bis vierstöckigen Wohnblöcke: einmal als massive Ringbebauung um einen grünen Hofbereich, im anderen Fall als eine lockere, durchgängige Bebauung aus mehreren Häusern.

Der Anteil an sozial geförderten Wohnungen soll bei über 50 Prozent liegen. Wegen des hohen Bedarfs und der Tatsache, dass die Kita auf dem jetzt schon unbebauten Teil des Areals entstehen soll, werden die Tagesstätte sowie die Räumlichkeiten für das DRK voraussichtlich in einem ersten Bauabschnitt errichtet.

Lärmteppich der Autobahn liegt über dem Fasanenhof

Die größte Herausforderung aus Sicht der Stadtplaner ist die Lärmbelastung durch die nahe Autobahn. Sie wird zwar bereits durch eine zwölf Meter hohe Schallschutzwand gedämmt. Über dem ganzen Viertel liegt gleichwohl ein Lärmteppich, der „aktuell über der genehmigungsfähigen Lautstärke liegt“, so die Stadtplaner. Die Stellung der maximal 12,50 Meter hohen Gebäude sei entscheidend, ob der Lärm in den Griff zu bekommen ist. Für den Freibereich der Kita sei das besonders problematisch.

Für die Anwohner des Ehrlichwegs waren die Knackpunkte am Dienstag freilich ganz anders gelagert. Mehr Wohnungen bedeutet für viele im Viertel noch mehr Streit um die ohnehin schon knappen Parkplätze.

Zwar sehen die Pläne unter dem Areal eine Tiefgarage vor. Doch ob die ausreicht und ob dort auch Parkplätze für Anwohner entstehen, die schon jetzt im Ehrlichweg wohnen, ist fraglich. „Das Parken“, sagt eine Bewohnerin, „ist im Viertel das Hauptproblem“. Daran dürfte sich am Ende messen, ob das Projekt Akzeptanz findet.