Wie ein Amphitheater: der Käsberg, der Neckar, das Dorf. Foto: Werner Kuhnle

Die Krise im Weinbau schreitet voran. Zwei Experten fordern in einem Brandbrief, die Kräfte auf eine einzigartige Lage in Mundelsheim (Kreis Ludwigsburg) zu konzentrieren.

Die Hälfte aller Rebflächen in Württemberg wird innerhalb der kommenden Jahre verschwunden sein. Davon gehen Experten mittlerweile aus. Das betrifft auch die Lagen im Landkreis Ludwigsburg, speziell die Hänge entlang des Neckars. Ein Areal sticht dabei heraus – und zwar der Käsberg in Mundelsheim. Was macht ihn so besonders und wie kann man ihn retten?

 

Zwei Brancheninsider schlagen Alarm. In einem offenen Brief an den Landkreis Ludwigsburg, die Gemeinde Mundelsheim sowie die Lauffener Weingärtner fordern Herbert Müller und Fabian Alber-Gailing von der exNircrum Weinmaufaktur in Hessigheim eine Weichenstellung für das „Amphitheater am Neckar“ und eine konzertierte Aktion für den Mundelsheimer Käsberg, um „ausgewählte, noch bewirtschaftete Lagen als Naturdenkmale zu erhalten“.

„Letztes intaktes Naturdenkmal“

Die Lage am Käsberg ist zum einen besonders schön. Zum anderen ist ihre Bewirtschaftung noch fast vollständig intakt. Während andernorts bereits die meisten noch traditionell mit Trollinger bestockten Rebflächen aufgegeben wurden, verfügt Mundelsheim „als vielleicht letzte Gemeinde im Kreis Ludwigsburg, wenn nicht in Württemberg insgesamt, über ein noch vollständig erhaltenes, historisch gewachsenes und bedeutendes kulturgeschichtliches Naturdenkmal in der Gestalt von Weinbergterrassen, die das Dorf wie ein Amphitheater umgeben“, so Herbert Müller und Fabian Alber-Gailing in ihrem Brief.

Aus diesem Grund hatten Ehrenamtliche vor einem guten Jahr auch schon die Initiative „#wirgehensteil“ gegründet. Ziel ist es, die einzigartigen Steillagen am Mundelsheimer Käsberg zu retten.

„Diese Aufgabe kann durch einen Verein mit ehrenamtlich agierenden Bürgern nicht allein gestemmt werden.“

Herbert Müller, exNicrum Weinmanufaktur

Allerdings verdichten sich Signale, dass „der Tsunami des Verfalls auch nicht vor der Paradelage haltmacht“, so die Macher der exNicrum Weinmanufaktur. Es sei also an der Zeit zu klären, ob es im öffentlichen Interesse liegt, diese noch intakte Kulturlandschaft zu erhalten. „Wenn dies der politische Wille sein sollte, besteht akuter Handlungsbedarf. Diese Aufgabe kann durch einen Verein mit ehrenamtlich agierenden Bürgern nicht allein gestemmt werden.“

Müller und Alber-Gailing stellen in ihrem Brandbrief ein Konzept für eine konzertierte Aktion zur Diskussion. Gefragt sind der Landkreis Ludwigsburg, die Gemeinde Mundelsheim sowie die Lauffener Weingärtner, zu deren Mitgliedern viele der Käsberg-Flächen gehören. Sie alle sollen sich zum Käsberg als historisch gewachsenem und bedeutendem kulturgeschichtlichem Naturdenkmal bekennen.

Zudem sollen Wengerter, die aktuell noch Rebflächen in der benachbarten Lage Mühlbächer bewirtschaften, gebeten werden, diese stillzulegen und der Natur zu überlassen. Dafür sollen ihnen Flächen am Käsberg angeboten werden, die der aktuelle Bewirtschafter aufgeben muss. Die Weinbaubetriebe, die ihre Rebflächen am Käsberg aufgeben müssen, überlassen diese anderen Wengertern – zunächst für einen überschaubaren Zeitraum ohne Pachtzins.

Für diejenigen Wengerter, die Flächen am Käsberg weiter bewirtschaften, soll sich das auch finanziell lohnen. Zu den 5000 Euro pro Hektar, die sie vom Land als Handarbeitszuschuss zur Erhaltung der Biodiversität wie bisher erhalten, sollen laut Müller und Alber-Gailing „mindestens 5000 Euro pro Hektar von den Lauffener Weingärtnern, die die Trauben abnehmen“, kommen.

Die ExNicrum-Macher sehen auch die Gemeinde Mundelsheim und den Landkreis Ludwigsburg in der Pflicht. Weitere 5000 Euro pro Hektar sollen sie zusammen für die Landschaftspflege zur Erhaltung des Käsberg als Naturdenkmal zuschießen. „Diese Entschädigung soll im Regelfall Wengerter-Familien zukommen, die aus Heimatverbundenheit in ihrer Freizeit den traditionellen Trollinger kultivieren und mit ihren mäßigen Einkünften daraus steuerrechtlich in die Kategorie der Liebhaberei fallen.“

Eine solche Förderung würde bei zehn bis 15 Hektar am Käsberg mit 50.000 bis 75.000 Euro zu Buche schlagen, die sich die Gemeinde und der Kreis teilen könnten. Für Fabian Alber-Gailing und Herbert Müller gut investiertes Geld: „Eine Förderung auf zunächst fünf Jahre könnte einen Dammbruch verhindern.“

Klarheit für Wengerter schaffen

Es gehe bei dem offenen Brief nicht darum, Druck auszuüben, betonen die Unterzeichner. Vielmehr gehe es darum, Klarheit für die noch aktiven Weinbaubetriebe zu schaffen. „Es ist für die weitere Disposition der Wengerter wichtig zu wissen, wie sich die Kommunalpolitik und Genossenschaft mit Blick auf die Erhaltung des Weinbaus am Käsberg positionieren.“

Auch die Macher der exNicrum Weinmanufaktur sowie die hinter ihnen stehenden Investoren und Mitglieder des Consortium Montis Casei wollen sich weiter am Käsberg engagieren. „Wir werden unsere Weinberge weiter bewirtschaften, solange es unser Umfeld am Käsberg und die Rahmenbedingungen erlauben.“