Noch prägen Industriebauten das ehemalige Werzalit-Gelände. Foto: vanti/Ralf Poller)

Das größte Neubaugebiet im Landkreis Ludwigsburg entsteht in Oberstenfeld. Rewe ist beim Supermarkt draußen – aber Ärzte sollen zugesagt haben.

Bei Wolfgang Matt laufen die Fäden zusammen. Der Geschäftsführer der Levkas GmbH, einer Tochter der Volksbank Backnang, rechnet im Jahr 2028 mit den ersten Häusern im Mega-Neubaugebiet Bottwarwiesen in Oberstenfeld. Doch schon vorher soll ein Supermarkt in Betrieb gehen.

 

Noch gilt der alte Bebauungsplan in dem Neubaugebiet, in dem später einmal 1350 Menschen leben sollen. Das ist wichtig, denn der Discounter darf damit planungsrechtlich schon entstehen. „Er sollte Mitte 2027 seinen Betrieb aufnehmen“, sagt Wolfgang Matt. Der ursprüngliche Interessent Rewe sei jedoch abgesprungen. Welche Kette stattdessen einzieht, will der Levkas-Geschäftsführer aus Gründen der Vertraulichkeit nicht preisgeben.

Ein Spatenstich markiert den Beginn – der designierte Bürgermeister von Oberstenfeld, Kai Kraning (Dritter von links), legt Hand an. Foto: Voba Backnang

Eine Sprecherin von Rewe-Südwest teilt auf Nachfrage mit: „Wir sind in der wirtschaftlichen Risikobewertung zu der Erkenntnis gelangt, den Standort nicht zu belegen.“ Eine Rolle könnte spielen, dass der Lebensmittelkonzern im zwei Kilometer entfernten Beilstein bereits eine Filiale unterhält, dort auch Aldi vertreten ist und es in nächster Nähe in Oberstenfeld bereits einen etablierten Edeka-Markt gibt. Konkurrenz gibt es auch in Steinheim und Großbottwar.

Nachhaltiger Supermarkt: Ressourcenschonend und geräumig

Der Discounter sichere die Versorgung und werde mit 1500 Quadratmetern relativ geräumig sein, erklärt Wolfgang Matt. Den Platz bietet eine bereits bestehende Sheddach-Halle auf dem alten Werzalit-Gelände. Das Gebäude sei ressourcenschonend, da bei einem Neubau ein Drittel des CO₂-Verbrauchs eines Gebäudes entstehe. Auch eine Stampflehmwand als natürliches Dämmmaterial wirke sich günstig auf die Öko-Bilanz aus. „Das Gebäude erreicht problemlos den KfW55-Standard.“

Zugesagt haben laut Wolfgang Matt auch Ärzte, die sich in dem Wohngebiet ansiedeln wollen. Namen will der Levkas-Geschäftsführer nicht nennen. Auch ob es sich um bereits in Oberstenfeld ansässige Mediziner handelt, will er nicht verraten. „Der Ärzteriegel sichert die medizinische Versorgung in Oberstenfeld und im Bottwartal“, sagt Matt.

Wann die ersten Wohnhäuser in dem auf 450 Wohneinheiten angelegten Gebiet gebaut werden können, erscheint noch unsicher. Viel dürfte davon abhängen, wann die Kommune den Bebauungsplan beschließt. „Ich rechne frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 damit“, erklärt Wolfgang Matt. In diesem Fall würde es mit der frühesten Bebauung erst 2028 klappen.

Eilig hat es der Levkas-Chef nicht. „Eine Erschließung ergibt erst Sinn, wenn die Konjunkturflaute vorüber ist.“ Sinnvoll wäre dann, das 13,3 Hektar große Areal in mehreren Abschnitten zu bebauen. Dies müsste der Gemeinderat im Detail festlegen.

Das Wohngebiet soll modern ausgerichtet sein: Das geplante Mobility Hub ist laut Matt ein „besonderes Highlight“. Das Gebäude kombiniere Parken, elektrisches Laden und eine Energiezentrale, die das Areal über ein Nahwärmenetz versorge. Als Quartiersgarage trage es maßgeblich zur Parkraumbewirtschaftung im ersten Bauabschnitt bei.

Der designierte Bürgermeister Kai Kraning sieht das Baugebiet auf einem guten Weg und bestätigt das von Matt angestrebte zeitliche Ziel eines Bebauungsplans Ende 2026 oder Anfang 2027. Die Gemeinde habe vor der Sommerpause eine frühzeitige Beteiligung gestartet und mit dem vorgezogenen Spatenstich einen ersten Maßstab auf der Basis des alten Bebauungsplans auf das Gebiet gelegt.

Neues Wohngebiet: Chancen für junge Familien und Zuzügler

Die Größe des Gebiets spricht offenbar auch dafür, Ortsfremden eine Chance zu geben. Kai Kraning will das Gebiet für unterschiedliche Gruppen attraktiv gestalten: sowohl für junge Familien aus der 8000-Einwohner-Kommune als auch für Menschen von außerhalb.

Ein solches Gebiet in den bestehenden Ort zu integrieren sei gleichwohl eine Herausforderung, räumt Kraning ein: „für unseren lebendigen Ortskern, der durch eine attraktive Anbindung weiter gestärkt werden kann, ebenso wie für unsere Vereine, die von neuen engagierten Mitgliedern profitieren könnten“. Außerdem habe die Gemeinde ein umfassendes Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben, das eine verlässliche Grundlage bilde.