Stefanie Schuster von der Olgäle-Stiftung nimmt einen Scheck in Höhe von 39.372 Euro im Weltweihnachtscircus entgegen. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Der Weltweihnachtscircus zeigt Solidarität mit einer großzügigen Spende. Derweil ermittelt die Polizei wegen Bedrohungen gegen den Tauben-Magier. Und Aktivisten sagen ihre Demo ab.

Die Hilfe der Holländer für kranke Kinder in Stuttgart hat Tradition: Der aus Amsterdam stammende Zirkuschef Dalien Cohen überreicht am Freitag Stefanie Schuster, der Präsidentin im Vorstand der Olgäle-Stiftung, einen Scheck über 39.372 Euro – den gesamten Erlös der Premierenvorstellung. Die Vorstellungen des Weltweihnachtscircus sind meist ausverkauft. Seit bald drei Jahrzehnten fließt der gesamte Erlös der ersten Vorstellung an Kinder des Olgahospitals, des sogenannten Olgäle, und deren Familien.

 

Begründet wurde diese Tradition in den 1990er-Jahren von Zirkus-Seniorchef Henk van der Meijden. Für den heute 88-Jährigen war es stets ein Anliegen, Menschen in Stuttgart zu unterstützen, denen es nicht so gut geht. Sein Schwiegersohn Dalien Cohen, der heute die Produktion auf dem Cannstatter Wasen leitet, führt dieses Engagement konsequent fort. Die Olgäle-Stiftung für das kranke Kind kann sich damit auch in diesem Jahr kurz vor Weihnachten über ihre größte Einzelspende freuen – ein Beitrag, der angesichts sinkender öffentlicher Unterstützung kaum hoch genug zu bewerten sei, wie sich der Verein freut.

Nicht ganz so erfreulich in diesem Jahr ist die Debatte über die Tauben-Show des ukrainischen Magiers Sergey Stopakov. Die Polizei ermittelt mittlerweile wegen mutmaßlicher Bedrohungen gegen den Künstler. Aktivisten sollen versucht haben, ihn einzuschüchtern, damit er seine Nummer einstellt. Wie Cohen berichtet, waren Polizeibeamte am Freitag im Zirkus, um den Sachverhalt aufzuklären.

Obwohl das zuständige Veterinäramt bestätigt hat, dass Stopakov mit seiner Darbietung nicht gegen Tierschutzbestimmungen verstößt, zeigte sich der Künstler angesichts massiver Drohungen stark belastet. Er habe seit Tagen nicht mehr schlafen können und ist inzwischen aus Stuttgart abgereist. Zu seiner Sicherheit hat die Direktion des Weltweihnachtscircus entschieden, die Tauben-Nummer aus dem Programm zu nehmen. Seine Gage erhält der Magier dennoch vollständig.

Die holländische Produzentenfamilie Van der Meijden im Stuttgarter Weltweihnachtscircus. Foto: LICHTGUT/Kovalenko

„Der Weltweihnachtscircus ist ein Fest der Freude und des gemeinsamen Zirkusgenusses, den wir allen Besucherinnen und Besuchern garantieren wollen“, erklärt die Direktion im Netz. Zugleich wolle man den Artisten schützen, der erheblichen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei.

„Friedlicher Protest hört auf, wo Menschen eingeschüchtert werden“

Die Tierrechtsorganisation Animal Rebellion hat ihre für Freitag angekündigte Demonstration vor dem Zirkus inzwischen abgesagt. Sprecherin Scarlett Treml erklärt in einer Pressemitteilung: „Wir begrüßen, dass die Tauben-Performance aus dem Programm genommen wurde und weiteres Tierleid verhindert wird.“ Zugleich richtet die Organisation ihren Appell weiterhin an die Stadt Stuttgart, das bestehende Wildtierverbot in Zirkussen auf alle Tierarten auszuweiten. In ihrer Stellungnahme betont Animal Rebellion, ihr Einsatz sei „friedlich, respektvoll und verantwortungsvoll“. Von Bedrohungen gegen Einzelpersonen distanziert sich die Organisation ausdrücklich: Friedlicher Protest höre dort auf, wo Menschen eingeschüchtert würden.