Die Zirkuswelt feiert die Dalian Meteor Troupe aus China. Im Weltweihnachtscircus wirbeln zehn Akrobaten Meteore und sich durch die Luft. Wie kam es dazu?
Die Dalian Meteor Troupe aus China verzaubert im Weltweihnachtscircus das Publikum mit einer furiosen Mischung aus akrobatischen Sprüngen, Jonglage, Salti und flink umherfliegendem Lichterglanz. Ihre Welt sind die Meteore – die Sternschnuppen. Im chinesischen Zirkus haben sie in Form von kleinen Schalen, die an Seilen gebunden jongliert werden, eine lange Tradition. Dort gibt es extra Artisten, die dafür ausgebildet werden, um mit diesen Meteoren zu jonglieren.
Einer von ihnen ist Qiao Hu aus dem nordchinesischen Dalian. Der 27-Jährige hat schon im Alter von fünf Jahren mit artistischen Übungen begonnen, wie Lin Quan, Managerin der Gruppe aus dem Chinesischen ins Englische übersetzt. Weil er so quirlig und voller Energie war, fand seine Mutter sei die Artistik passend für ihn. In der Tat. Im Alter von sieben, acht Jahren begann er dann die spezielle Meteoren-Artistik-Ausbildung. Bis heute ist er begeistert davon. „Heute steht er damit an der Weltspitze“, sagt Quiao Hu. Er kann er sogar mit beiden Armen doppelt Meteore herumwirbeln und ist top im Bilden von Pyramiden, bei dem ein Artist auf den Schultern des anderen steht. In Stuttgart stehen bis zu vier Mann übereinander und wirbeln die leuchtenden Meteor-Schälchen umher und lassen die Sternschnuppen tanzen.
Und oben, auf der Spitze der Artisten-Pyramide, steht Guo Meng Xiang. Der 18-jährige Newcomer der Gruppe begann im Alter von 12 Jahren in Dalian die Artistenausbildung. Schon mit sechs Jahren startete er mit Gymnastik. Doch als sein Trainer sah, dass er mehr konnte, empfahl er ihm die Artistik. Wenn er ganz oben auf der Pyramide seiner Artistenkollegen steht, zwischen den fliegenden Meteoren in der Manege, dann hat er „ein bisschen Angst“ wie er sagt, aber er fühlt auch Stolz, jetzt im Zentrum des artistischen Weltgeschehens zu sein. „Er fühlt sich dann wie ein König“, übersetzt Quiao Hu und strahlt mit ihm um die Wette.
Artist rät: „Wenn man will, dann schafft man es“
Wie es ist, Akrobat zu sein, da erzählen die beiden ganz klar: „Das tägliche Training ist sehr hart“, sagt Guo Meng Xiang, aber wenn er das Publikum und die Begeisterung hört, fühlt er sich glücklich und weiß er, warum er Akrobat geworden ist. Auch Qiao Hu hat durch seinen Akrobatenberuf den Sinn für sein Leben gefunden: „Das harte Training, die unmöglichen Aufgaben, die du zu meistern hast, helfen dir und du weißt, du kannst alles erreichen in der Welt, was du willst. Du kannst alle Probleme bewältigen“, sagt der 27-Jährige. Jungen Leuten, die auch gerne Zirkusakrobat werden wollen, rät er, es sei zwar eine extreme Erfahrung in ihrem Leben, man müsse sehr hart dafür arbeiten, doch: „Wenn du es kannst, kannst du alles andere an Schwierigkeiten auch bewältigen. Wenn man es will, dann schafft man es“, hat er gelernt. „Akrobatik kann dir in deinem ganzen Leben helfen“, so Qiao Hu.
Normalerweise trainieren sie in China sieben bis acht Stunden lang am Tag: Sprünge, Jonglage mit den Meteoren, Pyramiden bauen, hoch konzentriert sein, voller Disziplin. Die Vierfach-Pyramide mit allen Sprüngen wird sogar 60 mal geübt, damit sie dann in der Manege einmal perfekt klappt, weiß der 18-jährige Artist. Und im Weltweihnachtscircus, wo sie durch die Aufführungen weniger Trainingszeit haben, ist kein Fehler zu entdecken in ihrer herausragenden Show aus artistischen Sprüngen, Ästhetik, Eleganz mit Jonglage, Salti und Lichterzauber.
Meteor-Vorführung hat lange Tradition in China
Die Vorführung mit den Meteoren hat in China eine lange Tradition. Die Dalian Meteor Troup, die 1952 gegründet wurde und in der 7,5-Millionen-Einwohner-Stadt im Norden Chinas, etwa eineinhalb Flugstunden von Peking entfernt, ein eigenes Trainings- und Aufführungshaus hat, besteht in Stuttgart aus Artisten im Alter von 16 bis 32 Jahren. Ihre Heimatstadt Dalian „ist im asiatischen Raum eine wichtige Hafenstadt und die Chinesen machen dort gerne Urlaub wegen des milden Klimas und der Nähe zum Meer“, weiß Lin Quan.
Aufführung von Li Yi shi komplett modernisiert
Der Trainer Li Yi shi von der Dalian hat diese Aufführung im Laufe der Jahre immer weiter verändert und modernisiert zu einer packenden Nummer mit hohem Tempo und eigens komponierter Musik. Während früher in den Anfangsjahren bei der Meteor-Nummer noch an zwei Seiten brennende Schnüre herumgewirbelt wurden, waren es später kleine Schalen gefüllt mit Wasser, weiß Quiao Hu. Heute sind es Schalen ohne Wasser, die aber nicht minder gefährlich sind, weil sie in hohem Tempo herumgeschleudert werden. Heute spielt nun die Elektronik eine große Rolle beim bunten rasenden Lichter- und Akrobatenspektakel, der nicht immer verletzungsfrei ist. Quiao Hu zeigt eine bereits verheilte Narbe am Finger und lacht.
Drei goldene Auszeichnungen bei Festivals gewonnen
Längst schon haben sie goldene Auszeichnungen. So etwa 2019 als Sechser-Gruppe in Frankreich bei ZIrkusfestivals. Der 27-jährige war dabei, auch beim Internationalen Jugendcircusfestival in Moskau, wo sie ebenfalls Gold gewannen. Mit ihrer Aufführung, den fliegenden Meteoren, möchten sie dem Publikum „die süßen Träume“ schenken, wenn man Sternschnuppen sieht, dass man sich etwas wünschen kann.
Ein besonderer Wunschtraum für Monte Carlo
Ein Wunschtraum begleitet die chinesischen Meteore im Januar nach dem Weltweihnachtscircus nach Monte Carlo. Und der funkelt Gold. „Wenn wir den Goldenen Clown gewinnen würden, wissen wir, wir sind die besten der Welt“, sagt Quiao Hu. Die Herzen des Publikums im Weltweihnachtscircus haben sie bereits erobert. Nun fiebern sie darauf hin, dass ihnen ihr faszinierender leuchtender Akrobatikzauber im neuen Jahr weiter Glück bringt – auch bei ihrem Neujahrsfest, dem Frühlingsfestival. Dieses feiern sie in China zwischen dem 15. und 23. Februar. Und da wünschen sie sich dann ein gutes neues Jahr - „Guo Nian Hao“. Und für Ihre Teilnahme in Monte Carlo im Januar gilt: „Jia yóu“ – viel Glück.
Der Weltweihnachtscircus gastiert noch bis zum 6. Januar auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.