Das ist eine schöne Bescherung zum Weihnachtsmarkt. Während die Beschicker aufbauen, müssen sie höhere Gebühren fürchten.
Eine Decke haben sie jetzt alle über dem Kopf. Was angesichts des wüsten Wetters Gold wert ist. Doch ganz trocken kommen die Beschicker des Weihnachtsmarktes nicht davon. Hier muss noch Tannenreisig aufs Dach, da noch Zeug vom Auto hergeschleppt werden.
Am Schillerplatz steht die Familie Weeber vor ihrem Stand. Außen sind sie fertig, die Deko ist auf dem Dach, draußen ist alles angeschraubt. Jetzt geht es drinnen weiter, nach einem Jahr weggeräumt sein, braucht die Bude eine Kehrwoche. Und das Inventar muss rein. Alle Jahre wieder die selbe Arbeit.
Seit 60 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart
Oder wie im Falle von Adolf Weeber: Alle 60 Jahre wieder! So lange kommt er schon zum Weihnachtsmarkt. Auch mit 85 Jahren lässt er es sich nicht nehmen, die Töchter Esther und Kerstin und die Enkel zu unterstützen. „Ich bin immer der erste auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt er und grinst. Um 7 Uhr wartet er, bis Kern senior aus dem Remstal angefahren kommt, um den Glühwein vorbeizubringen. Doch bevor am Mittwoch um 17 Uhr tatsächlich der erste Glühwein ausgeschenkt wird, muss jetzt erst mal wieder am Innenleben des Standes geschafft werden.
Derweil kraxeln sie anderswo im Regen noch auf ihren Dächern rum, stellen Schlitten und Rentiere aufs Dach, schließen Lichterketten an. Man wünscht sich das anders, aber „Hauptsache am Mittwoch hört es auf, wenn die Leute kommen“, ruft einer von der Leiter herab, als er um Verständnis bittet, jetzt kein Schwätzchen halten zu können, es muss ja alles fertig werden.
Bei Mark Roschmann am Stand wird drinnen gearbeitet, bald sollen in der Auslage Süßwaren liegen und Lebkuchenherzen hängen. Er muss auch aufbauen, kämpft aber zugleich an einer anderen Front. Er ist Vertreter der Schausteller und zu ihm kommen gerade die Kollegen und schütten ihr Herz aus. Denn mit Sorge schauen sie ins Rathaus. Dort wollen die Stadträte am Freitag in einer Woche darüber entscheiden, ob die Gebühren erhöht werden. Der Stadt Stuttgart sind die Gewerbesteuern weggebrochen, im Jahre 2024 haben sie 1,3 Milliarden Euro betragen, dieses Jahr wird es maximal die Hälfte sein. Also wird auf der einen Seite gespart, auf der anderen Seite werden die Gebühren erhöht. Für Kitaplätze, für Parkplätze, für die Friedhöfe – und für die Schausteller.
Die Erhöhung soll unterschiedlich ausfallen, je nach Branche. Wer Textilien verkauft, Handwerkliches oder Weihnachtliches muss künftig 115,50 Euro je Quadratmeter zahlen statt 105 Euro. Die Gebühr wird nicht pro Tag erhoben, sondern deckt die ganze Dauer des Marktes ab. Wer Essen und Trinken anbietet, wird deutlich kräftiger zur Kasse gebeten. Fleisch und Wurst zu verkaufen, geht ins Geld, der Preis pro Quadratmeter steigt von 594 Euro auf 712,80 Euro. Bei Glühwein, Waffeln und Gebäck steigt die Gebühr von 412 Euro auf 505,20 Euro. Bei Süßwaren sollen es künftig 281,60 Euro statt 256 Euro sein. Hat man noch Mandeln im Sortiment, steigt die Gebühr auf 307,20 Euro.
Die Stadt argumentiert, die Gebühren seien niedriger als in Dresden, Nürnberg oder Esslingen. Zudem seien die Kosten für Ordnungsdienst und Sicherheit gestiegen und deshalb die Erhöhung notwendig. 125.000 Euro will man so mehr einnehmen.
Die Kosten für einen Stand in Stuttgart steigen – aber in welcher Höhe?
125.000 Euro, die den 250 Beschickern fehlen. Die ihrerseits den stetig steigenden Kostendruck beklagen. So erzählt Roschmann, dass das Kilo Schokolade mittlerweile 18 Euro kostet, vor zwei Jahren waren es acht Euro. „Das kann ich unmöglich an meine Kunden weitergeben“, sagt er. Lebkuchenherzen verkaufe er nur noch, weil es zu einem vollständigen Sortiment gehöre, „aber daran verdiene ich nichts mehr“. Nun sei er in der glücklichen Lage, verschiedene Produkte anbieten zu können und durch eine unterschiedliche Gestaltung des Preises einiges auffangen zu können.
Ein Spezialist wie Markus Jost kann das nicht. „Wir verkaufen Maroni-Produkte“, sagt er. Ein Grundstoff. Steigen seine Kosten, muss er sein Produkt teurer machen. Eigentlich. 25,60 Euro je Quadratmeter zahlt er mehr künftig. „Aber sieben Euro zahlt keiner für heiße Maroni.“ Was bleibt? Wo sparen? An der Qualität nicht, „da schaffen wir uns selber ab.“ Mutmaßlich also noch mehr selber machen, sich selbst noch etwas mehr ausbeuten.
Wann beginnt der Weihnachtsmarkt in Stuttgart?
Man darf davon ausgehen, wenn am Mittwoch um 17 Uhr der Weihnachtsmarkt eröffnet, wird er so besinnlich wirken wie eh und je. Doch es ist Feuer unterm Dach.
Stuttgarter Weihnachtsmarkt
Eröffnung
Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt wird, am Mittwoch, 26. November, im Hof des Alten Schlosses eröffnet. Die Stände öffnen bereits um 17 Uhr.
Öffnungszeiten
Die 250 Stände des Weihnachtsmarktes sind sonntags bis donnerstags von 11 bis 21 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 11 bis 22 Uhr.