Noch steht der landeseigene Energiekonzern gut da. Doch die Herausforderungen nehmen in der Krise zu. Gut, wenn sich die EnBW wappnet, meint unser Kommentator.
Es sind beeindruckende Zahlen. Um die fünf Milliarden Euro verdient die EnBW Jahr für Jahr. Acht Milliarden Euro will sie jedes Jahr investieren, unter anderem in den Ausbau der Netze, neue Gaskraftwerke oder E-Ladesäulen. Und drei Milliarden Euro hat sie dieses Jahr als Kapitalspritze von ihren Großaktionären erhalten, die damit den Wachstumskurs unterstützen wollen.
Alles bestens also bei dem von Land und Landkreisen getragen Energiekonzern? „Ja, aber“, müsste die Antwort lauten. Ja, weil die EnBW tatsächlich auf einem guten Weg ist. Der Ausbau der Erneuerbaren geht zügig voran. Während anderswo Personal abgebaut wird, stellt der Versorger kräftig ein. Die Strompreise konnten zuletzt sogar spürbar gesenkt werden.
Belastungen und Unsicherheiten
Aber, weil das Umfeld für das Unternehmen deutlich anspruchsvoller wird. Von der anhaltenden Wirtschaftskrise bleibt es natürlich nicht verschont. Hinzu kommen besondere Belastungen für die Energiebranche – zum Beispiel der immer teurer werdende Netzausbau oder politische Unsicherheiten wie beim nach wie vor ausstehenden Kraftwerkskonzept.
Vor diesem Hintergrund ist der Appell zu sehen, den der Vorstandschef Stamatelopoulos jetzt an die Belegschaft gerichtet hat. Wenn die EnBW auf Kurs bleiben soll, mahnt er, müssen alle Mitarbeiter noch effizienter werden. Unnötige Ausgaben könne man sich nicht mehr leisten, jeder Euro werde für die gewaltigen Investitionen benötigt. Weniger externe Aufträge, mehr KI-Einsatz und eine längere Wochenarbeitszeit sind Ausdruck dieser Bemühungen. Das stärkste Signal aber ist die Ankündigung fürs Personal: Neue Stellen wird es erst mal keine mehr geben, frei werdende werden erst nach sorgfältiger Prüfung wiederbesetzt. Tausende Jobs sind in den nächsten Jahren somit immer noch zu vergeben, aber keine 10 000 mehr, wie unlängst noch angekündigt. Die Botschaft ist klar: Wie das ganze Land kommt auch die EnBW in schwierigeres Fahrwasser – und muss sich für erhebliche Herausforderungen wappnen.