Ein Stuttgarter Student arbeitet als im Nebenberuf als Model Foto: RonniaPhotography

Wer als Fotomodell arbeiten will, muss nicht nur fotogen sein, sondern vor allem auch flexibel. Modelagenturen nehmen deshalb gerne Studenten unter Vertrag. Doch Vorsicht: In der Branche sind viele schwarze Schafe unterwegs.

Stuttgart - Wenn Aleksandar Jankovic über seinen Nebenjob spricht, dann geht es vor allem um Freiheit. Einerseits, weil er genug verdient, um mit nur einem Nebenjob auszukommen, und ihm so viel Freizeit bleibe. „Andererseits, weil man wahnsinnig viele Menschen mit sehr offenen Weltansichten kennenlernt“, sagt Jankovic und strahlt.

Der Stuttgarter ist 24 Jahre alt und absolviert momentan ein duales Studium. Seit fünf Jahren arbeitet er nebenher als Fotomodell, unter anderem für Hugo Boss und Adidas. Auch in Mailand und Schanghai hat er schon als Model gearbeitet.

Viele Menschen, ob jung oder alt, träumen von diesem Leben. Aber wie findet man den Einstieg in das Modelgeschäft? In jedem Fall ist der Weg dorthin kein einfacher. Eine Ausbildung gibt es nicht. Wo also beginnen?

Besuch in der Modelagentur Rothchild im Stuttgarter Gerichtsviertel: Täglich landen im Schnitt acht Bewerbungen im Postfach von Inhaberin Kate Karl. „Der Weg ins Modelgeschäft führt in den allermeisten Fällen über eine Agentur“, sagt Karl. Auf ihrer Homepage fordert die Chefin die Einsteiger – in der Branche Newcomer genannt – dazu auf, drei Bilder hochzuladen.

Um sich zu bewerben, reichen Privatfotos

„Um die Fotogenität zu erkennen, brauchen wir ein aktuelles Porträtfoto und einige Ganzkörperaufnahmen in Bademode oder Unterwäsche“, sagt Kate Karl. Allerdings sei es wichtig, hierfür nicht gleich viel Geld auszugeben. „Privatfotos reichen völlig aus, die schauen ja nur wir an.“ Wenn Ausstrahlung und Maße stimmen und der Bewerber sportlich ist, wird er zum Casting in die Agentur eingeladen.

Bei Aleksandar Jankovic hat es ähnlich angefangen. Eigentlich wollte er Profisportler werden. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr wurde er auf der Straße gefragt, ob er bei einer Castingshow mitmachen wolle. „Da habe ich gemerkt, dass mir das Rampenlicht Spaß macht“, sagt Jankovic. Er bewarb sich bei mehreren Agenturen – und wurde von Kate Karl direkt genommen, erster Auftrag inklusive.

Doch längst nicht alle gehen gut mit ihren Models um. „Es gibt viele unseriöse Agenturen in dem Geschäft“, sagt die Chefin von Rothchild an der Olgastraße. Die erkenne man vor allem daran, dass sie eine Gebühr für die Aufnahme in die Modelkartei verlangten. „Außerdem werden Einsteiger von seriösen Agenturen niemals direkt für Aktfotografie vermittelt.“

Es gibt viele Schwarze Schafe in der Branche

Davor warnt auch Seka Vucic, die in Stuttgart die Agentur S Models führt. Es gebe in letzter Zeit vermehrt Massencastings, die in Hotels stattfänden. „Oft sollen die Einsteiger direkt Geld bezahlen, und es werden ohne Vorbereitung direkt Bilder gemacht“, sagt Vucic. Und keine gute Agentur verspreche gleich viele Aufträge.

Wenn eine seriöse Agentur nach der Bewerbung zum Casting lädt, werden oft die ersten professionellen Aufnahmen gemacht. „Hier sollte man gepflegt erscheinen und nicht zu sehr geschminkt“, sagt Seka Vucic. Außerdem sollten die Klamotten nicht zu weit sein, sondern eher die Figur betonen. „Und wichtig ist: keine Angst haben und offen sein dafür.“

Überhaupt ist Offenheit ein entscheidender Charakterzug für den Modeljob. „Wenn man auf einem Auftrag ist und für einen Werbekunden Fotos macht, kann man sich nicht in den Pausen schüchtern zurückziehen oder am Handy hängen“, sagt Jankovic. Schließlich repräsentiere man sich selbst. „Das ist kein Hobby“, betont auch Kate Karl. „Der Kunde bezahlt dafür, dass man konzentriert bei der Sache ist.“ Gerade wenn ein Fotoshooting den ganzen Tag geht, ist das nicht leicht. „Man braucht auch viel Geduld“, sagt Jankovic.

Früher noch als er hat Mareike Kircher mit dem Modeln begonnen. „Ich war damals 16, und bei meinem ersten Auftrag war deshalb noch meine Mutter dabei“, sagt Kircher. Inzwischen studiert die 23-Jährige in Konstanz. „Damals während der Schule war es immer wieder schwierig mit den Terminen“, sagt Kircher. Zwar habe der Rektor ihren Nebenjob gut gefunden und sie immer freigestellt, solange die Noten stimmten. „Aber viele Termine kommen sehr spontan, und wenn ich dann eine Arbeit geschrieben habe, ging das eben nicht.“ Einige Aufträge ließen sich aber gut im Voraus planen.

Studenten sind bei Agenturen beliebt

Deshalb sind Studenten bei den Agenturen äußerst beliebt. „Sie bringen die nötige Flexibilität mit, auch kurzfristige Aufträge schnell zuzusagen“, sagt Seka Vucic. Mit dem Modeln als Nebenjob verdienten Studenten auch mehr als beim Kellnern. „Die meisten fangen an, wenn sie aus der Schule raus sind“, sagt Kate Karl. Mareike Kircher und Aleksandar Jankovic jedenfalls haben ihren Nebenjob noch nie bereut. „Es ist sehr vielseitig, und man unterhält sich viel mit Menschen“, sagt Jankovic. „Ich kann nur raten: Einfach bei Agenturen bewerben und schauen, ob man Chancen hat“, rät Kircher. „Und immer selbstbewusst bleiben!“ 

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