TK Elevator hat seinen Standort Neuhausen aufgegeben, Arbeitsplätze gehen verloren. Doch mit seinen neuen Gebäuden möchte sich das Unternehmen wieder nach oben bringen.
Mit dem Niederdrücken eines Buzzers und einem Regen an bunten, dünnen Papierstreifen eröffneten Verantwortliche am Donnerstag symbolisch den Neubau der TK Elevator Aufzugswerke in Esslingen. Auf dem ehemaligen Eberspächer-Gelände in der Zeppelinstraße ist in knapp 18 Monaten Bauzeit für Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro ein Produktionskompetenzzentrum mit gut 420 Mitarbeitenden und Platz für etwa 30 Azubis entstanden.
„Bitte benutzen Sie nicht den Aufzug.“ Ungewöhnliche Worte für einen Aufzugshersteller. Doch Geschäftsführer Michael Loh fügte in seiner Begrüßungsrede schnell hinzu: „Im Brandfall“. Denn TK Elevator lebt vom Aufzugsgeschäft, ist aber auch für Planung, Installation und Wartung von Fahrtreppen, Fahrsteigen, Fluggastbrücken, Plattformliften oder Treppenliften zuständig.
Den neuen Standort in Esslingen möchte TKE ganz weit nach oben bringen: In den Neubauten sind auf gut 33.000 Quadratmetern Fläche Forschung, Entwicklung, Produktion, Verwaltung und Vertrieb untergebracht. In den Gebäuden werden die nächste Aufzugsgeneration, Innovationen für Hochhäuser sowie intelligente Steuerungssysteme entwickelt und getestet, sagt Pressesprecher Jan-Philipp Eschenbach: „Zusätzlich bietet das neue Kompetenzzentrum eine moderne Costumer Experience Area, in der unsere Kunden unsere Zukunftstechnologie erleben können.“
Ersatzteile gehen vom Neckar nach Nord- und Zentraleuropa
Bei den geführten Rundgängen im Rahmen der Eröffnungsfeier ging es zu wie in Schloss Neuschwanstein. Die einzelnen Gruppen müssen einander ausweichen, so groß ist das Interesse. Vier Testschächte mit je 20 Metern Höhe, erfahren die Teilnehmenden, gehören zum Neubau-Areal. Sie ermöglichen eine sofortige Überprüfung neuer Produkte unter realen Bedingungen. Einen Riesentestturm mit einem Gardemaß von gut 246 Metern gibt es in Esslingen nicht. Der Testturm bei Rottweil sei nicht weit entfernt und könne mitbenutzt werden, erklärt Andreas Heidrich als Leiter der Forschungsabteilung. Der Bau eines so hohen Turms in Esslingen wäre ökonomisch nicht vertretbar gewesen.
Der Rundgang führt auch durch das im Juli in Betrieb genommene, vollständig digitalisierte Ersatzteil-Lager. Von Esslingen aus, so berichten die Verantwortlichen stolz, werde Zentral- und Nordeuropa versorgt, und vom Neckar aus werde die Wartung von gut 250 .000 Aufzugs- und Fahrtreppenanlagen unterstützt. Durch moderne Verfahren könnten Servicetechniker Ersatzteile direkt ins Fahrzeug oder an persönlichen Lieferpunkten erhalten, was schnellere Reparaturen ermögliche. Ein Stopp wird auch in der Lehrlingswerkstatt gemacht. Bis zu 30 Azubis von TKE und dessen Partnerbetrieben können hier praxisnahe Fertigkeiten erlernen.
Arbeitsplätze sind in Neuhausen verloren gegangen
Seit Anfang des Jahres sitzt TK Elevator auf gepackten Umzugskisten. Nach und nach ziehen die Mitarbeitenden um. Noch werde parallel an zwei Standorten, in Esslingen und in Neuhausen, produziert. Bis November sollen aber alle Betriebsabläufe in Esslingen vereinigt werden. Neuhausen wird aufgegeben. Von einem schmerzhaften „Transformationsprozess“ spricht auch Jan-Philipp Eschenbach. In Esslingen seien ursprünglich 300 Arbeitsplätze vorgesehen gewesen. Nun seien es 420. Die meisten Mitarbeitenden wären von Neuhausen mit umgezogen. Doch an dem ehemals mit mehr als 800 Mitarbeitenden besetzten Standort seien auch viele Arbeitsplätze verloren gegangen – sozial verträglich und in Absprache mit den Arbeitnehmervertretungen. Aber nun wolle man nach vorne schauen.
Das Produktionskompetenzzentrum, so wurde am Morgen der offiziellen Einweihung mehrfach betont, sei ein klares Bekenntnis zu Deutschland und vor allem auch zum Standort Esslingen. Besteht dort noch mehr Platzbedarf über den Neubau hinaus? „Das neue Product Competence Center deckt unsere aktuellen Anforderungen für Produktion, Forschung, Entwicklung und das digitale Ersatzteillager vollständig ab“, sagt Jan-Philipp Eschenbach. Gleichzeitig werde nicht ausgeschlossen, Esslingen künftig auch als Standort für weitere Aktivitäten des Konzerns zu nutzen: „Schon heute hat auch der Seed Campus, unsere weltweite Lernorganisation für Mitarbeitende, einen Ableger in der Stadt.“
Die Botschaft wird Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer gerne vernehmen. Bei Besuchen vor allem auch in kleineren Unternehmen in der Region, so der Stadtchef bei der Einweihungsfeier, stelle er ein Aufziehen dunkler Wolken am immer weniger sonnigen lokalen Wirtschaftshimmel fest. Er hoffe auch, dass für den bisherigen TKE-Standort Neuhausen schnell eine Nachfolge gefunden werden könne.
TK Elevator in Kürze
TK Elevator
Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 50. 000 Mitarbeitende sowie 25. 000 Servicetechniker an 1000 Standorten weltweit. Im Geschäftsjahr 2023/2024 wurde ein Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro erzielt. TK Elevator wurde nach der Abspaltung vom Thyssenkrupp-Konzern im Jahr 2020 eigenständig.
Restarbeiten
Der Bau des neuen Produktionskompetenzzentrums in Esslingen ist im Juni weitgehend abgeschlossen gewesen, so Pressesprecher Jan-Philipp Eschenbach. In den kommenden Monaten werde noch die Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Einige wenige Restarbeiten in Bereichen wie IT, Einrichtung und Produktion stünden noch an, die den laufenden Betrieb aber nicht beeinträchtigen würden.