Die Neckarwiesenstraße wird in diesem Bereich nahe dem Kraftwerk Gaisburg halbseitig gesperrt und nur noch wechselweise in jede Richtung befahrbar sein. Foto: Jürgen Brand

In wenigen Tagen beginnt der Bau der Wasserstoff-Pipeline in den Stuttgarter Neckarvororten. Im Gewerbegebiet Gaisburg bremst das auch den Liefer- und Durchgangsverkehr.

Voraussichtlich am 22. Mai wollen die Stadtwerke und die Stuttgart Netze mit dem Bau der Wasserstoff-Pipeline vom Hafengebiet in Hedelfingen bis zum SSB-Busbetriebshof in Gaisburg beginnen. Gearbeitet wird an mehreren Teilabschnitten gleichzeitig. Der Start soll noch diesen Monat Am Westkai im Hafen, in einem Bereich in Stuttgart-Wangen, im Bereich Großmarkt und an der Ulmer Straße im Gewerbegebiet Gaisburg zwischen dem Betriebshof der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und dem Knotenpunkt Wangener/Ulmer und Neckarwiesenstraße, der sogenannten Brendle-Kreuzung erfolgen.

 

Das wird vor allem im Gebiet zwischen Gaisburger Brücke und Stuttgarter Großmarkt zu erheblichen Beeinträchtigungen des in diesem Bereich nicht unerheblichen Liefer- und Durchgangsverkehr führen, zumal die Bauarbeiten sich über mehrere Monate erstrecken werden. Und mit Beginn der neuen Bundesliga-Saison 2026/2027 im August wird das auch viele VfB-Fans betreffen, die bei Heimspielen gerne mal im Gewerbegebiet Gaisburg parken.

Der Verlauf der Wasserstoff-Pipeline, deren Bau nun im Neckartal beginnt. Foto: Locke, Zapletal

Die Ulmer Straße als wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Stadtbezirk Stuttgart-Wangen und der Gaisburger Brücke sowie den Bundesstraßen wird im Abschnitt etwa zwischen SSB-Busbetriebshof und Brendle-Kreuzung zur Einbahnstraße. Von Juni bis voraussichtlich November 2026 kann dieser Bereich nur noch von der Talstraße/Gaisburger Brücke kommend in Richtung Brendle/Wangener Straße befahren werden. Wer also beispielsweise vom Großmarkt oder von Wangen kommend Richtung Bad Cannstatt/Bundesstraßen will, muss über die stauträchtige Wangener Straße bis zur Kreuzung mit der Talstraße fahren.

Bau der Wasserstoff-Pipeline bremst Verkehr

Auch die Durchfahrt über die Ulmer Straße zum Großmarkt wird erschwert. Die Neckarwiesenstraße wird ebenfalls von Juni bis voraussichtlich November im Abschnitt zwischen Ulmer Straße/Brendle und Langwiesenweg/Großmarkt halbseitig gesperrt und kann ampelgeregelt nur wechselweise in beide Richtungen befahren werden. Der Langwiesenweg wird dort, wo die Pipeline kreuzt, zur Sackgasse und zwar nach den jetzigen Planungen von November 2026 bis Februar 2027.

Die insgesamt 5,7 Kilometer lange Pipeline, entlang der gleichzeitig ein 110-Kilovolt-Stromkabel verlegt wird, ist Teil eines Pilotprojekts für grünen Wasserstoff. Das Herzstück, der „Green Hydrogen Hub Stuttgart” entsteht bereits auf einem Grundstück Am Mittelkai im Stuttgarter Hafen. Dort sollen mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energiequellen – Sonne, Wind, Wasser – zunächst rund 720 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produziert werden. Das entspricht der Energie von mehreren Millionen Litern Dieselkraftstoff. Wenn diese Menge Wasserstoff den fossilen Kraftstoff ersetzt, würden bis zu 10000 Tonnen CO2 nicht in die Atmosphäre gelangen.

Der Wasserstoff kann direkt an dem Hub im Hafen auf Lastwagen-Trailer verladen und zu Abnehmern in der Region gebracht werden. Durch die Pipeline gelangt der Wasserstoff direkt zu den Abnehmern entlang der geplanten Strecke, also beispielsweise dem Kraftwerk Gaisburg oder eben dem großen SSB-Busbetriebshof im Gaisburger Gewerbegebiet. Dort gibt es bereits eine Wasserstoff-Tankstelle, die zurzeit noch mit Trailern beliefert wird.

Die Stuttgarter Straßenbahnen haben das Ziel, von 2027 an ausschließlich emissionsfreie Omnibusse durch die Stuttgarter Innenstadt fahren zu lassen. Ein wichtiger Teil dieses Plans sind die Brennstoffzellen-Wasserstoffbusse. Sie können in zehn bis 15 Minuten druckbetankt werden. Bisher ist der in den Bussen verwendete Wasserstoff nur zu mindestens 50 Prozent „grün”.

Thomas Moser, Technischer Vorstand und Vorstandssprecher der SSB, sagt: „Wir sind mitten im größten Transformationsprozess seit hier Busse fahren.” Im Gaisburger Betriebshof, der nach dem Großbrand vor einigen Jahren in Teilen neu gebaut wurde, sind inzwischen 37 Ladepunkte geschaffen worden. Und die neue Wasserstoff-Pipeline dürfte bundesweit die erste Pipeline dieser Art mit ÖPNV-Anschluss sein.