Clown Vasallo im Weltweihnachtscircus. Er ist im Januar zum Internationalen Circusfestival nach Monte Carlo eingeladen. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Davis Vasallo verkörpert nicht nur Spaß und Spannung auf dem hüpfenden Seil. Im Januar reist er nach Monte Carlo. Was hat er mit Charlie Chaplin zu tun?

In seinem weiten schwarzen Anzug mit roter Krawatte und weißem Stehkragenhemd, die schwarzen Haare glatt gekämmt samt spitz zulaufender Tolle vorne, wirkt er aufgeräumt. Doch schnell wird klar, dass Davis Vasallo ein quirliger Mensch ist, der trotz seiner auch eigens betonten Körperfülle kokett spielt und vom Publikum gleich von Beginn an ins Herz geschlossen wird. Warum? Ist es die bewusste Tollpatschigkeit, dass er nicht mal am Boden auf einem Seil laufen kann? Oder sind es die Balanceakte, die ihn jedes Mal aufs Seil fallen und zunächst einmal scheitern lassen, die ihn so viele Lacher ernten lassen?

 

Vom Weltweihnachtscircus nach Monte Carlo: „Ein Traum wird wahr für mich“

Der 46-Jährige ist nach der Spielsaison im Stuttgarter Weltweihnachtscircus zum Internationalen Circusfestival nach Monte Carlo eingeladen. „Ein Traum wird wahr für mich“, sagt er im Gespräch abseits der Vorstellung. Unter der Schirmmütze lachen einen zwei dunkle, warmherzige Augen an. Wie schafft er es, dass das Publikum ihn gleich so ins Herz schließt? Vasallos Rezept: „Ich bin glücklich, in der Manege zu sein. Ich fühle mich gut und ich hoffe, das Publikum fühlt dasselbe. Dieses Glück musst du transportieren.“

„Ich fühle mich gut und ich hoffe, das Publikum fühlt dasselbe. Dieses Glück musst du transportieren.“

Davis Vasallo, Clown im Weltweihnachtscircus

Glück begleitet den gebürtigen Italiener, der aus einer Zirkusfamilie stammt, immer wieder. So bekam er 2018 in China beim Festival von Zhuhai den Charlie-Chaplin-Award überreicht von niemand geringerem als von Charlie Chaplins Sohn Eugene Chaplin. Und in der Folge lud dieser ihn zu sich in die Schweiz ein. In Corsiers-sur-Vevey am Genfer See lebte Charlie Chaplin von 1952 bis zu seinem Tod 1977. Das väterliche Haus ist seit 2016 das Museum „Chaplins World“. Dies alles kennenzulernen hat Vasallo sehr gefreut. „Es war der beste Moment in meinem Leben neben der Geburt meiner Tochter“, sagt er.

Vasallo abseits der Manege. Foto: Iris Frey

Charlie Chaplin begleitete den Clown Vasallo von klein auf

Charlie Chaplin begleitet Vasallo von klein auf. Schon sein Vater und Großvater waren Clowns. „Ich habe schon als Kind Chaplin-Filme gesehen. Es war mein Idol, weil er so ein Genie in vielen anderen Dingen war: Artist, Musiker, Poet.“ Und in der Schweiz habe er noch mehr erfahren, auch, dass er ein netter Vater und ein cleverer Mann gewesen sei. Auch über den Circus Knie in der Schweiz kam Vasallo in Kontakt mit der Familie Chaplin. Anfangs arbeitete Vasallo auch mit der Musik Charlie Chaplins in seinen Aufführungen, dann aber entwickelte er seinen Stil. Schon als Siebenjähriger sammelte Vasallo erste Erfahrungen im Zirkus. „Mein Vater schminkte mich und nahm mich mit auf die Bühne, aber nur, wenn ich es wollte“, sagt er. „Es war ein Vergnügen und kein Job.“ Schon in der Schule unterhielt er die anderen Kinder mit Späßen. Ab dem Alter von 15, 16 Jahren hat er sich dann entschieden, Clown zu werden. In dem Alter ist seine Tochter jetzt. Bei ihr legt er Wert auf gute Bildung. Sie besuche zwar in Italien auch eine Artistik-Schule, aber es sei noch nicht sicher, ob sie mal im Zirkus arbeiten wird.

Schon als Siebenjähriger war Davis Vasallo in der Zirkusmanege

25 Jahre lang trat Vasallo mit seinem Vater auf. Er unterrichtete ihn auch. So lernte er das richtige Timing, wann ein Gag länger oder kürzer sein muss. Im Weltweihnachtscircus begeistert er in sechs, sieben Minuten auf dem „hüpfenden Seil“, diese seltene Aufführung mit langer Tradition wird er auch in Monte Carlo zeigen. Vasallo hat in seinem Clown-Leben schon vielerlei Erfahrungen gesammelt, vor 20.000 Leuten im Zirkus der Ringling Brothers gespielt bis hin zu kleineren Shows. Er war glücklich, im Nikulin-Circus in Moskau Gast sein zu dürfen, in der Tradition des „Charlie Chaplin von Russland – Maxim Nikulin“.

Als sich sein Vater aus dem Zirkus zurückzog, entwickelte Vasallo seine eigene Vorstellung mit modernem Charakter. Denn er hatte keinen Assistenten, sondern eine Partnerin: seine Ehefrau Ashley Vargas, die er bei den Ringling Brothers in Amerika kennengelernt hat: „Sie ist voller Talent“. Auch sein Vater sei bis heute sehr stolz auf die beiden. „Er half ihr, ihren Weg zu finden.“

Clown Vasallo im Weltweihnachtscircus: Die Assistentin ist die heimliche Chefin

Nicht nur in der Manege ein gutes Team: Davis Vasallo und Ashley Vargas. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

So treten sie gemeinsam emanzipiert auf: statt männlichem Gegenpart ist es seine Frau, die ihn in der Manege agieren lässt, aber nach ihren Wünschen und Vorstellungen. Neckereien inklusive. So ist die Assistentin die „heimliche Chefin“ im Ring in ihrem schwarzroten uniformartigen Dress mit bauschigem kurzen Rock. Sie bildet mit ihrem strengen Äußeren einen gelungenen Kontrast zum scheinbar schusseligen Clown, der wie gefordert am Ende ein Feuerwerk an Sportlichkeit bietet mit dreifachem Salti rückwärts auf dem hüpfenden Seil.

Bei seinem hohen Tempo an Witz, Situationskomik und Beweglichkeit schimmert immer wieder unverkennbar etwas von Charlie Chaplin durch. Doch Vasallo kennt den aktuellen Humor und weiß, wie er mit kleinen einfachen Gesten auch das junge Publikum verzaubert.

Denn alles, was sie hier erleben, ist echt, kein Fake. Im digitalen Zeitalter fällt die Leiter tatsächlich auseinander, die er hochklettert, um auf das hüpfende Seil in drei Metern Höhe zu kommen. Alles sieht so leicht aus und ist dennoch sehr anspruchsvoll oder kann schmerzhaft sein. Den Beruf des Clowns würde er auch jungen Menschen weiterempfehlen. Es sei nicht leicht gewesen, dahin zu kommen und zu stehen, wo er jetzt sei, sagt er, aber: „Es macht mich zu einem der glücklichsten Menschen der Welt.“